Baltic 500: Langstrecken-Regatta trotzt Corona-Auflagen, heftigen Winden und zehn Ausfällen

Die ersten Sieger

Das Ziel ist erreicht: Zur Baltic 500, der ersten Regatta seit Corona, wurde die erste Yacht gezeitet. Um 10.52 Uhr am Sonntag und damit nach fast drei aufregenden Tagen auf See passierte die „Black Pearl“ von Frank Eckardt/Yo Wiebel die Linie nahe Kiel Leuchtturm.

Die “Black Pearl” von Frank Eckardt/Yo Wiebel gewann die erste Regatta seit Corona. Foto: segel-bilder.de

Organisator Cord Hall vom YC Strande freute sich, dass der Regatta-Ablauf des Langstreckenrennens über 500 Seemeilen von der Kieler Bucht aus durch die dänischen Inseln „ganz gut geklappt“ hat. Er war aber auch deutlich erleichtert: „Wir hatten schon ein bisschen Sorge, als am Freitagnachmittag die Meldung von Wetterwelt kam, dass eine Front mit bis zu 50 Knoten Windgeschwindigkeit in der Nacht zum Samstag über das Feld hinwegziehen würde. Schließlich waren die Yachten erst kurz im Wasser und die Crews hatten kaum trainiert. Tatsächlich waren es dann wohl nur Windgeschwindigkeiten bis 37 Knoten.“

Die L30 von Max Gurgel und Lena Weißkichel meldet Wassereinbruch und musste das Rennen aufgeben. Foto: segel-bilder.de

Letztlich mussten zehn der 34 gestarteten Zweihand-Crews das Rennen aufgeben. „Das ist eine sehr hohe Quote. Es war aber nichts Ultra-Kritisches dabei“, so Hall. „Etwas unklar war zwischenzeitlich die Situation bei den Österreichern auf der ‚All Hands on Deck‘, und auch bei der ‚Sharifa‘ gibt es jetzt noch ein paar Probleme zu lösen.“

Doch der Reihe nach: Die Regatta begann in einer leichten Brise vorm Bülker Leuchtturm am Ausgang der Kieler Außenförde. Unter blauem Himmel erlebten die Crews einen perfekten Einstieg in die Regattasaison. Zwar lief die „Chalkhill Blue“ aufgrund von Problemen mit der Lichtmaschine früh in ihren Heimathafen Heiligenhafen ab, und die „Xenie“ steuerte mit einem gebrochenen Kicker Grömitz an, doch die erste Nacht verlief ohne außergewöhnliche Meldungen.

Während die “Lonestar” (links) mit einem gebrochenen Gennakerbaum aufgeben musste, ist die “Whomper” als bester Mini noch im Rennen. Foto: segel-bilder.de

Unangenehm wurde es dann in der Nacht zu Samstag für die „Lonestar“, die kurz vor dem Öresund einen gebrochenen Gennakerbaum vermeldete und damit nicht in den angekündigten Sturm segeln wollte. Letztlich entschied sich die Crew am späten Abend zum Anlaufen des Hafens in Köge, obwohl die dänischen Häfen wegen der Corona-Pandemie tabu sein sollten. Die Behörden beim nördlichen Nachbarn hatten wenige Stunden vor dem Start lediglich ein Durchfahren der Gewässer genehmigt. Doch während der Nacht wurde nicht kontrolliert, die Crew blieb an Bord und verließ den Hafen früh am Morgen, um sich auf den Rückweg zu machen.

Ähnlich agierte die „Circus“, die als Vorsichtsmaßnahme den Hafen in Gilleleje an der Nordküste von Seeland anlief, nachdem sie knackende Geräusche im Ruderbereich und Wasser in der Bilge wahrgenommen hatte. Von Gilleleje ging es nach Durchzug des Sturms früh zurück in Richtung Kiel, stets in Landabdeckung.

Wie die führende „Red“ drehten drei weitere Crews aufgrund der Wettervorhersage, Sorge um das in dieser Phase noch nicht voll erprobte Boot oder aus Erschöpfung ab und steuerten Kiel an.

