Weltumseglung: Yvan Bourgnon im Strandkat auf den Marquesas angekommen

Zurück zu den Wurzeln

Auf den Marquesas angekommen: Yvan Bourgnon und sein Strandkat © Tisserand

Auf den Marquesas angekommen: Yvan Bourgnon und sein Strandkat © Tisserand

Der Schweizer Katamaran-Abenteurer hat bereits ein Drittel seiner Weltumseglung geschafft – einhand auf einem offenen Katamaran. Eine Leistung, der höchster Respekt gebührt. Auch mit Begleitboot…

Im Prinzip konnte alles nur besser werden. Yvan Bourgnons Weltumseglung in einem offenen 6,60-m-Katamaran fing mit zwei PR-spezifischen Desastern an, bei denen so manch anderer Hartgesottener längst „die Segel gestrichen“ hätte.

Zunächst springt auf den Kanaren sein Mitsegler ab (die Reise war ursprünglich zweihand geplant) und ließ den Kat an die Kette legen. Offenbar hatte es an Bord des offenen Katamarans reichlich Knatsch während der wetterbedingt sehr schwierigen ersten Etappen entlang Europa und Nordafrikas gegeben. Also entscheidet sich Bourgnon spontan zu einer Solo-Weltumseglung…

Kurz darauf wird dem Schweizer im Kreise seiner Fangemeinde Betrug vorgeworfen: Bourgnon selbst kommuniziert(e) stur, er sei alleine unterwegs und ließ eine begleitende Segelyacht mit Medienvertretern an Bord unerwähnt. Darauf brach nicht gerade ein „Shitstorm“ über Bourgnon herein, aber doch zumindest ein auffrischender „Shit-Wind“. Erste Sponsoren verabschiedeten sich aus dem Projekt, es wurde deutlich stiller um den Katamaran-Abenteurer.

Drei Wochen ohne Schatten zeichnen auch alte Salzbuckel © Tisserand

Drei Wochen ohne Schatten zeichnen auch alte Salzbuckel © Tisserand

In der Ruhe liegt die Kraft

Doch wahrscheinlich hat genau diese mediale „Stille“ dem Ganzen nun neue Kraft verliehen. Denn Bourgnon konnte sich in aller Ruhe auf das konzentrieren, was er wirklich gut kann: Katamaran-Segeln.

War seine Atlantiküberquerung – trotz ausgesprochen schwieriger Segelbedingungen in teils kernigen Stürmen –noch von der immer wieder aufgewärmten „Begleitboot-Story“ geprägt, segelte Bourgnon fast schon unerkannt von der Karibik rüber nach Panama, fuhr im Kanal an den Pazifik und segelte mal eben schnell zu den Galapagos-Inseln.

Wohlgemerkt: alleine, im offenen 6,50m-Katamaran, ohne GPS und aktueller Wetterinformation, mit einem Sextant als einzige Navigationshilfe. Zwar ist ihm die „Begleityacht“ weiterhin auf den Fersen, doch darf man diese nicht allzu wörtlich nehmen. Offenbar legt Bourgnon größten Wert darauf, dass dieses „Medienboot“ hinterm Horizont bleibt – rein seemännisch betrachtet ist sie also nur für den absoluten Notfall in der vielzitierten „Nähe“. Was die seglerische Leistung des Schweizers nicht schmälern dürfte.

Gestern erreichte der Einhandsegler die Marquesas-Insel Nuku Hiva.  Um sechs Uhr morgens Lokalzeit und 16:30 Uhr MEZ machte der Weltumsegler am Steg fest und wurde traditionell mit Blumen- und Blättergebinden begrüßt. Kein großes TamTam, keine aufgeregt herumwuselnden Presseteams – alles wirkt angesichts dieser großartigen seemännischen Leistung fast schon ein wenig zu ruhig.

Eine Einheit aus Mensch und Boot © Tisserand

Eine Einheit aus Mensch und Boot © Tisserand

Respekt, Respekt!

