Aufrechter und schneller dank Flügel: Dynamisches Stabilitäts-System DSS auch in Yachten

Stabilitätspakt

Infiniti Yachts guests and friends sailingfrom Q&K on Vimeo. Am Ruder: Emma Creighton
Verleiht Flügel – dank Flügel: Das DynamischesStabilisierungs System im Einsatz auf der GT36 von Infiniti © infiniti

Verleiht Flügel – dank Flügel: Das DynamischesStabilisierungs System im Einsatz auf der GT36 von Infiniti © infiniti

DSS – Dynamic Stability System ist eine einfache und (deshalb?) geniale Konstruktion, mit deren Unterstützung am Wind und raumschots aufrechter und stabiler gefahren werden kann. Seine Wirkungsweise ist simpel: Ein ca. 50 cm breites und bis zu 2,5 m langes, leicht konkav gebogenes Schwert/Foil lagert waagrecht liegend im Schiffsrumpf auf einem Schlitten- und Rollensystem. Am Wind wird dieses Schwert/Foil wie ein Flugzeug-Flügel durch seitliche Schlitze im Rumpf auf Knopfdruck ausgefahren – und zwar in Lee! Dort taucht das Schwert knapp unterhalb der Wasseroberfläche ein, je mehr Lage die Yacht fährt, desto „tiefer“ logischerweise das Foil.

Seitlich werden die Foils in Lee ausgefahren – beim Wenden und Halsen per Knopfdruck auf die neue Leeseite verschoben © infiniti

Seitlich werden die Foils in Lee ausgefahren – beim Wenden und Halsen per Knopfdruck auf die neue Leeseite verschoben © infiniti

Wasserdruck und Vortrieb ergeben einen stabilisierenden Effekt und in Addition zum Kiel ein weiteres aufrichtendes Moment. Der Clou: je schneller dieses seitlich ausfahrbare Schwert unterwegs ist, desto höher der stabilisierende Effekt. Die Wirkung auf das Segelverhalten ist erwiesen phänomenal: In der Welle bewegt sich die mit DSS bestückte Yacht erheblich ruhiger, das aufrichtende Moment am Wind wiederum ermöglicht bis zu 30% leichtere Kielbomben, was die Racer, Performance Cruiser oder Daysailor entsprechend schneller macht.

DSS – jetzt auch auf See!

Die Idee ist nicht neu. Seit mehr als einem Jahrzehnt basteln Hugh Welbourn, Will Brooks und der Profisegler Gordon Kay bereits an dem Prinzip, testeten mehrere Prototypen, meldeten die Technologie zum Patent an und haben nun seit 4 Jahren ihr DSS in mehreren Rennyachten unterschiedlicher Werften eingebracht.

Das stabilisierende DSS kann und soll in allen Wetterlagen zum Einsatz kommen © infiniti

Das stabilisierende DSS kann und soll in allen Wetterlagen zum Einsatz kommen © infiniti

Das Ergebnis ist überwältigend: wo das System zum Einsatz kommt, sprechen die Designer und Bootseigner von bis zu 10 kn höheren Geschwindigkeiten im Vergleich zur theoretischen Geschwindigkeit mit  „herkömmlichem“ Kielsystem. Zudem wird der stabilisierende Effekt besonders gelobt, da er sich – insbesondere in Gleitfahrt – auf die Leistung des Autopiloten positiv auswirkt. IMOCA und die MINIS haben DSS bereits geprüft, für gut befunden und betrachten DSS als mögliche Alternative zum technisch anfälligen Schwenkkiel. Erste MINI-Prototypen sollen mit dem System in Kürze ausgerüstet werden.

Macht alle(s) schneller

Unter den reinen Lakeracers und Hochleistungsboliden  ist derzeit der Schweizer Michael Aeppli auf seiner mit DSS ausgerüsteten Q28 (Quant Boats) bei den einschlägigen Regatten nicht zu schlagen.

Unter den Cruiser-Racern mit DSS ist die Nobel-Werft Infiniti das Aushängeschild, die mit  ihrem 36GT-Racer vor allem im Mittelmeer Furore macht und bei Regatten erfolgreich mitmischt (Grimaldi-Trophy 2012 Video) Von diesem Typ wurden bisher 3 Yachten ausgeliefert, die neue 56 GT-Version befindet sich im Bau und soll im Frühling 2013 zu Wasser gelassen werden.

Launch-Video der Infiniti-Werft, auf dem gut die einfache Handhabung von DSS zu erkennen ist.

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier
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13 Kommentare zu „Aufrechter und schneller dank Flügel: Dynamisches Stabilitäts-System DSS auch in Yachten“

  1. avatar Rainer sagt:

    Also bis so ein Brettl eine Vendèe Globe übersteht wirds noch ein bischen dauern – aber spannend find ich so was schon.
    Letztendlich gehen diese Dinger in die Richtung atlantischer Proa mit variablem “Ausleger” – wobei den Auftrieb nicht der Ausleger sondern der Beam erzeugt… man könnte sagen – back to the roots.

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  2. avatar Claus sagt:

    …aber up-wind wohl nicht so ganz der Bringer, wie ich den O-Tönen aus dem Video von der Grimaldi-Trophy 2012 lerne.

