Wasserqualität: Warum meiden Touristen den Dümmer See?

"Ist doch schön hier!"

Nach der Blaualgen-Invasion im letzten Jahr ist der See nun wieder sauber. Doch Segellehrer Ian Wilson berichtet  auf Sat1, dass die Touristen trotzdem fern bleiben.

Letztes Jahr war ein katastrophales – zumindest für den Dümmer See und den überlebenswichtigen Tourismus an Niedersachsens zweitgrößtem Binnensee. Der Flachsee (nicht tiefer als 1,60m) hatte mit einer Blaualgen-Plage zu kämpfen:

Link zum Sat1 TV Regional-Bericht

Segellehrer Wilson berichtet auf Sat 1 Regional von seinen Nöten © Sat1 TV

Segellehrer Wilson berichtet auf Sat 1 Regional von seinen Nöten © Sat1 TV

Stinkende Algenteppiche verunreinigten den See, eine Massenentwicklung von Cyanobakterien verminderte die Wasserqualität erheblich und die dann auftretenden Toxine zählen zu den stärksten natürlichen Giften und können somit auch für den Menschen gefährlich sein (z.B. Leberschädigung beim Schlucken des verunreinigten Wassers). Beim Abbau der Algenteppiche wurde dem See Sauerstoff entzogen, was wiederum zu einem Fischsterben führte.

Logisch, dass dies dem Binnen-Tourismus eher abträglich war.

Sauerstoffreiches Gewässer

Doch das ist „Schnee von gestern“, zumindest für den Dümmer See. Denn seinen Wassern wurde mit speziellen Pumpen reichlich Sauerstoff zugeführt, womit das einst so beliebte Segel- und Baderevier nun wieder in alter Pracht eigentlich die sprichwörtlichen „Wasserratten“ anziehen müsste. Eigentlich! Die Sommergäste bleiben aber aus – zu tief scheinen die eher bösen Erinnerungen vom letzten Jahr zu sitzen.

Nicht nur für P-Boote das Paradies schlechthin: Der Dümmer © Wettfahrtgemeinschaft Dümmer

Nicht nur für P-Boote das Paradies schlechthin: Der Dümmer © Wettfahrtgemeinschaft Dümmer

Hinzu kommt ein falsch gedeutetes Phänomen: Durch den erneut hohen Sauerstoffgehalt im Wasser wachsen erstmals seit Jahrzehnten wieder die für Flachgewässer typischen Wasserpflanzen am Seeboden. Und dieses „Seegras“ wird oft fälschlicherweise mit Blaualgen verwechselt. Dabei haben die Unterwasserpflanzen zahlreiche positive Auswirkungen auf den Dümmer: Sie binden Nährstoffe, die andernfalls die Blaualgenbildung antreiben könnten, verfestigen den Bodenschlamm und die darin gebundenen Nährstoffe und bilden natürliche Barrieren gegen die Verdriftung von Blaualgen in die touristisch genutzten Bereiche.

Dafür kann sich Ian Wilson allerdings nichts kaufen. Der schottischstämmige Segellehrer betreibt seit Jahrzehnten seine Segelschule auf dem Dümmer und berichtet im Sat1-Regional-TV (siehe Link oben) von seinen Existenzängsten. Er hätte nach wirtschaftlichen Aspekten schon letztes Jahr seine Schule schließen müssen, so wenige Segelschüler habe er gehabt. „Dieses Jahr habe ich gerade mal drei Anmeldungen für die Ferienzeit Nordrhein-Westfalens. Normalerweise habe ich da 60-70 Anfragen!“

Erheblicher Verdienstausfall

Mehr als 12.000 Euro werde er wohl dieses jahr weniger verdienen als im Durchschnitt der letzten Jahre, berichtet er weiter während des TV-Interviews auf seiner Holz-Schulungsjolle. „Die Leute bleiben ohne Grund weg,“ klagt er. Dabei sei dies einer der schönsten Binnenseen Deutschlands. „Guckt Euch um, ist doch schön hier!“ sagt er kopfschüttelnd, wonach er seinen Schülern ein kurzes Kommando zur Wende gibt.

Europes auf dem Dümmer – ab 9.8. IDJM © Wettfahrtgemeinschaft Dümmer

Europes auf dem Dümmer – ab 9.8. IDJM © Wettfahrtgemeinschaft Dümmer

Natürlich bleibt Wilson und alle anderen vom Tourismus abhängigen Menschen der Region noch die Hoffnung, dass sich die Lage wieder beruhigt, pardon: dass es wieder lauter wird am Dümmer See, weil die Touristen den See erneut bevölkern werden, sobald sie die Erinnerungen des letzten Jahres mit den aktuellen Bildern „austauschen“. Und vielleicht hilft es ja ein wenig, dass wir hier den Dümmer See als Geheimtipp weiter geben. Als kerniges Regattarevier für erstaunlich viele Klassen (etwa Deutsche Jugendmeisterschaft der “Europe” ab 9.8.) und für sonstige „Wasserratten“…

Wettfahrtgemeinschaft Dümmer

Dümmer Tourismus

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Wasserqualität: Warum meiden Touristen den Dümmer See?“

  1. avatar Marc sagt:

    Dümmer ist ein schönes Revier. Jolle segel ich gerne dort. Zum einen ist der Dümmer im Gegensatz zu unseren NRW Baggerseen riesig, zum anderen hat es dort meistens guten Wind zwischen 3-4 bft.

    Allerdings war nicht nur letztes Jahr sondern auch in den Jahren davor, das Wasser schon stark verschmutzt. Auf unserer Ranglistenregatta schwammen zig tote Fische in einer grün, braunen, stinkenden Pampe an der Slipbahn. Kein schöner Anblick wenn man sein Ruder einsteckt und am Heck einen die Fische anjapsen weil sie keine Luft bekommen oder schon rücklings liegen.
    Seit genau diesem Zeitraum fällt auch unsere Rangliste aus, weil nun (wahrscheinlich aus diesem Grund) keiner mehr hin fährt.
    Hoffe das ändert sich nun wieder. Immerhin hat der SVH das geilste Herren Klo aller Deutschen Vereine. Allein das ist eine Reise wert 🙂

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

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