Weltumseglung: Afro-Amerikaner Lawson will 12 Rekorde brechen – “Sport der Weißen” öffnen

"Ein anderes Gesicht"

Afro-amerikanische Segelwillige haben es nicht einfach, sagt Lawson. Diskriminierungen in den meist von weißen Amerikanern geführten Segelschulen und -Clubs seien an der Tagesordnung. Das will Lawson mit seinen Hochsee-Rekordfahrten ein für allemal ändern. 

Captain Lawson auf einem älteren Foto 2014 © cdlr

Vollmundige Ankündigungen bevorstehender Heldentaten unter Segeln haben in der Szene eine gewisse Tradition. Was den Segelsport von anderen Sportarten unterscheidet: Die erwähnten Heldentaten fanden nicht immer, aber durchaus oft dann tatsächlich auch statt. 

Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit: Wer hätte schon gedacht, dass man mit einer Segelrakete tatsächlich einen Geschwindigkeitsrekord brechen kann?  Und dann macht Paul Larsen das angeblich Unmögliche wahr und knackt doch glatt die 65 Knoten-Marke mit seiner Vestas Sailrocket (SR-Artikel)!

Oder Yvan Bourgnon – auch ihm nahm keiner seine großartigen Sprüche ab, er werde in einem offenen Sportkatamaran um die Welt segeln (SR-Bericht). Und dann machte er in 220 Tagen mal eben schnell die Runde.

Aber es geht natürlich auch umgekehrt: Wie bei Robert Sedlacek, der mit großem PR-Brimborium bereits zwei Mal mit einem speziell für diesen Einsatz gebauten 60-Fuß-Expeditionssegler zu einer spektakulären Arktis-Antarktis-Nonstop, Weltumseglungs-Expedition startete und jedes Mal nach ein paar Tagen abbrach. 

Um es kurz zu machen: Nicht alles, was sich im Segelsport höchst befremdlich anhört, ist auch vornherein zum Scheitern verurteilt. 

12 Weltrekorde

Deshalb sind die ebenfalls großartig klingenden Bekundungen eines segelnden Captain Donald Lawson aus den USA nicht von vornherein beiseite zu schieben. Denn nur weil er in der europäischen Hochseeszene einen Bekanntheitsgrad hat, der gen Null tendiert, muss er ja nicht unbedingt ein Scharlatan sein. Um es kurz zu machen: 

Donald Lawson will auf einem Clean Energy Boat als erster Afro-Amerikaner 12 Weltrekorde unter Segeln angreifen, darunter die schnellste Einhand-Weltumseglung. 

So wirbt Captain Donald Lawson Racing” CDLR für das projekt © CDLR

Die Idee als solche ist sympathisch: Donald Lawson weiß aus eigener Erfahrung, dass es afro-amerikanische Segelwillige in den USA nicht grade einfach haben. Überhaupt sehe er viel zu wenige Afro-Amerikaner an der Pinne oder dem Rad einer Yacht sitzen. Was nicht unbedingt an den finanziellen Verhältnissen liegen mag, sondern an den eher mangelhaften Zugangsmöglichkeiten jugendlicher Afro-Amerikaner zur Segelszene und zum Segelsport als solchen. Selbst in Städten, die durchaus Zugang zum Wasser und somit zum Segelsport hatten, sei Segeln in den USA grundsätzlich ein Sport der Weißen. 

„Weltumseglung? Glaubte ich sofort!“

“Als ich etwa neun Jahre alt war, drängte mich meine Mutter zu einem Segeltörn mit der Living Classroom Foundation in Baltimore, meiner Heimatstadt. Sie erlaubten mir, das Boot zu steuern, und das brachte meine Leidenschaft in Gang”, so Lawson auf seiner Facebook-Seite. “Als ich einmal angefangen hatte, konnte niemand mehr meinen „Drive“ fürs Segeln stoppen. Das Gefühl der Freiheit, das ich an diesem Tag empfunden habe, hat mich all die Jahre begleitet – es hat meine Träume beeinflusst und meine Karriere geprägt. 

