Yacht-Lackierungen: Der neue Trend zum gewagten Outfit

Der neue Mut zur Farbe

Die Yachtwelt treibt es bunt. Derzeit überbieten sich Neubauten in Signalorange, speziellen Grün- und Blautönen, Karottenmetallic oder fabelhaften Flipflop Effekten bis hin zum gewagten Babyrosa. Eintönig war gestern.

Zur Segelsaison 2015 wurde mit der neuen „Platoon“ ein Regattaboot im martialischen Schlachtschifflook aufgetakelt. Dessen Kriegsbemalung macht die Illusion derb zusammengefügter Bleche perfekt. Das sieht schrottig aus, ist aber mal was anderes. Das perspektivische Dekor steht in der Tradition der Trompe-l’œi Malerei.

Platoon

Jungfernfahrt der neuen TP52 “Platoon” von Harm Müller Spreer vor Dubai

Doch der Reihe nach: Bis vor wenigen Jahren waren große Boote grundsätzlich weiß, vielleicht noch dunkelblau oder schwarz. Auch Dunkelgrün oder Burgunderrot kam ausnahmsweise in Frage. Dunkle Töne sehen edel aus. Darauf macht sich die gold ausgelegte Kehle der einst üblichen Ziergöhl gut. Die Yacht wurde als bleibender Wert gesehen. Sperenzchen erschienen unpassend.

In den sechziger Jahren wurden bei erschwinglichen Jollen, kleinen Kiel- und handlichen Kajütboote aus GfK mit trendiger Farbwahl alte Zöpfe abgeschnitten. Die beliebte Conger Jolle, die Dyas, Varianta und Delanta gab es in Knatschgelb, im angesagten Orange, in leuchtendem Rot oder Signalgrün. Sie sind überall auf unseren Gewässern zu sehen.

Gunboat

Fröhlich bunt für die Karibik © Gunboat

Jetzt sind just diese Signalfarben, grelle bis schrille Töne wieder in. Der vielbeachtete Tragflügelkatamaran G4 der amerikanischen Gunboat Werft ist in etwa mit dem Orange der beliebten Varianta 64 unterwegs. Auch das unübersehbare Grün, in dem Volkswagen in den Siebzigern manchen Golf oder Scirocco lackierte, ist auf dem Wasser zu sehen.

Richtig bunt trieb es der englische Eigner des Nordia Werftbaues „Marmalade of Manchester“. Deren Rumpf wurde inspiriert von der Range Rover Sonderfarbe „Volcano“ in Magma Orange gespritzt.

Marmalade of Manchester

Marmalade of Manchester in Magma Orange © Nordia

Vorreiter gewöhnungsbedürftiger Pigmentierungen war Luca Bassani mit den vielbeachteten Wally Yachten. Seine ersten Boote Anfang der Neunziger wurden noch mit dunkelgrüner Bordwand aus der Halle geschoben. „Genie of the Lamp“ von 1995 war hellblau, „Tiketitan“ zwei Jahre später silbermetallic, „Carrera“ dann Hellblaumetallic. 2001 folgte mit „Titetitoo“ eine Wally, deren Rumpf, Aufbauten und Rigg in einem gewöhungsbedürftigen Möhrenmetallic lackiert waren. Als stilbewsster Italiener trug Bassani natürlich einen farblich passenden Blouson dazu.

Brenta 80

Die neue Brenta 80 in Trabbi Taiga Grün © Michael Schmidt Yachtbau

Die zwei Jahre später vorgestellte Wallyño kam in einem an die Audi-Sonderfarbe Labradormetallic erinnernden Beige. Das paßt zu den Belle Epoque Villen der Cote d’ Azur. Die 2002 vorgestellte Wallypower erhielt eine Flipflop Lackierung, die abhängig vom Lichteinfall mal wie dunkles Anthrazit, mal in Grünmetallic schimmert. Der als Einsteigermodell gedachte Daysailer Wallynano wurde in Rosa vorgestellt. Die 50 m Slup „Better Place“ segelt seit 2012 in Bugattiblau. Everything goes.

Gewagten Pigmentierungen sind in. 2006 schob die holländische Huisman Werft die 32 m Slup „Gliss“ mit türkisfarbener Bordwand aus der Halle. Deren Schweizer Eigner Marco Vögele legte wenig mit der leuchtend grünen „Inoui“ nach. Das ist so unübersehbar wie das aktuelle Viperngrün Metallic von Volkswagen.

Wally

Die 50 m Wally ‘Better Place’ leuchtendem Bugattiblau © Wally

Derzeit wird im norddeutschen Greifswald ein 24 m Boot für den Hanse Werftgründer Michael Schmidt in gedeckteren Tönen. Sie erinnern an das Taiga-Grün, in dem der Trabant in den Siebzigern angeboten wurde.

Solch aufmerksamkeitsstarke Farben haben Vor- und Nachteile. Signalfarben sind unübersehbar wie Seezeichen und entsprechend sicher. Sie können Hin- aber auch Weggucker sein.

Wally

Tiketitoo in Karottenmetallic © Wally

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
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2 Kommentare zu „Yacht-Lackierungen: Der neue Trend zum gewagten Outfit“

  1. avatar Peter der Zwote sagt:

    Das Magma Orange finde ich geil.

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  2. avatar MNQ sagt:

    Kann es sein, dass das Farbenspiel noch mal beliebter geworden ist, seit Boote so gut foliert werden können? Ist immerhin billiger und schneller. Und leichter rückgängig zu machen, wenn möhremetallic wieder out ist und stattdessen steckrübemetallic oder so was. Obwohl das Kostenargument in der 100+ Liga wohl kaum mehr eine Rolle spielt.

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