Extreme Sailing Series: Ende der Show im Segel-Stadion – Höhepunkte und Probleme

Crash-Show

Zwölf Jahre lang hat die Extreme Sailing Series spektakulären Live-Segelsport geliefert. Die besten Profis der Welt war zu Gast auch auf dem Starnberger See, in Kiel und Hamburg. Nun erfolgt sang und klanglos das Ende.

Das Oman Team steckt die Bugspitzen ins Wasser. © Lloyd Images

Wie immer, wenn jemand etwas Neues versucht, waren auch 2007 beim Start der Extreme Sailing Series, die damals iShares Cup hieß, die Schar der Zweifler groß. Segelsport live vor Zuschauern quasi als Stadion-Sport, das könne niemals funktionieren.

Extreme Sailing Series, St Petersburg

SAP im Zweikampf mit den Russen. Selten wehte es wie 2016 in St. Petersburg. © Lloyd Images

Tat es dann aber doch. Die Extreme Sailing Series begleitete uns zwölf Saisons. So lange drehten die Profi-Teams auf kürzesten Kursen direkt vor dem Ufer ihre Runden und ernteten Ohs und Ahs, wenn die Katamarane ihre Kufen hoben.

Crashes als Markenzeichen

Das klappte nicht immer. Viele Rennkurse ließen nahe unter Land den nötigen Wind vermissen. Und die Veranstalter mussten oft unwürdige Flauten-Rennen über die Zeit bekommen, um den Zuschauern etwas Aktion zu bieten.

Wenn es dann aber doch mal zu starkem Wind kam, waren die 40 Fußer besonders bei starken Böen schwer zu kontrollieren. Markenzeichen der Rennserie wurden die harten Crashes, bei denen es viel Bruch gab, aber dennoch kaum Verletzungen.

Extreme Sailing Series

Dei Portugiesen heben ab. © EXSS

Legendär ist die Kollision 2011 als Roland Gäbler in Istanbul von Alinghi aus dem Rennen geschossen wurde (Video). 2014 verlor Franck Cammas das Rigg (Video) als er von einem Gegner überfahren wurde. Im gleichen Jahr gerieten Red Bull und Alinghi brachial aneinander (Video), und noch im vergangenen Jahr nahmen die Österreicher Oman Air krachend auf die Hörner.

Die Nähe zum Cup

Das alles generierte zwar Aufmerksamkeit, aber eigentlich lebte die Veranstaltung durch die Nähe zum America’s Cup. Seit 2010 wird auf zwei Rümpfen um die Kanne gesegelt, und die besten Skipper der Welt mussten das Segeln auf zwei Rümpfen üben, wenn sie bei den Großen mitspielen wollten. Die Extreme Sailing Series wurde zur Leistungsshow der Besten.

Extreme Sailing Series

Morgan Larsen mit Oman Air vor begeisterten Zuschauern. © Lloyd Images

Besonders der Einstieg des Emirats Oman, das die Rennserie als Plattform für die Entwicklung des Segelsports nutzte, sicherte über Jahre das Fortbestehen. Zuletzt leistete auch Ernesto Bertarelli einen großen finanziellen Anteil, dass es weitergeht. Sein Alinghi Team gewann zweimal.

Die sportliche Bedeutung der Regatta verlor für die Cup-Profis allerdings an Wert, da die Tour immer mehr auf die Anforderungen der Veranstalter zugeschnitten wurde, die Geld in die Kassen spülten. So ist ein Rennort wie die Elbe vor der Elbphilharmonie gut, um viele Zuschauer anzulocken, die drehenden und oft leichten Winde schulen aber kaum die Fähigkeiten, die zurzeit in der Cup-Szene gefragt sind.

Wechsel zum Foiler-Kat

Zwar wechselten die Organisatoren ihre erprobten 40 Fußer nach langen Diskussionen über die Sicherheit gegen die GC32 Tragflächen Kats aus, auch um der aktuellen Foiler-Entwicklung Rechnung zu tragen. Aber die meisten Rennen wurden dann doch im Low-Rider-Modus entschieden, weil die Bedingungen selten ausreichten, um in den Flugmodus zu kommen.

Extreme Sailing Series, Kenterung

Extreme Bedingungen in Sydney. © Jesus Renedo/Lloyd Images

Dennoch ließ sich auch schon mal Ben Ainslie bei der EXSS blicken. Aber das hatte auch mit den Anforderungen seines Cup-Titelsponsor Land Rover zu tun, der die Veranstaltung seit 2013 unterstützte und am Leben hielt.

Der britische Autobauer hat nun aber offenbar den Stecker gezogen. Nachdem er etwas abrupt Ainslies Cup-Team verlassen musste, als sich der Deal mit dem finanziell weitaus  potenteren Jim Ratcliffe (INEOS) ergab, macht wohl auch die Katamaran-Serie keinen Sinn mehr.

Extreme Sailing Series

Die Crew von SAP bei der Arbeit. © Lloyd Images

Es gibt keine offizielle Verlautbarung, keine Pressemitteilung, aber der Däne Jes Gram Hansen schreibt auf Facebook: “Mit dem Zusammenbruch der Extreme Sailing Series entwickelt sich 2019 etwas anders als erwartet. Ich arbeite jedoch weiterhin mit SAP Global Sponsorship zusammen, da ich als Sportbotschafter an Veranstaltungen und Geschäftskonferenzen teilnehmen werde.”

Gram Hansen steuerte und führte viele Jahre lang das SAP Extreme Sailing Team zusammen mit Rasmus Koster. 2017 gelang der Sieg mit Steuermann Adam Minoprio. Es ist noch nicht klar, ob es Pläne gibt für die Fortführung der Regatta.

Rückblick auf die Saison 2018:

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Carsten Kemmling

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