Wie Erdmann: Stéphane Narvaez einhand um die Welt gegen Wind und Strom.

"Wie in einem Uterus – Wiedergeburt in drei Monaten"

Erster Versuch gescheitert, Rumpf eingedrückt

Doch so entspannt sich das alles lesen mag – Narvaez ist dennoch auf der härtesten Route unterwegs, die unsere Weltmeere zu bieten haben. Das musste er schon 2009 erfahren, als er erstmals diese Herausforderung annahm und mit einer Serien-Jeanneau aus Kunststoff kurz vor dem Kap Hoorn in einer brachialen Sturm gegenan geriet.

Die dort typischen Kreuzseen drückten den Rumpf ein, Narvaez musste in die Rettungsinsel, sein Schiff ging nur Minuten später auf Tiefe. Der Franzose konnte noch mehrere Notrufe absetzen, so dass ihn bereits wenige Stunden später die argentinische Küstenwache sichtete und barg.

Diesen „Angstteil“ seiner Reise hat er heute längst hinter sich gebracht. Anfang Dezember 2011 rundete er im zweiten Anlauf das Kap Hoorn  (sicherheitshalber im Aluminium-Rumpf) Anfang Februar ließ er Kap Leuwin steuerbord liegen, hatte danach aber bis heute mit langen Flautenperioden zu kämpfen, so das er sein gesetztes Ziel, Mitte bis Ende März am Kap der Guten Hoffnung angekommen zu sein, wohl „in den Wind schreiben muss“.

“Die Sonne schickt ihre Photonen…”

Doch die Zeit spielt ganz offenbar nur eine sekundäre Rolle auf seiner Reise. In seinen täglich aktualisierten Blogbeiträgen schreibt er ausführlich über seine Emotionen, das Gefühl von totaler Freiheit und die immer innigere Liebe zu seinem Schiff. Auszug aus dem Logbuch vom 1.3.2012: „Die Sonne scheint wieder, schickt ihre Photonen, die ich in elektrische Impulse umgewandelt habe, um diesen elektronischen Text zu schreiben.

Drinnen, im Schiff: Feuchtigkeit, das Tam-Tam der Wellen am Alurumpf, kaum Wind, viel Lektüre (20 Bücher dabei), ausruhen, schlafen, essen; ein Gefühl von Sicherheit. Wie in einem Uterus  – noch 3 Monate, bis ich wiedergeboren werde. Draußen, auf Deck: Feuchtigkeit, Nebelschleier, wenig Wind, der Horizont, Manöver, die Wüste aus Wasser, omnipräsente Menschheit: viel zu oft treibt Plastikmüll vorbei.“

Im Mai will Narvaez wieder in Frankreich ankommen. Etwas mehr als 200 Tage rechnet er gesamt für seine Reise. Doch in einem seiner letzten Blogs schreibt er schon ängstlich, wie das wohl wird, mit all’ den Menschen, die auf ihn warten. Mal sehen, ob er es irgendwann im Atlantik seinem großen Vorbild Moitessier gleich macht, abfällt und einfach…  weiter segelt.

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Wie Erdmann: Stéphane Narvaez einhand um die Welt gegen Wind und Strom.“

  1. avatar boatsailing.org sagt:

    “omnipräsente Menschheit: viel zu oft treibt Plastikmüll vorbei”
    Traurig

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