    Spannend!

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  3. avatar wm sagt:

    Für alle die’s probieren wollen:
    http://www.sailinganarchy.de/html/quant28.html
    würde auch gerne mitsegeln!!

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  4. avatar jollenfutzi sagt:

    trotzdem ein Dickschiff……

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  5. avatar °!° sagt:

    Mir erschließt sich der Sinn solcher Prothesenbasteleien nicht.

    Wenn schiere Geschwindigkeit das Ziel ist, muß man eben ein Mehrrumpfboot segeln und kommt sonst mit allen Tricks, der Physik ein paar Knoten abzuluchsen, nicht sehr weit.

    Mit ausfahrbaren Stützrädern ginge sicher auch ein Bulli um die Ecke wie ein Brett, gleich Porsche kaufen finde ich aber naheliegender.

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    • avatar SR-Fan sagt:

      Prothesenbastelei könntest Du mit der Argumentation letztlich jeden Kiel nennen.
      Hier werden allerdings wieder Birnen mit Äpfeln verglichen. Wenn Du es als reine Segelmaschine vergeichst, mag das ja vielleicht noch klappen. Aber mit was möchtest Du einen Cruiser/Racer “ersetzen” – doch nicht etwa mit einem Fahrtenkat ?! Der dann übrigens auch einen Kiel hat.

      VG

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      • avatar °!° sagt:

        Es gibt schon ein paar Leute, die einen Kiel grundsätzlich für eine Prothese halten, zu denen rechne ich mich aber nicht. Ich akzeptiere jedoch, daß dem Prinzip der Gewichtsstabilität Grenzen gesetzt sind und finde das auch nicht schlimm. Und ja, ich finde folglich auch Schwenkkiele prothesenartig. Konzeptionell klar und mir sympathisch sind Festkieler und Kat, was dazwischen so gefrickelt wird, ist ein Bißchen Apfel, ein Bißchen Birne und fällt folgerichtig öfter mal auseinander. Die Ingenieurfaustregel “Wenn’s blöd aussieht, funktionierts wahrscheinlich auch nicht so doll” hat nach meinen Eindrücken schon was für sich.

        Aber ich freue mich schon auf das erste Foto von so einem Gerät mit einer Bahnmarke im Schlepptau, wenn jemand vergessen hat, das Zippelchen einzufahren.

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        • avatar Wilfried sagt:

          Als Ingenieur muss ich protestieren. Wo kommt dieser Satz denn her? Form follows function kenne ich ja noch. Für den Ingenieur ist die technische Funktionalität ästhetisch. Das nur schöne Formen funktionieren glauben nur die Designer.

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      • avatar Seven sagt:

        Ja schlimm …man stelle sich vor ,das ein Engländer vor ca. 100 Jahren sein Schiff ohne ein Langkiel baute sondern ein Stahlplatte in Längsrichtung drunter montierte mit einem Wulst unten der den Schwerpunkt tiefer nach unten verlegen sollte…..war natürlich undicht sein gebastel und nahm viel wasser auf , er wurde ausgelacht …nagut er war schneller als alle anderen,fuhr aufrechter und mit mehr höhe…….aber das würde sich niemals durchsetzen………so ein spinner….

        Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 1

      • avatar °!° sagt:

        Du liebes Lieschen, da habe ich in der beschaulichen Vorweihnachtszeit unbeabsichtigt doch glatt den Stöpsel aus dem Vulkan gezogen.

        Macht Euch locker, Jungs:
        Wasserballast, Häßlichkeit, die manchmal ein Bißchen schneller macht, Wabbelkiele, Wings, Ballastbomben und Trapeze bleiben auch nächstes Jahr je nach Geschmack alle erlaubt!

        Versprochen.

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    • avatar Alex sagt:

      Ich würde den Ball mit Mehrrumpfer und keine Protesenbastelei nicht so hoch spielen.
      Von den Modernen wie M2 und Co. sind einige mit Leitern unterwegs. Vor einigen Jahren hat man Bretter nach außen gehängt, wo bis zu 3 Mann hintereinander drauf gesessen sind. Was ist und war dann das?

      Ich bin aber auch der Meinung, weg mit dem neumodischem Kram.
      Zurück zu den polynesischen Auslegerbooten mit Navigation nach Wellenbild und Geruch vom Wasser.
      Segeln in Rein Form 😉

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  6. avatar Ketzer sagt:

    Flügel in Oberflächennähe ist widerstandsmäßig eigentlich uncool und wenn er die Oberfläche auch noch durchstößt wird’s noch blöder. Und am Wind erzeugt das Ding eine Kraft nach Lee, auch uncool.

    Die Frage ist auch, was sich daran patentieren läßt, Flügel zur Stabilisation unter Wasser gibt’s schon lange, nennen sich “Stabilisatoren”…

    Der Text klingt so positiv, als stammten alle Infos nur aus der Werbebroschüre.

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    • avatar Lakeracer sagt:

      Was soll man von jemanden erwarten, der sich “Ketzer” nennt und allen neuen Ideen negativ gegenübersteht. Ich denke “Neider” würde besser passen – Sorry:-)

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