Zehntausend Seemeilen hat Bourgnon nun auf seinem seltsam hochgebockten Katamarangefährt bereits geschafft, ungefähr die doppelte Streckenlänge hat er noch vor sich.

Gerade mal 20 Tage brauchte er, um mitten auf den Pazifik zu segeln – die Marquesas zählen zu den Inselgruppen, die am weitesten vom Festland entfernt liegen.

In einem ersten Video-Statement direkt nach dem Festmachen gab sich der Schweizer enthusiastisch: „Das war eine Traumüberfahrt, ganz so, wie ich sie mir von Anfang an für meine Weltumseglung vorgestellt hatte. Mal mehr, mal weniger Wind, aber während einer Woche hatte ich einen perfekten Lauf: 20 Knoten stabilen Wind, Surf im Dauerzustand, mitunter schaffte ich 500 km in 24 Stunden, ich saß tagelang an der Pinne und konnte mich nicht von ihr lösen, so magisch war das!“

Er habe bei dieser Überfahrt das Boot noch besser kennengelernt, erklärt Bourgnon zudem. Segelwechsel, Manöver aber auch Schlafrythmus und Nahrungsbeschaffung durch Angeln hätten erheblich besser funktioniert als in allen Ausfahrten zusammen. Er sei förmlich mit seinem Katamaran zu einer Einheit verschmolzen. „Bis auf die Probleme mit dem Ruder habe ich wirklich Vertrauen in das Boot,“ stellt Bourgnon klar. „Es wird mich sicher wieder zurück nach Les Sables d’Olonnes bringen!“

"Die Welt umarmen" © Tisserand

“Die Welt umarmen” © Tisserand

Einheit aus Boot und Mensch

Ein Mal habe das mit der „Einheit aus Mensch und Boot“ dann doch nicht so gut geklappt: während der letzten Tage fuhren die beiden einen „Stecker“ und Bourgnon wurde gegen den Mast geschleudert, wobei er sich offenbar eine Rippe prellte.

Etwa zehn Tage will Bourgnon noch auf der Insel bleiben, erneut am Ruder basteln und Freunde besuchen. Und sein Boot dürfte es genießen, in der Heimat seiner Vorfahren angekommen zu sein.

Als Bourgnon gegenüber französischen Medien vor zwei Jahren erstmals von der Weltumseglung sprach, sagt er zur Routenplanung nur: „Ist mir eigentlich egal, wo die Etappenorte liegen. Nur Polynesien muss dabei sein – von dort kommt das Prinzip meiner geliebten Mehrrumpfboote.“

Deren Hochseetauglichkeit er derzeit auf beeindruckende Weise erneut beweist…

Ein paar Seemeilen vor dem Hafen © miku

Ein paar Seemeilen vor dem Hafen © miku

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Michael Kunst

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3 Kommentare zu „Weltumseglung: Yvan Bourgnon im Strandkat auf den Marquesas angekommen“

  1. Verrückt aber auch bewundernswert sowie ein schöner Bericht – Für so etwas lese ich SR …

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 0

  2. avatar Ketzer sagt:

    Schon echt nicht schlecht, ich frage mich nur, wann der endlich die Geranien in seine Balkons pflanzt?

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  3. avatar Michael sagt:

    Nachdem ich Yvan beim Archipelago Raid mehrmals getroffen habe, wundert mich gar nichts mehr. Ein verrückter Typ im ausschließlich positiven Sinne. Nett, sympathisch und immer hilfsbereit. 2005 hat er mir im Hinblick auf meine geschundenen Hände sein vorletztes Paar Handschuhe geschenkt. Bei Archipelago Raid kommt das als Geste an ein geschenktes Snickers oder einen geliehenen Schlafsack heran.

    Ich drücke ihm alle Daumen für seine weitere Reise und möge er gesund und munter wieder kommen!!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

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