In der Yachtbranche kommen unausgereifte Produkte auf den Markt

Yachties als Versuchskaninchen

Im Jahr 2008 habe ich mir eine Dreifarben-LED Positionslampe zum stolzen Preis von rund 250 Euro gekauft. Kurz nach der Installation der Lampe auf dem Masttop musste ich feststellen, dass der UKW Radio-und Funkempfang stark gestört waren, sobald die Lampe eingeschaltet war.

Ich habe mich an den Hersteller gewandt, dessen Kundenabteilung auch umgehend mit mir Kontakt aufgenommen hat. Mir wurde gesagt, dass ein Zusammenhang zwischen den Funkstörungen und der LED Lampe bei normaler Installation der Kabel nicht vorstellbar sei. Es müsse demnach ein Fehler in der Installation meiner Antennen- bzw. Stromkabel vorliegen. Da ich nachts wenig Radio höre und auch selten funke, erschien mir das Problem nicht so gravierend, weswegen ich den Vorgang zunächst auf sich beruhen ließ.

Anders stellte sich die Situation dar, nachdem ich 2010 einen AIS Empfänger installiert hatte. Dieser ist auf einen einwandfreien UKW Empfang angewiesen. Sobald ich meine Dreifarben Topplaterne eingeschaltet habe, verschwand ca. ein Drittel aller AIS Signale aufgrund der von der Laterne verursachten Störungen vom Bildschirm.

Ich habe mich über dieses Problem mit einem Elektronikspezialisten unterhalten, der auch sofort eine Erklärung parat hatte. Nach seiner Ansicht hat der Hersteller meiner Dreifarben-LED Lampe den eingebauten DC/DC Konverter nicht, oder nur unzureichend entstört.

Mit dieser Information habe ich den Hersteller der Lampe konfrontiert. Und siehe da, plötzlich hieß es nicht mehr, dass meine Installation fehlerhaft sei. Nach einigen (freundlichen) Emails und Telefonaten war man schnell bereit, mir trotz abgelaufener Gewährleistung eine „verbesserte“ Dreifarben-LED Lampe zu schicken.

Leider erwies sich der von mir gekaufte AIS Empfänger ebenfalls als mangelhaft. Das Gerät funktionierte zwar auf den ersten Blick einwandfrei, doch bei genauem Hinschauen, zeigte sich, dass die Signalverarbeitung fehlerhaft war. Nach einer gewissen Betriebszeit verschwanden immer wieder Schiffsechos vom Bildschirm, die eigentlich hätten sichtbar sein müssen.

Nach langem Suchen, Probieren und Beobachten war ich sicher, dass dies an der Firmware des Gerätes liegen muss. Der Kontakt mit dem Hersteller bzw. Importeur hat diesen Verdacht dann schließlich bestätigt. Ja, das Problem sei bekannt, ich möge das Gerät bitte einschicken, damit man eine neue Firmware aufspielen könne, hieß es. Das Ganze lief freundlich und schnell, so dass es von daher keinen Grund zu Klage gibt.

Aber dennoch bleibt die Frage, wie es sein kann, dass bekannte Firmen Produkte auf den Markt bringen, die so unausgereift sind, dass mir als „Normalverbraucher“ diese Fehler schon nach kurzer Zeit auffallen?

Ich halte es zudem für ein Unding, dass Firmen, deren Produkte sicherheitsrelevante Mängel aufweisen, darauf verzichten, ihre Kunden über diese Mängel zu informieren. Da ich die oben genannten Produkte über den Versandhandel erworben habe, wäre es problemlos möglich gewesen, mich zu benachrichtigen.

Offenbar lässt man seine Kunden lieber mit Schrott durch die Gegend fahren, statt Geld in eine wenig werbewirksame Umtauschaktion zu investieren. Man stelle sich dieses Vorgehen in der Automobil- oder gar in der Luftfahrtindustrie vor. Firmen, die dort so verfahren würden, wären ganz schnell weg vom Markt.

