Blueribboncup 2020: Ersatzveranstaltung für Kiel – Kopenhagen kam bestens an

Rund Fünen – Runde Sache

Neuer Kurs, neue Fans: Der Blueribboncup 2020 hat unter Corona-Bedingungen einen ganz anderen Kurs einschlagen müssen und fand damit großen Anklang. 45 Yachten gingen beim Traditionsrennen an den Start, das Feedback war teils euphorisch. Die Windbedingungen auf der Runde von Kiel rund Fünen schwankten zwischen 5 und 35 Knoten.

Perfekte Segelbedingungen erlebten die Crews, wie hier die “Intermezzo”, beim Blueribboncup. Foto: Kuphal

Als erste Yacht erreichte die Mills 45 „Halbtrocken 4.5“ das Ziel vor dem Sportboothafen Düsternbrook in Kiel. Einen Tag, 2 Stunden, 55 Minuten und 21 Sekunden benötigte die neue Yacht von Michael Berghorn für die 200 Seemeilen lange Strecke. Elfeinhalb Stunden später waren schließlich alle Yachten wieder im Hafen. Allerdings gab es einige Ausfälle durch Materialschäden und auch einen Beinbruch.

Die “Halbtrocken 4.5” erreichte als erste Yacht das Ziel. Foto: KYC

Berechnet musste sich die „Halbtrocken 4.5“ allerdings klar geschlagen geben. In der eigenen Klasse der schnellen ORC-Yachten siegte die „Intermezzo“ von Jens Kuphal, die nach einem frischen Refit noch einmal einen ordentlichen Performance-Sprung gemacht hat. Die mittlere ORC-Gruppe gewann die „Rarotonga“ von Werner Lemmel, und bei den kleinen ORC-Yachten lag die „Static Electric“ von Heiko Päsler an der Spitze. Zudem hatten die Doublehander eine eigene Wertung. Volkmar Hausberg/Tom Braun mit der „Lavinia“ dürfen sich hier über die Siegertrophäe freuen. Die Einheitsklassenwertung der Dehler 30 od gewann Oliver Schmidt-Rybandt mit der „Power Play“.

Für die Dehler 30 od war es die erste offizielle Klassenregatta. Foto: KYC

Organisationsleiter Eckhard von der Mosel (Kieler YC) war rundum zufrieden mit dem Rennen, das sich als vollwertiger Ersatz für das sonst übliche Event von Kiel nach Kopenhagen und zurück entpuppt hat: „Es war wirklich eine runde Sache. Das Konzept hat allen Spaß gemacht, und wir können uns durchaus vorstellen, dieses Rennen in Zukunft zu wiederholen. Dann aber als eigene Veranstaltung. Den Blueribboncup wollen wir in seiner bisherigen Form beibehalten“, sagte von der Mosel. Das 200-Meilen-Rennen ohne Zwischenstopp hat auch neue Teams angelockt, und der Kurs rund Fünen hat alle Facetten des Seesegelns geboten: „Es ging über die offene See, durch die Enge bei Middelfart. Brücken mussten passiert werden. Wir hatten lange Raum- und Vormwind- sowie Amwind-Kurse. Der Wind pendelte zwischen fünf und 35 Knoten. Wenn es ein Bestellbuch für Bedingungen geben würde, hätten wir wohl nicht mehr ankreuzen können.“

Die Brückendurchfahrt in Middelfart war gleichzeitig die Zwischenwertung. Foto: KYC

Auch Sven Christensen von der Agentur POS, der gemeinsam mit Eckhard von der Mosel in Middelfart die Zwischenzeiten der Yachten genommen hatte, zeigte sich begeistert: „Wir hatten von den Crews durchweg positives Feedback – sogar von den kleineren Yachten, die auf dem letzten Stück Richtung Kiel noch mal ordentlich Wind gegenan und Starkregen abbekommen haben. Der Kurs war super, und unsere Willkommenspaket im Ziel mit Bier und Pasta kam sehr gut an. Mal sehen, was wir aus dieser Erfahrung machen.“

Bis dicht ans Ufer führte die Streckenführung in der Meerenge zwischen dänischem Festland und Fünen. Foto: KYC

Einige Yachten mussten allerdings auch ein frühes Aus verkraften. Die „Imagine“ von Holger Streckenbach beendete das Rennen bereits in der Kieler Bucht mit einem gebrochenen Backstag. Die TP52 wäre ansonsten erste Anwärterin auf den Titel als First Ship Home gewesen. Schon kurz hinter dem Kieler Leuchtturm war für die „Geronimo 2.0“ von Falk Einecke Schluss. Bei der Anteros 36 kam der Mast von oben. Die Crew konnte aber aus eigener Kraft einen Hafen anlaufen. Auch die „Lucy“, eine A-31, von Robert Strobach musste mit Mastbruch abbrechen. Und auf der „Farr-Laessig“ zog sich ein Crewmitglied einen Beinbruch zu. Weitere Ausfälle sorgten dafür, dass schließlich 33 Yachten das Ziel erreichten.

