America’s Cup Video: Oracle auch am Wind im Flugmodus

Der heilige Gral

Im aktuellen America’s Cup gilt die Kunst des Fliegens am Wind noch als heiliger Gral. Offenbar haben die Cup-Verteidiger vom Oracle Team USA gefunden. Aber ist das auch effektiv? 

Oracle Team USA

Oracle Team USA beim kontrollierten Am Wind Foiling © Navas

John Navas, der in San Francisco regelmäßig Videos vom America’s Cup veröffentlicht, hat die Amerikaner im relativ stabilen Flugmodus hoch am Wind beobachtet. Die Sequenz sieht relativ stabil aus. Dabei ist es die große Frage, ob bei dieser Art des Segelns die Querkraft nicht zu groß wird und maximaler Abdrift resultiert.

Bei der Live-Übertragung der gestrigen Louis Vuitton Cup Rennen zweifelte der ex Puma Skipper Ken Read noch daran, dass die Amwind Foil Technik effektiv sein könnte. Zurzeit versuchen die Teams am Wind noch die Flughöhe möglichst gering zu halten und mit dem Leerumpf eher über das Wasser zu titschen um die maximal Schwertfläche  im Wasser zu behalten.

Nach der Ansicht des Videos könnte diese Meinung obsolet sein. Denn offenbar gelingt es Oracle durchaus, eine gewisse Höhe am Wind zu steuern. Normalerweise ist dieser Effekt über den zusätzlichen Speed-Zuwachs zu erreichen. Den Moth Seglern gelingt es schließlich auch, trotz schmaler Finne im Flugmodus am Wind eine gute Höhe zu segeln.

Da bei den AC72 Katamaranen aber nicht so viel verstellt werden kann, geht eine bessere Amwind-Leistung oft einher mit größerern Problemen vor dem Wind. Es ist also längst nicht klar, ob die Katamarane schließlich auch im Rennmodus am Wind fliegen werden.

Auf jeden Fall zeigen die Cup Verteidiger, dass sie möglicherweise deutlich weiter in ihrer Entwicklung sind, als es viele neuseeländischen Fans glauben möchten. Jedenfalls dürfte das Training mit zwei Katamaranen auf dem Wasser zurzeit deutlich effektiver sein, als die bisherige Louis Vuitton Cup Serie mit ungleichen Gegnern.

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Carsten Kemmling

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10 Kommentare zu „America’s Cup Video: Oracle auch am Wind im Flugmodus“

  1. avatar Jacob sagt:

    Ich glaube, dass weder Oracle noch Team NZL auf dem Racecourse mit eingeschalteten Daten ihr Potential zeigen.
    Meiner Meinung nach hat auch Team NZL noch einige Überraschungen und Optimierungen im Sack.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 1

  2. avatar Backe sagt:

    Wenn ich mir die Segelstellung der Yachten im Hintergrund ansehe, dann ist das alles andere als eine beeindruckende Höhe am Wind, sondern eher knapp über halbwinds.

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    • avatar Backe sagt:

      Uuups, sorry, beim ersten Ansehen dachte ich, der fährt auf die Kamera zu. Aber ich glaube er ist auf Stb-Bug und segelt weg … dann passt’s.

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  3. avatar Super-Spät-Segler sagt:

    Hmm, ETNZ foilt zwar nicht sichtbar, das Bootsgewicht lastet aber dennoch fast zu 100& auf dem Foil, der Leerumpf “skimmt” ja nur noch ganz leicht übers Wasser.

    Aber einen eventuellen Vorteil von Oracle kann ETNZ gar nicht ausgleichen:
    Durch den starken Flex in der Plattform zeigt der Luvrumpf von Oracle deutlich nach unten, wie man im Video sehen kann. Der “Elevator” am Luvruder könnte so Abtrieb und damit aufrichtendes Moment erzeugen.

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    • avatar liebersegeln sagt:

      Den Eindruck hatte ich gestern auch, dass ETNZ am Wind nur marginal mit dem Leerumpf eintaucht (jedenfalls bis zum Totalausfall). Der starke Flex bei Oracle kann bei böigem Wind auch ganz schnell ein Nachteil werden (sofern das überhaupt ein Vorteil ist), dann verpufft die zusätzliche Energie der Bö in der Verformung des Bootes und geht nicht in mehr Geschwindigkeit des Bootes über.

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      • avatar Jacob sagt:

        Ich sehe das flexen der Rümpfe auch kritisch.
        Wenn Oracle einen Stecker wie ETNZ fährt vermute ich würde dieser durch die Verwindung und das damit unterschiedliche Eintauchen der Rümpfe schlimmer enden.

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  4. avatar Schlaufuxx sagt:

    Ich weiss nicht, was man aus dem Video für Erkenntnisse schliessen sollte.
    Die könnten auch Dead-Downwind fahren und ich könnts nicht sehen, weil die Tüten immer max dicht sind.
    Der Flex am Lee-Schwimmer ist auffällig, aber was bringt er ?
    Klar ist der Lee-Foil somit höher angestellt, aber das erhöht auch Widerstand und Last.
    Die Konstruktiondaten von Artemis stammen auch von Oracle.
    Daraus könnte man schliessen, das Larry sich vielleicht auch nochmal kräftig zerlegt.

    Ich finde es eine gnadenlose Frechheit, dass Oracle mehr Trainingszeit, den offiziellen Racecourse zum Training und auch sonst alles zugestanden bekommt.
    Würden die versuchen mit mir anzugleichen, würde ich nach 30 Sekunden abbrechen oder eine Wegerechtssituation provozieren.
    Anstelle von ETNZ würde ich einen Regel 69, wegen der AV45 anstrebenund auch sonst alles versuchen um diesem Cheater-Team die Verteidigung zu verbauen.

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  5. avatar Wilfried sagt:

    ETNZ hat doch im Race auf dem ersten Kreuzschlag auch hoch am Wind gefoilt. Der Speed war deutlich höher aber Luna Rossa fuhr deutlich mehr Höhe. Wenn ich mich richtig erinnere hat Luna Rossa auf dem Schlag leicht aufgeholt was sie ja sonst nicht geschafft haben. Ich glaube dass leichtes eintauchen des Leerumpfs weniger Abdrift und besseren VMG bringt.

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  6. avatar marsha sagt:

    @Karsten: Motten kreuzen ja mit Luvkrängung; die Foils saugen das Boot dementsprechend nach Luv – komplett andere Situation als bei Cats

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    • avatar Wilfried sagt:

      nach ‘Luv saugen würde ich das nicht nennen. Durch die Neigung verlagerst du den Segeldruckpunkt nach Luv und der geneigte Foil am Schwert bringt die Querkraft mit auf. Dadurch hast du nicht die große Abdrift die ein Katamaran mit senkrechten Schwertern hat.

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