Team New Zealand/Volvo Ocean Race

49er Champ Nicholson nimmt Match Race Weltmeister Minoprio mit um die Welt

Chris Nicholson am Puma-Steuer. Der dreimalige 49er Weltmeister war einer der Schlüsselfiguren in der Puma-Kampagne, verpasste dann aber einen Großteil des Rennens nach einem Kreuzbandriss an Bord. © Ricky Deppe/Puma

Der neue Team New Zealand Skipper Chris Nicholson (l) nimmt Match Race Weltmeister Adam Minoprio unter seine Fittiche © Emirates Team New Zealand

Das Emirates Team New Zealand hat die Führungspersönlichkeiten benannt, mit denen es das Volvo Ocean Race gewinnen will. So soll der ex Puma Co-Skipper Chris Nicholson die Verantwortung übernehmen und endgültig aus dem Schatten der ganz großen Ocean Racer heraustreten.

Nicholson (40) war viele Jahre lang der absolute Superstar in der 49er Klasse. Der Australier wurde 1997, 98 und 99 Weltmeister und ging als Top Favorit in die Olympischen Heim-Spiele in Sydney. Aber Platz 6 reichte nicht zum Aufstieg in den Segel-Olymp. Nicholson versuchte einen zweiten Anlauf für Athen 2004, kam aber nicht mehr richtig in Tritt. In Athen wurde er siebter.

Wohl auch, weil er seinen Fokus mehr und mehr auf das Hochseesegeln richtete. Nicholson war einer der ersten Olympioniken, denen den Sprung zu den Hochsee-Profis glückte. 2001-02 segelte er als Wachführer mit Grant Dalton auf “Amer Sports 1” mit dem Volvo Ocean Race um die Welt. 2005-06 mit den Spaniern auf “Movistar” und beim jüngsten Volvo Race war er als Puma Co Skipper eine der maßgeblichen Figuren für den zweiten Platz.

Adam Minoprio mit seinem Team beim Match Race in Marseille © WMRT

Dabei musste er nach einer schwerwiegenden Kreuzband-Verletzung auf der zweiten Etappe einen Teil des Rennens aussetzen. Ein Crewmitglied war von einer Welle umgerissen und gegen sein Knie geschleudert worden, als er am Großschot-Grinder stand. Aber der Australier ist hart. 2006 bekam er von den Volvo Ocean Race Organisatoren einen Preis für die tapferste Leistung überreicht, weil er “Movistar” vor dem Untergang rettete.

Die österreichische Zeitschrift Yachtrevue schrieb damals: “Auf Movistar war es vor Kap Hoorn nach einem Kielschaden zu einem massiven Wassereinbruch gekommen, das Schiff drohte zu sinken, ein Notruf war bereits abgesetzt. Nicholson tauchte bei kompletter Dunkelheit mehrfach in das eisige Wasser im Rumpf und versuchte die Hochleistungspumpen per Kabel direkt an die Batterien anzuschließen – der einzige Weg, um des Wassers doch noch Herr zu werden.

Bei jedem Versuch musste Nicholson einen 24-Volt-Stromstoß ertragen, aber er gab nicht auf. Als es ihm gelang, die Pumpen zu starten, waren seine Kameraden gerade dabei, die Rettungsboote zu Wasser zu lassen. Wäre der Wasserstand um weitere 50 Zentimeter gestiegen, hätte die Mannschaft das Schiff aufgeben müssen. So aber konnte sich Movistar aus eigener Kraft nach Ushuaia retten. Ganz von ungefähr kommt diese Einsatzfreude nicht: Der 36-jährige Chris Nicholson hat eine Elektrikerlehre abgeschlossen, ausgebildet wurde er in den Kohleminen von Hunter Valley – auch kein Honiglecken, vermutlich.”

Während die Ernennung von Nicholson ein logischer Schritt ist, kommt die Ankündigung von Adam Minoprios Teilnahme überraschend. Der 24-jährige Match-Race-Weltmeister gilt als kommender Mann in der America´s Cup Szene. Er wird schon seit einigen Jahren vom Team New Zealand unterstützt, sieht aber wohl geringe Chancen, in absehbarer Zeit an dem erfahrenen Dean Barker vorbeizuziehen.

Aber Minoprios Entscheidung zeigt auch, dass die Profi-Segelwelt immer näher zusammen rückt. Nicholson musste als 49er Olympionike und dreimaliger 505er Weltmeister noch hart um Anerkennung im Offshore-Zirkus kämpfen. Seine Nachfolger haben es einfacher. Wer heute im Profi-Segelsport etwas erreichen will, muss vielseitig sein.

Carsten Kemmling
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