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Uwe Röttgering

... der, der das Blauwasser Segeln liebt, aber zu immer schnelleren Schiffen tendiert - ob das am Einfluss von SR liegt ? ;o) Mehr findest Du hier.
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3 Kommentare zu „In der Yachtbranche kommen unausgereifte Produkte auf den Markt“

  1. avatar T.K. sagt:

    Das Problem mit den LED Laternen, welche den Funk stören ist leider kein Einzelfall. In diversen Foren kann man dazu lesen. Es ist insbesondere nicht nachvollziehbar, da es sich bei beiden Teilen (Leuchte und Funk) ja um Sicherheitsrelavante Teile handelt. Seltsam das man dazu in den einschlägigen Tests bisher nichts lesen konnte. Besonders würde mich interessieren ob das auch BSH zugelassenen LED betrifft?

    Ich habe ein ähnliches Problem mit einer Simrad -Fernbedienung WR20 auf meinem Dampfer. Das Gerät hat viele schöne Funktionen, aber diese sind halt nur da, können aber nicht abgerufen werden, da sie entweder fehlerhaft arbeiten oder die anderen hauseigenen Simrad geräte nicht kompatibel sind…… Bis heute – immerhin vor ca. 2 jahren gekauft – kann man viele Funktionenn nicht nutzen da die Software immer noch nicht korrigiert wurde! Unglaublich welchen Müll die Firmen teilweise auf den Markt werfen!

    Noch eine kleine Anekdote zu LED Posis:

    Ein Bekannter von mir hatte vor ca. 1-2 Jahren sein Schiff auf LED umgerüstet. Nach einigen Wochen, er war länger nicht am Schiff, rief Ihn sein Hafenmeister an. Seine Posis würden seit Wochen brennen. Er also zum Hafen und tatsächlich waren mehrere Leuchten an. Aber der Hauptschalter war aus. Batterien waren voll! Er hat das Schiff auf den Kopf gestellt und alles durchgemessen – nichts! Erst als er in einem anderen Hafen nächtigte waren die Lampen erloschen. In seinem Hafen waren sie wieder an. Warum….wir haben uns das an einem in der Nähe befindlichen Flughafen erklärt. Da muss reichlich Wumsss in der Luft sein damit die Dinger Leuchten! PS: Der Hafen liegt in Griechenland……

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  2. avatar Klaus sagt:

    @:Man stelle sich dieses Vorgehen in der Automobil- oder gar in der Luftfahrtindustrie vor. Firmen, die dort so verfahren würden, wären ganz schnell weg vom Markt.

    In der Luftfahrt ist sowas inzwischen wohl auch Usus. Beispiel: das der Quantas um die Ohren geflogene Triebwerk von RR.

    Zitat Spiegel online v. 2.12.2010: “Die australische Luftsicherheitsbehörde warnte vor einem Herstellungsfehler bei Triebwerken des Riesenjumbos A380. Ein potentieller Defekt an einer Ölschlauchverbindung könnte Brüche aus Materialermüdung, Öllecks und möglicherweise Triebwerksversagen zur Folge haben, hieß es in einer Stellungnahme der Behörde. Sie bestätigte damit die Einschätzung des Triebwerkbauers Rolls-Royce, dass ein fehlerhaftes Bauteil für den schweren Triebwerksschaden verantwortlich war, der Anfang November einen A380 der Fluggesellschaft Qantas in Singapur zur Notlandung zwang.”

    Da können wir doch mit fehlerhaften LED Lampen doch ganz zufrieden sein, gelle?

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  3. avatar Christian sagt:

    Auch in der Automobilbranche geht heute Schnelligkeit vor Gründlichkeit!
    Zwischen dem ersten Auto einer Serie und dem letzten, liegen bis zu 120 Änderungen. Mache kleine Mängel werden von den Markenwerkstätten stillschweigend behoben.
    Man spricht auch gerne von der Bananenstrategie: “Produkt reift beim Kunden!”

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