Der Skipper des Bootes auf dem ich damals segelte sagte mir, dass ich eines Tages um die Welt segeln könnte – und ich glaubte ihm aufs Wort!“ 

Auf der Ocean Planet © CDLR

Lawson glaubte ihm nicht nur, sondern machte aus der Vision ein Programm. Er avancierte schon als Teenager zum Segellehrer und unterrichtete während seines Ingenieur-Studiums „nebenher“ an verschiedenen Segelschulen und an der US Marine Academie. Später erhielt Lawson das Kapitäns-Patent und erweiterte seine Ausbildungen, „ganz so, wie es meine Mentoren Ellen MacArthur und Bruce Schwab getan haben“, berichtet Lawson. Er habe Jahre damit verbracht, junge, farbige Menschen über mögliche Karrieren auf dem  Wasser und über die Freude am Segeln zu informieren und unterrichten. 

Diskriminierung, wenig Akzeptanz

Aber die Zeiten seien nicht leicht gewesen, schreibt Lawson auf der Website seines Hauptsponsors League of Conservation Voters (LCV), eine Vereinigung von Menschen aller Hautfarben, die sich gegen Rassismus wehren und u.a. Obamas Klima-Agenda vorantreiben wollen. 

Lawson weiter: „Trotz all’ meines persönlichen Erfolgs als Segler und Ausbilder hatte ich Schwierigkeiten, in bestimmten Bereichen der maritimen Gemeinschaft Akzeptanz und Unterstützung zu finden. Ich wurde oft angezweifelt und abgelehnt weil ich auf dem Regattakurs ein anderes Gesicht war. Aber so wurde mein Antrieb nur noch stärker und meine Ziele erhielten mehr Sinn. Ich wusste, dass es meine Aufgabe war, diese Geschichte für andere zu ändern. Deshalb arbeitete ich jeden Tag daran, Minderheiten und einkommensschwachen Schülern Zugang zu Ressourcen zu verschaffen, die ich anfangs nicht hatte.“ 

Mehr afro-amerikanische Segler an die Pinne © CDLR

Nun will Lawson Weltrekorde brechen. Auf welchem Boot wurde noch nicht bekannt gegeben. Nur dass es „eco-friendly“ sein werde und Energie aus Solar Panels, Hydrogeneratoren und Windrädern beziehen werde. Der Motor soll mit Bio-Diesel angetrieben werden.

Lawson erklärt weiter, dass er 15 bis 25 Prozent schneller sein werde als herkömmliche Boote, da er weniger Treibstoff auf seinen Törns transportieren müsse. Das offenbar neue Boot sollte der Öffentlichkeit bereits im Januar 2020 vorgestellt werden, doch kommen Verspätungen beim Bau von Offshore-Rennern selbst in den renommiertesten Werften häufig genug vor.

Unzählige Regatten gewonnen

Nach eigenen Angaben hat Captain Donald Lawson bereits „unzählige Regatten“ gewonnen, überführte Dutzende Yachten, hat weit über 20.000 Seemeilen Regattaerfahrung gesammelt und segelte auf dem Open 60 „Ocean Planet“ seines Mentors Bruce Schwab eine 2.500 Seemeilen-Passage. 

Wann Lawson seine Rekordfahrten beginnen möchte, soll in den nächsten Wochen bekannt gegeben werden. Doch schon jetzt sei sicher: Es muss endlich ein Segel-Rekord von einem afro-amerikanischen Segler aufgestellt werden.

Drücken wir ihm die Daumen.

avatar

Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier

Ein Kommentar „Weltumseglung: Afro-Amerikaner Lawson will 12 Rekorde brechen – “Sport der Weißen” öffnen“

  1. avatar Robert Hirn sagt:

    Norbert nicht Robert Sedlacek.
    Lieber Herr Kunst,
    vielen Dank für ihre spannenden Artikeln, aber in Ihrem eigenen Interesse achten Sie bitte besser auf Details. Mir fallen immer wieder einige kleine inhaltiche Fehler in Ihren Artikeln auf.
    Nichts für ungut,
    viele Grüße,
    Robert Hirn

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 3 Daumen runter 10

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *