Extreme Sailing Series: Ende der Crash-Show im Segel-Stadion – Höhepunkte und Probleme

Das Ende der Inshore-Spektakels

Zwölf Jahre lang hat die Extreme Sailing Series spektakulären Live-Segelsport geliefert. Die besten Profis der Welt war zu Gast auch auf dem Starnberger See, in Kiel und Hamburg. Nun verkündet der Veranstalter OC-Sports das offizielle Ende.

OC Sport, der internationale Veranstalter und Rechteinhaber des Extreme Sailing Series™, hat offiziell bestätigt, dass alle Aktivitäten für die globale Rennstrecke eingestellt worden sind.

“Die Extreme Sailing Series ist seit 12 Jahren ein wichtiger Bestandteil unseres Geschäfts”, sagt Hervé Favre, CEO von OC Sport. “Sie hat eine Vorreiterrolle gespielt. Als wir die Serie auf den Markt brachten, wollten wir mit einem Weltklasse-Wettbewerb die Art und Weise ändern, wie das Segeln gesehen wird. Wir wollten den Sport verändern, und wir glauben, dass wir das getan haben.”

Das Oman Team steckt die Bugspitzen ins Wasser. © Lloyd Images

Aber nun sei die Serie leider für OC Sport nicht mehr finanziell tragbar. “Wir haben viele Monate damit verbracht, einen Verkauf zu verhandeln. Leider konnten wir mit potenziellen Interessenten keine Einigung erzielen. Deshalb beenden wir die Extreme Sailing Series nun endgültig.”

Nach wei vor stehe der Segelsport für OC Sport im Zentrum des Interesses. “Aber es war an der Zeit, dass sich unsere Strategie ändert. Wir werden uns nun mehr auf die Offshore-Seite des Sports konzentrieren.” Anfang des Jahres sei in Lorient eine neue Basis mit dem Namen “Le HUB” eröffnet, wo internationalen Offshore-Segelkampagnen eine Komplettlösung angeboten werd. Außerdem werden die etablierten Offshore-Events La Solitaire URGO Le Figaro, La Transat AG2R La Mondiale und die alle vier Jahre stattfindende Route du Rhum-Destination Guadeloupe und The Transat zum Verwaltungsprogramm gehören.

Segeln als Stadion-Sport

Damit findet etwas Großes ein Ende. Wie immer, wenn jemand etwas Neues versucht, war auch 2007 beim Start der Extreme Sailing Series (damals iShares Cup) die Schar der Zweifler groß. Segelsport live vor Zuschauern quasi als Stadion-Sport, das könne niemals funktionieren.

Extreme Sailing Series, St Petersburg

SAP im Zweikampf mit den Russen. Selten wehte es wie 2016 in St. Petersburg. © Lloyd Images

Tat es dann aber doch. Die Extreme Sailing Series begleitete uns zwölf Saisons. So lange drehten die Profi-Teams auf kürzesten Kursen direkt vor dem Ufer ihre Runden und ernteten Ohs und Ahs, wenn die Katamarane ihre Kufen hoben.

Crashes als Markenzeichen

Das klappte nicht immer. Viele Rennkurse ließen nahe unter Land den nötigen Wind vermissen. Und die Veranstalter mussten oft unwürdige Flauten-Rennen über die Zeit bekommen, um den Zuschauern etwas Aktion zu bieten.

Wenn es dann aber doch mal zu starkem Wind kam, waren die speziell für die Regatta konstruierten 40 Fußer besonders bei starken Böen schwer zu kontrollieren. Markenzeichen der Rennserie wurden die harten Crashes, bei denen es viel Bruch gab, aber dennoch kaum Verletzungen.