Sorgen bereitete zwischenzeitlich die österreichische “All Hands on Deck” nach Bruch eines Ruderbeschlags und dem Verlust des Trackers. Foto: segel-bilder.de

Für Aufregung sorgte dann allerdings die österreichische „All Hands on Deck“. Die Mixed-Doublehand-Offshore Europameister des vergangenen Jahres, Christian Kargl/Lisa Berger, meldeten im Kattegat an ihrem neuen Mini den Bruch eines Ruderbeschlags. Als dann auch noch der Tracker über Bord ging, informierte die Regattaleitung die dänische Seenotrettung, da die Situation des Minis in dem verkehrsreichen Gebiet unklar war. Kurz überlegten die Österreicher, einen Hafen anzusteuern, um mit einem Mietwagen nach Kiel zu kommen und dort den eigenen Wagen und den Trailer zum Abholen des Bootes zu holen. Davon wurde ihnen allerdings durch die Regattaleitung wegen der Quarantäne-Bestimmungen in Dänemark, sobald sie Land betreten würden, abgeraten. Schließlich konnten die Mini-Segler ihr Boot soweit instand setzen, dass sie aus eigener Kraft zurück nach Strande segeln.

Die „Sharifa“ mit Max Gurgel/Lena Weißkichel wird hingegen wohl nicht ohne fremde Hilfe nach Kiel kommen können. Die Crew meldete Wassereinbruch durch den Kielkasten. Nachdem es zunächst nur rund zehn Liter pro Stunde waren, flossen zuletzt rund 70 Liter pro Stunde in das Boot. Die L30 machte sich auf den Weg in den Hafen von Ebeltoft und wird dort auf einen Konstrukteur aus Deutschland warten. Ob dann allerdings für Gurgel/Weißkichel eine zweiwöchige Quarantäne in Dänemark fällig wird, muss noch geklärt werden. „Das Boot bekommen wir sicherlich aus dem Wasser, alles weitere müssen wir dann sehen. Vielleicht drückt der Hafenmeister ein Auge zu, und sie können direkt vom Boot ins Auto und nach Hause“, so Cord Hall, der allerdings darauf verweist, dass die Crews jeweils selbst mit dem Risiko umgehen müssen. „Es wurden alle über die besondere Situation, nach Möglichkeit keinen Hafen anzulaufen, informiert. Aber natürlich geht die Sicherheit vor.“

Eine starke Vorstellung liefert die “Powerplay” ab. Die Dehler 30 OD kämpft nach gesegelter Zeit um einen Platz auf dem Podium. Foto: segel-bilder.de

Scheinbar ohne Probleme bewältigte hingegen die Spitze des Feldes die 500 Seemeilen. Nach der „Black Pearl“ wird nun die „Milou“ von Bernd Petrick/Dirk Meiburg im Ziel erwartet. Und dann kämpft auch schon die beste Dehler 30 OD, die „Powerplay“ von Oliver Schmidt-Rybandt und Otto Timm, um Platz drei nach gesegelter Zeit. „Das ist schon sehr beeindruckend, wie die Dehler 30 gegen die zehn Fuß größere Konkurrenten mithalten konnten. Und das auch noch, obwohl Olli mit einem gebrochenen Fuß unterwegs ist“, so Cord Hall. „Bis heute Abend bzw. in der Nacht zu morgen erwarten wir dann alle zurück im Ziel.“

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Ralf Abratis

... ist unser Mann aus der "Segelhauptstadt" Kiel. Mehr zu ihm findest Du hier.

