Ein Traditionsschiff ist auf dem Leitdamm vor Cuxhaven festgekommen. Als einige Stunden später Wasser in den 30 Meter langen Schoner eindrang, rettete die Besatzung des Mehrzweckschiffes „Neuwerk“ des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Elbe-Nordsee vier Segler und einen Hund von Bord.

Gegen 12.15 Uhr am Samstagmittag den 31. Januar 2026 erhielt die Rettungsleitstelle See der DGzRS, das Maritime Rescue Co-ordination Centre (MRCC) Bremen, eine Meldung über ein festgekommenes Segelschiff auf der Außenelbe vor Cuxhaven. Umgehend alarmierte das MRCC den in Cuxhaven stationierten Seenotrettungskreuzer ANNELIESE KRAMER. Kurze Zeit später erreichten die Seenotretter den Havaristen, der bei Tonne 29 auf den Leitdamm gelaufen war, etwa 1,4 Seemeilen (rund 2,6 Kilometer) vor der Kugelbake.
Die Seenotretter unternahmen einen Freischleppversuch mit dem flachgehenden Tochterboot des Seenotrettungskreuzers, MATHIAS. Der 1890 gebaute Schoner saß jedoch bereits zu fest auf den Steinen des Dammes. Da der Havarist zu dem Zeitpunkt keinen Wassereinbruch verzeichnete, beschlossen Crew und Seenotretter, das nächste Hochwasser gegen Mitternacht für einen neuen Schleppversuch abzuwarten.
Bei auflaufendem Wasser stellte die Besatzung des Havaristen gegen 21 Uhr einen Wassereinbruch fest. Eigene Lenzpumpen an Bord wurden in Betrieb genommen. In Absprache mit den Seenotrettern beschlossen die Segler, weiterhin das Hochwasser für ein Freischleppen abzuwarten. Gegen 22.30 Uhr bot das zu dem Zeitpunkt vor Neuwerk liegende gleichnamige Mehrzweckschiff seine Hilfe an und nahm ebenfalls Kurs auf den Havaristen. Ein Arbeitsboot der „Neuwerk“ – ein Festrumpfschlauchboot – barg daraufhin ein Crewmitglied und einen Hund von dem Traditionsschiff ab. Die ANNELIESE KRAMER befand sich vor Ort auf Stand-by, um jederzeit eingreifen zu können, und leuchtete die Einsatzstelle aus.
Als das Arbeitsboot den Segler an Bord nahm, hatte der Bootsführer den Eindruck, dass sich der Kiel des hölzernen Stagsegelschoners leicht wölbte und ein Auseinanderbrechen drohte.
Zu dem Zeitpunkt fiel zudem plötzlich eine der Pumpen an Bord des Havaristen aus. Durch diese dramatische Verschlechterung der Lage wurde es notwendig, die Crew aus Sicherheitsgründen komplett abzubergen. Das Arbeitsboot der „Neuwerk“ nahm die restlichen Crewmitglieder an Bord und brachte sie anschließend nach Cuxhaven.
Zur Einsatzzeit herrschten südöstliche Winde mit fünf Beaufort (bis zu 38 km/h) und eine Wellenhöhe von etwa 0,75 Meter. Die Lufttemperatur betrug -3 Grad Celsius, die Wassertemperatur etwa zwei Grad Celsius. Was weiter mit dem Traditionsschiff passiert, obliegt dem Eigner bzw. den zuständigen Behörden.
Quelle: DGzRS
Bei dem Schiff handelt es sich um den 21 Meter langen Stagsegelschoner Lilleholm (Foto), der ursprünglich 1893 in Marstal auf der Insel Ærø für deutsche Eigner gebaut wurde. Ursprünglich diente er als hölzerner Gaffelschoner unter dem Namen Dorothea jahrzehntelang als robuster Frachter in der Ostsee. In dieser Zeit wechselte er mehrfach den Namen und Form, wurde zur Galeasse umgebaut und war unter den Namen Fremad oder Martana bekannt.
Nach einer Odyssee, die das Schiff in den 1960er Jahren sogar den Rhein hinauf bis nach Frankfurt am Main führte, wo sie zu einem privaten Vergnügungsschiff umgestaltet wurde, fand sie 1975 ihr Zuhause bei einer Lübecker Eignergemeinschaft. Sie rettete den Schoner und unterzog ihn einer außergewöhnlichen Sanierung: Um den alten Holzrumpf dauerhaft zu erhalten, wurde er mit einer Schale aus Ferro-Zement überzogen. Als Stagsegelschoner getakelt, wurde die Lilleholm zu einem festen Bestandteil der norddeutschen Traditionssegler-Szene und ist oft Gast auf Veranstaltungen wie der Hanse Sail oder der Kieler Woche.
Während die Menschen in Sicherheit sind, bleibt das Schicksal der Lilleholm ungewiss. Derzeit soll sie nicht mehr aus eigener Kraft schwimmfähig sein. Bei Niedrigwasser muss versucht werden, die Lecks abzudichten, damit die Pumpen gegen das Wasser ankommen. Die mögliche Bergung muss dann aber schnell erfolgen, da für die kommende Nacht und den Montag mit einer Verschlechterung des Wetters und starkem Wind aus Nordwest gerechnet wird. Dies würde den Wellengang auf dem Leitdamm erhöhen und den Druck auf den Rumpf massiv verstärken.

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