Extreme Sailing Series

Dei Portugiesen heben ab. © EXSS

Legendär ist die Kollision 2011 als Roland Gäbler in Istanbul von Alinghi aus dem Rennen geschossen wurde (Video). 2014 verlor Franck Cammas das Rigg (Video) als er von einem Gegner überfahren wurde. Im gleichen Jahr gerieten Red Bull und Alinghi brachial aneinander (Video), und noch im vergangenen Jahr nahmen die Österreicher Oman Air krachend auf die Hörner.

Die Nähe zum Cup

Das alles generierte zwar Aufmerksamkeit, aber eigentlich lebte die Veranstaltung durch die Nähe zum America’s Cup. Seit 2010 wird auf zwei Rümpfen um die Kanne gesegelt, und die besten Skipper der Welt mussten das Segeln auf zwei Rümpfen üben, wenn sie bei den Großen mitspielen wollten. Die Extreme Sailing Series wurde zur Leistungsshow der Besten.

Extreme Sailing Series

Morgan Larsen mit Oman Air vor begeisterten Zuschauern. © Lloyd Images

Aber dann sicherte insesondere der Einstieg des Emirats Oman, das die Rennserie als Plattform für die Entwicklung des Segelsports nutzte, über Jahre das Fortbestehen. Zuletzt leistete auch Ernesto Bertarelli einen großen finanziellen Anteil. Sein Alinghi Team gewann zweimal.

Die sportliche Bedeutung der Regatta verlor für die Cup-Profis allerdings ihren Wert, als die Tour immer mehr auf die Anforderungen der Veranstalter zugeschnitten wurde, die das Geld in die Kassen spülten. So ist ein Rennort wie die Elbe vor der Elbphilharmonie gut, um viele Zuschauer anzulocken, die extrem drehenden und oft leichten Winde schulen aber kaum die Fähigkeiten, die zurzeit in der Cup-Szene gefragt sind.

Wechsel zum Foiler-Kat

Zwar wechselten die Organisatoren ihre erprobten 40 Fußer nach langen Diskussionen über die Sicherheit gegen die GC32 Tragflächen Kats aus, auch um der aktuellen Foiler-Entwicklung Rechnung zu tragen. Aber die meisten Rennen wurden dann doch im Low-Rider-Modus entschieden, weil die Bedingungen selten ausreichten, um in den Flugmodus zu kommen.

Extreme Sailing Series, Kenterung

Extreme Bedingungen in Sydney. © Jesus Renedo/Lloyd Images

Dennoch ließ sich auch schon mal Ben Ainslie bei der EXSS blicken. Aber das hatte auch mit den Anforderungen seines Cup-Titelsponsor Land Rover zu tun, der die Veranstaltung seit 2013 unterstützte und am Leben hielt.

Der britische Autobauer zog den Stecker für die Serie, nachdem er zuvor etwas abrupt Ainslies Cup-Team verlassen hatte müssen. Durch den Deal mit dem finanziell weitaus  potenteren Jim Ratcliffe (INEOS) wurde Land Rover herausgedrängt. Und ohne diesen Hintergrund machte auch die Unterstützung der Katamaran-Serie keinen Sinn mehr.

Extreme Sailing Series

Die Crew von SAP bei der Arbeit. © Lloyd Images

Es gab lange Zeit keine offiziellen Mitteilungen von OC-Sport zum Status der Veranstaltung. Und das lag offenbar an den laufenden Verhandlungen zum versuchten Verkauf. Aber schon im März hatte Däne Jes Gram Hansen, einer der Top Skipper  auf Facebook geschrieben: “Mit dem Zusammenbruch der Extreme Sailing Series entwickelt sich 2019 etwas anders als erwartet. Ich arbeite jedoch weiterhin mit SAP Global Sponsorship zusammen, da ich als Sportbotschafter an Veranstaltungen und Geschäftskonferenzen teilnehmen werde.”

Gram Hansen steuerte und führte viele Jahre lang das SAP Extreme Sailing Team zusammen mit Rasmus Koster. 2017 gelang der Sieg mit Steuermann Adam Minoprio.

Rückblick auf die Saison 2018:

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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