Corona: Regatten gehen wieder an den Start – Interpretation der Verordnung nicht ohne Tücken

Schwieriger Kurs durch die Paragraphen

Regattasegeln in Schleswig-Holstein ist grundsätzlich wieder erlaubt. Nach Auffassung der Kanzlei Brink&Partner (yacht-recht.de) in Flensburg gilt das auch für Crew-Segeln mit bis zu zehn Akteuren an Bord.

Es ist nicht ganz leicht derzeit, Kurs durch den Paragraphen-Dschungel zu halten. Doch die Erleichterungen werden spürbar. Foto: segel-bilder.de

Die aktuelle Fassung der entsprechenden Landesverordnung wurde Ende vergangener Woche verkündet und tritt mit dem heutigen Montag in Kraft. Der Abschnitt § 11 (Sport) schließt Wettkämpfe nun nicht mehr aus, verweist allerdings auf die Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregeln. Gerade letzteres scheint ein Knackpunkt für das Yacht-Segeln zu sein, gilt doch im öffentlichen Raum immer noch ein Gebot von 1,5 Meter Abstand. Jochen-P. Kunze von Brink&Partner sieht darin allerdings keinen Hinderungsgrund zur Teilnahme an einer Regatta. Nach seiner Interpretation der Verordnung ist das Geschehen auf der Yacht – anders als in den Mannschafts-Spielsportarten – einer Zusammenkunft im privaten Bereich gleichzusetzen. Und danach dürften bis zu zehn Personen zusammenkommen.

Die heute veröffentlichte Verordnung in Schleswig-Holstein lässt Regatten grundsätzlich wieder zu. Foto: Screenshot schleswig-holstein.de

Nicht alle Kollegen teilen diese Rechtsauffassung von Jochen-P. Kunze. So erkennt Ben Tanis (ra-tanis.de) in den weiterhin gültigen Abstandsregelungen durchaus ein Problem an Bord, wenn die Segler nicht aus dem familiären Umfeld bzw. aus gleichen Haushalten kommen. Einigkeit herrscht indes darüber, dass eine bußgeldbewährte Ahndung vermeintlicher Verstöße nur schwer durchsetzbar sei, da die Verordnung eben viel Raum zur Auslegung und Interpretation lasse. Wenn schon Anwälte und auch Ordnungsbehörden Probleme bei der eindeutigen Lesart des Gesetzestextes haben, ist dies den juristisch Ungeübten kaum anzulasten.

Mit diesem Facebook-Post macht die Kanzlei Brink&Partner auf die Möglichkeit, wieder Regatten in SH zu segeln, aufmerksam. Foto: Screenshot Facebook

Die Erfahrungen der Rechtsanwälte sind daher, dass die Ordnungsbehörden und Wasserschutzpolizeien derzeit sehr zurückhaltend agieren. In der Regel geht es bei Kontrollen um Informationen, ggfls. Ermahnung, selten auch mal um Verwarnungen oder einen Platzverweis. Wer erkennen lässt, dass er sich um Hygiene- und Abstandsregeln gekümmert hat und den Anweisungen der Behörden Folge leistet, hat kaum mit einem Bußgeldbescheid zu rechnen. Möglich wären allerdings Bußgelder von 150 Euro pro Person bei Verstößen gegen die Regelung.

Weitere Auflagen sind für die Veranstalter allerdings bei den Steuermannsbesprechungen und Siegerehrungen verpflichtend. So wird es weiterhin keine großen Zusammenkünfte geben können. Die abendlichen Partys müssen daher entfallen.

Zur Nachfrage nach der Einheitlichkeit der Regelungen im gesamten Bundesgebiet verweisen die Rechtsanwälte darauf, dass hier die jeweilige Landesverordnung geprüft werden müsse. So sind trotz aller Harmonisierung der Verordnungen durchaus Variationen möglich – nicht nur inhaltlich, sondern auch in der zeitlichen Gültigkeit. Ein Studium der Verordnungen ist daher vor der Ausrichtung von oder der Teilnahme an Regatten wichtig.

Hier geht es zu den aktuellen Landesverordnungen:

Baden-Württemberg
Bayern
Berlin
Brandenburg
Bremen
Hamburg
Hessen
Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Rheinland-Pfalz
Saarland
Sachsen
Sachsen-Anhalt
Schleswig-Holstein
Thüringen

 

 

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Ralf Abratis

... ist unser Mann aus der "Segelhauptstadt" Kiel. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „Corona: Regatten gehen wieder an den Start – Interpretation der Verordnung nicht ohne Tücken“

  1. avatar Rolf Albert sagt:

    Hm, also, die Verordnung in Sachsen gefällt mir am besten. Kurz, bündig, viele Dinge wieder erlaubt, Insbesondere Segeln und Regatten segeln. Prostitutionsbetriebe und -Veranstaltungen ( hä, was´n das ?) dagegegen werden mit Zuchthaus bestraft. 😉

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  2. avatar Dampfplauderer sagt:

    Wenn ich das schon wieder lese: “nach seiner Interpretation…”hätte, müsste, sollte, könnte…dann kann ich auch den Dackel von meinem Nachbarn fragen, was er dazu meint!

    der Artikel ist doch nichts weiter als kostenlose Werbung für die beiden Anwälte…

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 5

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