Insgesamt 45 Yachten waren bei Schmuddelwetter vor Kiel an den Start gegangen. Im Rennverlauf gab es die gesamte Wind- und Wetterpalette. Foto: KYC

Für viele Crews war es der erste Regattaeinsatz in diesem Jahr. So auch für die „Halbtrocken 4.5“, die Michael Berghorn erst zu diesem Jahr aus Australien geholt hat. „Das Boot hat die Erwartungen erfüllt, wir hatten viel Spaß. Bis Middelfart war es top, da war die Yacht in ihrem Element“, berichtete Berghorn. Auf dem Rückweg nach kiel tat sich die Mills 45 aber deutlich schwerer, den Abstand zu der Konkurrenz auszubauen. „Gefühlt lagen wir häufiger im schwachen Wind als die Verfolger. Aber das Boot fühlt sich gut und sehr sicher an. Schade, dass die TP52 ausgefallen ist.“ Berghorn hatte mit seiner Crew das Setup des Vorbesitzers übernommen und wird mit den Erfahrungen aus dem Blueribboncup nun die Vermessung optimieren. „Wir wollen nun noch die Langstrecke und die Deutsche Meisterschaft zur Kieler Woche segeln – auch wenn das Boot für die Up-and-Down-Kurse nicht optimal ist. Das Ziel für 2021 bleibt das Fastnet Race“, so Berghorn.

Begeisterung herrschte bei der Crew der “Intermezzo” über das Rennen. Foto: Kuphal

Pure Begeisterung kam von der „Intermezzo“. Die Deutschen Meister um Eigner und Steuermann Jens Kuphal segelten nicht einmal zwei Stunden nach der „Halbtrocken 4.5“ durchs Ziel und sicherten sich damit berechnet den Gruppensieg. „Wir waren schon optimistisch, da das Boot schon im letzten Jahr top war. Aber der Refit in England bei Joff Brown war super. Max (Gurgel, d. Red.) hat bei der Optimierung der Yacht sein Meisterstück abgeliefert“, berichtete Kuphal begeistert von der Performance der Landmark 43 und lobte seinen Trimmer. „Das Boot segelt wie auf Schienen – sehr klar, super präzise.“

Phillip Kasüske ist gerade erste Deutscher Meister im Finn geworden, jetzt steuerte er im Wechsel mit Kuphal und Stanjek die “Intermezzo”. Foto: Kuphal

Während Vorbesitzer Claus Landmark die Yacht auch für Cruising-Touren genutzt hat, setzt die „Intermezzo“-Crew voll auf Performance und hat das Boot von allen überschüssigen Kilos befreit. „Das hat sich ausgezahlt. Downwind hat sie gewonnen, aber gerade Amwind kommt sie richtig in Fahrt“, so Kuphal. Das machte sich gerade auf dem Weg vom nördlichsten Punkt des Kurses zurück nach Kiel bemerkbar. Die Crew nutzte die Kreuz aber auch, um sich intensiv auf die Deutsche Meisterschaft vorzubereiten. „Wir sind intensiv Manöver gefahren – gefühlt 100 Wenden“, so Kuphal. Begeistert war er auch von seiner Crew-Zusammensetzung: „Das war eine Top-Teamleistung. Mit Robert (Stanjek, d. Red.), Phillip (Kasüske, d. Red.) und Max (Gurgel, d. Red.) haben wir höchstes Niveau an Bord. Und Annie (Lush, d. Red.) hat mit ihrer Erfahrung, Ruhe und Routine noch mal eine ganz besondere Qualität ins Team gebracht.“ Ein Extralob bekam zudem Navigator Heiner Wilkens, der sich tief in die Besonderheiten der Umrundung Fünens eingearbeitet und klare Kursvorgaben gemacht hatte.

Die “Power play” siegte in der Klassenwertung der Dehler 30 od. Foto: KYC

Ein besonderes Rennen war der Blueribboncup auf für die Klasse der Dehler 30 od. Der Cup war die erste offizielle Klassenregatta, und Klassen-Boss Uwe Barthel zeigte sich zufrieden: „Die Boote haben sich als absolut Schwerwetter-tauglich erwiesen. Gerade die Anteile mit raumem und achterlichem Wind haben viel Spaß gemacht. Aber auch Amwind sind wir noch sieben bis acht Knoten gesegelt. In der Kieler Bucht wurde es allerdings etwas holprig. Die Dehler 30 ist eine echte Langstreckenmaschine. Regatten wie diese werden sicherlich das Format der Zukunft für die Klasse sein.“ Barthel hofft nun, dass sich die Anfragen aus aller Welt auch in Kaufentscheidungen ummünzen lassen, damit sich die Klasse etabliert. In Zukunft möchte er in der Ostsee gern einen internationalen Circuit etablieren. Im kommenden jahr sind auf jeden Fall die Langstrecken zur Kieler, Warnemünder und Travemünder Woche sowie die Baltic500 im Fokus.

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Ralf Abratis

... ist unser Mann aus der "Segelhauptstadt" Kiel. Mehr zu ihm findest Du hier.

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