8 Kommentare zu „Baltic 500: Langstrecken-Regatta trotzt Corona-Auflagen, heftigen Winden und zehn Ausfällen“

  1. avatar Stefan sagt:

    Zunächst den Gewinnern der Regatta herzlichen Glückwunsch zum Sieg. Die Wetterverhältnisse waren sicher die nicht die einfachsten. Dennoch sind 2 Kritikpunkte anzumerken:

    1. Mich wundert, dass zur Meldung ein großer Securutiy-Check, was die Ausrüstung angeht, stattfindet, allerdings in keinster Weise Nachweise über Langstreckenerfahrung bei Abgabe der Meldung abgefragt werden. Dies kennt man aus dem Auslang anders (z.B. Nachweise beim Start zum Fasnet-Race). Leider gibt es immer wieder Crews, die sich teilweise überschätzen. Durch so eine Regelung könnte die Ausfallquote sicher geringer gehalten werden. Die Teilnehmerzahl wird dadurch sicher auch schrumpfen, aber Sicherheit sollte doch immer vorgehen. Nur der Nachweis eines Segelscheins reicht hier meiner Meinung nach nicht aus.

    2. Mir mißfällt ihr Kommentar zum Landgang / Festmachen der 4 teilnehmen Schiffe in Dänemark. Mit dem Zudrücken des Hafenmeisters Auge und dem einfach nach Hause Fahren lässt sich keine Pandemie bekämpfen. Laut offizieller Seite müssen diese 8 Personen nun bei Einreise nach Deutschland in Quarantäne. Der Strander Yachtclub täte gut daran, die Teilnehmer zu informieren und dies auch zu überprüfen. Als Blockwart muss man hier ja wohl nicht noch tätig werden und der Polizei einen Hinweis geben. Wenn ein Teilnehmer das Risiko in so einer Regatta eingeht, dann sollte er auch ehrlich mit den Konsequenzen umgehen und diese tragen. Insgesamt war diese erste Regatta sicher auch ein Test für Dänemark, inwieweit die Grenze weiter gelockert wird. Es wäre schade, wenn durch Regelverstoße einiger weniger Personen viele Fahrtensegler leiden müssten und länger auf Lockerungen / Grenzöffnungen warten müssten durch so ein Fehlverhalten.

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    • avatar Cord Hall sagt:

      Zu 1: bemerkenswert, diese Aussage ohne Kenntnis der konkreten Ausfallgründe und die Erfahrung der ausgefallenen Segler zu tätigen. Unter den ausgefallenen Booten waren erfahrene Teilnehmer von Langstreckenregatten bis zum Mini Transat.
      Zu 2: die Aussage hinsichtlich der Quarantänepflicht ist schlichtweg falsch. Gem. §1 Abs. 1 der derzeit gültigen Verordnung zur Quarantänepflicht gilt diese nur für Personen, die aus einem nicht EU Land einreisen (https://www.schleswig-holstein.de/DE/Schwerpunkte/Coronavirus/Erlasse/Verordnung_Reiserueckkehrer.html)

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      • avatar Stefan sagt:

        Zu 2:
        Eine Quarantäne pflichtige Person, die aus Dänemark einreist, bleibt auch in Deutschland Quarantäne pflichtg.

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    • avatar Carsten Kemmling sagt:

      Hi Stefan, du bist Segler und erwägst das Denunzieren? Weil sich andere Segler in einer Notlage nicht entsprechend der Regeln verhalten haben? Weil du Angst hast, der Segelurlaub in Dänemark könnte dadurch gefährdet sein? Schwer zu glauben…

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      • avatar Stefan sagt:

        Hi Carsten, ich denke, dass du das falsch verstehst. Jedem war klar, dass diese Regatta eine besondere Herausforderung ist unter den Corona-Umständen.
        Für mich ist es auch richtig, dass die betroffenen Segler in einer Notlage einen Hafen anlaufen sollen und sich in Sicherheit bringen sollen. Aber jeder Teilnehmer wusste vorher, dass es Corona gibt und dass durch Corona auch die Konsequenzen (bei zum Beispiel das Anlaufen eines Hafens) anders als normal sein werden, bzw. sein können.
        Ich denke, jeder der nun zu Hause in Sicherheit ist und nicht mehr in Seenot ist, gefährdet nicht sein Leben, wenn er in Quarantäne geht. Wenn er es nicht tut, gefährdet er vielleicht eher andere.
        Mich stört die Art, dass es heißt, wird schon gut und nichts passiert (der Hafenmeister kann ja ein Auge zudrücken).
        Bei dieser Wettfahrt müssen sicherlich nicht nur die Wettfahrtregeln, sondern auch die Hygieneregeln eingehalten werden. Für Sportlichkeit gehört der 2. Teil (das einhalten der Hygieneregeln) bei der jetzigen Situation für mich eben auch dazu.

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  2. avatar PL_martin.gnass sagt:

    Hallo Zusammen,

    als Beteiligter kurz folgender Kommentar: die Entscheidung bei einer nach dem Start eingehenden Sturmwarnung von 50 kn die Regatta nicht fortzusetzen trägt jeder einzelne Skipper. Ich würde jedenfalls in der Situation wieder so entscheiden (die Regatta nicht fortsetzen und damit vermeiden in den Sturm ‘reinzusegeln). Ich möchte auch nicht spekulieren wie viele Schäden aufgetreten wären wenn die 50kn tatsächlich gekommen wären.
    Jeder Teilnehmer kennt die Corona Regeln und hält sich sicher auch dran.
    Mit sportlichem Gruß

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  3. avatar Ostseesegler sagt:

    Moin, keiner stellt in Abrede, dass es absolut gerechtfertigt und sinnvoll ist, bei Sturmwarnung eine Regatta abzubrechen. Das ist aber doch nicht der Punkt. Es geht doch darum, dass dieses Ablaufen gleich mehrerer Yachten in dänische Häfen erfolgen musste. Da kann man sich schon fragen: Musste es sein, mit anwaltlicher Hilfe ein Revier zu befahren, dass einfach momentan geschlossen ist? Kann man das nicht einfach akzeptieren, wie alle anderen Fahrtensegler auch, die über Himmelfahrt in den deutschen Ostsee-Gewässern gesegelt sind? Es handelte sich hier um eine Spaß-Regatta und nicht um ein staatstragendes Event! Es hätte sicher andere Kurse gegeben, zum Beispiel nach Osten Rund Gotland o.ä. Nun ist genau das eingetreten, was man vorher ahnen konnte: Dänische Häfen mussten angelaufen werden und hihihi, war ja Nacht, hat keiner gesehen/mitbekommen. Oder aber die dänische Polizei war so nett zu helfen (Quelle: yacht.de). Aus dänischer Sicht würde ich sagen: Toll, Wasser auf die Mühlen – wer friedliche Durchfahrt fordert, fährt halt am Ende doch nicht nur, sondern muss eventuell doch anlegen. Sollte sich diese Spaß-Tour auswirken auf die Öffnungen der dänischen Häfen, werden sich andere deutsche Fahrtensegler bedanken – ist ja nicht so, dass die nicht ebenfalls mit den Hufen scharrren, wieder nach Dänemark segeln zu können. Das soll keine Kritik an der Regatta an sich sein – toll, dass es die gibt und Hut ab vor dem tollen Engagement. Aber ob man sie dieses Jahr so hätte durchführen müssen?

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  4. Leute Leute –
    Erst mal auch hier – vielen Dank an Cord und das gesamte Orga-Team für die gelungene Wettfahrt.

    Ja, das Terrain und die Wetterbedingungen waren nicht ganz einfach. Aber … alle sind im Rahmen ihrer Fähigkeiten “konservativ” an die Nacht von Freitag->Sonnabend heran gegangen. Wir waren weit entfernt von echten Seenotfällen und haben damit gezeigt, dass eine DH Regatta Flotte auch solches Wetter meistern wird oder eben dem Wetter ausweicht.
    Für das epidem. Geschehen spielen 3..4 2-Personen Crews in Dänemark keine Rolle und so sehen es auch die Behörden dort. Insbesondere, wenn die am Abend einlaufen und am Morgen wieder auslaufen und nicht in die Stadt zum Essen gehen. Also auch hier – alles gut und Dank an die besonnenen Teilnehmer sowie Behörden.

    Ansonsten – es war ein tolles Rennen auch wenn der Rückweg echt hart war.

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