Foiling: Scow-Motte “Skeeta” im Anflug auf Europa – Probesegeln bei Stickl

Keep it simple

Skeeta, Stickl, Foiling

Nach der Wespe kommt mit Skeeta ein neuer Volksfoiler © abratis

Mit “Skeeta” tut sich was Neues auf dem Markt der kleinen Centerfoiler. Über einen “voluminösen” Scowrumpf, Foils mit Quick-Release-System, Lowrider-, Skimming- und Vollflugmodus.

Nachdem die Entwicklung der Motten in den vergangenen Jahren in Richtung filigraner Flügeltechnologie an schlanken Rümpfen mit breiten Wings ging – ein Trend, den in vereinfachter Technologie auch die Volksmotte Waszp aufgriff –  verfolgt die Skeeta (australische Moskito-Art) aus Australien einen neuen Weg. Das Design von James und David French kommt mit einem voluminösen Scow-Rumpf daher. Die T-Foils an Schwert und Ruder sind abnehmbar, robust und arbeiten mit einem genial einfachen Prinzip, und die Flughöhe ist stufenlos einstellbar – vom Lowrider- über den Skimming- bis hin zum Vollflug-Modus. Zielgruppe der Neuentwicklung, die in Europa von Quantboats aus der Schweiz auf den Markt gebracht wird: Foiling-Einsteiger und Segler, die mit der kleinen Jolle schnell und einfach auf das Wasser gehen und dabei die Chance zum „normalen“ Segeln und Foiling haben wollen.

Scowrumpf-Philosophie

Quantboats-Chef Michael Aeppli hat das europäische Vorführboot der Skeeta im April und Mai zum Testen an den Gardasee nach Malcesine zu Stickls Sportcamp gebracht. Die kleine, flache Flunder sorgte dort sofort für Aufsehen, und Heinz Stickl nimmt die Skeeta ab Juli in sein Foiling-Programm auf.

Augenscheinlichster Unterschied der Skeeta zu anderen Foiling-Dinghis der aktuellen Entwicklung in der Motten-Größe ist der Rumpf. In Zusammenarbeit von Quant und den australischen Designern wurde die erfolgreiche Scowrumpf-Philosophie der Vergangenheit aufgegriffen. Bei den Schweizern passt diese Philosophie in die Reihe von Quant23 und Quant17 und scheint die logische Fortsetzung nach unten zu sein. Und bei den Australiern haben Scow-Rümpfe seit jeher Tradition. Doch die Skeeta ist nicht nur ein auf Foils gesetzter 1,35 m breiter Scow, sondern bietet weitere Innovationen, die das Foilen tatsächlich für eine breitere Gruppe öffnen können. „Die Erklärung, warum wir solche Boote machen, ist einfach. Ich war 63 Jahre alt, und ich wollte auch noch foilen. Also musste ich ein Produkt herstellen, das mir das erlaubt“, berichtet Aeppli.

Foils mit Quick-Release-System

Schon das Aufriggen zeigt den Anspruch der Skeeta nach einfacher Handhabung und simpler Technik. Mit hochgezogenen Foils liegt das in Glas-Carbon-Mischbauweise gefertigte Dinghi auf dem Slipwagen mit gestelltem und verstagtem Mast bereit. Jollensegler finden sich sofort zurecht. Das Segel wird per Fall gesetzt, der Baum wird am Schothorn des Segels eingehängt und auf einen Lümmelbeschlag aufgesteckt. Der Lümmel sitzt allerdings auf einem am Mast beweglichen Ring – so können Baumniederholer und Cunningham in einem System zusammengeführt werden, das auf einer Travellerschiene mit dem Baum mitschwingt. Die Schot sitzt mittschiffs hinter dem Schwert. Damit ist das Cockpit frei und aufgeräumt und bietet bei wenig Wind genug Fläche zum Sitzen. Die Ruderaufhängung besteht aus einem stabilen Dreifuß, der 30 cm nach achtern aussteht. Ruder- und Schwertfinne (aus Alu) werden in einer festen Führung gehalten. Die breiten Carbon-Foils (Schwert-Foil: 1,20 m, Ruderfoil: 0,89 m) können per Quick-Release-System auf die Finnen aufgesteckt werden. Das Ruderfoil ist dabei fest und sorgt mit seinem asymmetrischen Querschnitt für dauerhaften Lift. Das Schwertfoil ist symmetrisch designed. Auftrieb erzeugt hier der Anstellwinkel. Anders als bei den aktuell dominierenden T-Foils sorgt hier nicht eine achterliche Lippe an den Foils als Höhenruder für den Auftrieb, vielmehr wird das gesamte Foil zum Auftrieb angestellt.

Auf einem neuen Prinzip fußt auch die Steuerung des Flugmodus. Der Wand (Zauberstab) am Bug wird anders als beim bekannten Mechanismus nicht auf dem Wasser aufliegend mitgeschleift. Vielmehr steht er senkrecht am Bug. Über ein Seilzug-System ist er in der Höhe variierbar. Und die Höhe des Wand bestimmt auch die Flughöhe. Wasserdruck auf das untere Ende des Fühlers betätigt eine Stangenmechanik, die den Schwertfoil anwinkelt und somit für Auftrieb sorgt. Sobald der Wand aus dem Wasser kommt, wird der Auftriebswinkel auf Null gestellt. Damit hält die Skeeta dauerhaft ihre individuell eingestellte Flughöhe. So ist mit einem Handgriff der Wechsel vom Voll-Foiler zum Semi-Foiler und „normalen“ Segelmodus möglich.

Foilen dank Zauberstab

Das Motto „Keep it simple!“ wird auch beim Slippen und Einsteigen auf die Skeeta fortgesetzt. Kein Reintragen im gekenterten Zustand ist hier nötig. Das 43-kg-Leichtgewicht gleitet wie eine Jolle vom Slipwagen und kann damit einhand ins Wasser gebracht werden. Durch das große Rumpfvolumen der flachen Flunder ist ein Aufsteigen problemlos möglich. Die Foils können dann von Bord aus in Position gebracht werden.

Das Eingewöhnen auf dem Dinghi ist im Lowrider-Modus möglich. Doch dazu braucht es nicht viel. Pinnenausleger und Schot sind gut positioniert, Manöver sofort umsetzbar. Lediglich das Umwerfen des Pinnenauslegers nach achtern bei Wenden und Halsen verlangt von manchem Jollensegler etwas Umgewöhnung.

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Deutlich weniger Fummelei als bei den Motten – das Quick Release System © abratis

Über den Semi-Foiler-Modus kann man sich an das Fliegen auf der Skeeta herantasten. Der leicht ins Wasser eintauchende Wand ermöglicht ein Schlittern über das Wasser. Die Skeeta erreicht hier bereits hohe Geschwindigkeiten, das auffällig konkav geshapte Unterwasserschiff mit dem breiten Rochenmaul am Bug schaufelt so viel Luft unter die Jolle, dass sie wie auf einem Luftpolster dahingleitet. Trotzdem entfällt der Balance-Akt auf den Foils, da das Boot stets durch die Wasserberührung in der Waage gehalten wird. „Scows, wenn sie richtig designt sind, haben eigentlich keine Rumpfgeschwindigkeit und müssen damit keine Barriere überwinden“, so Aeppli. Selbst im Verdrängungsmodus soll die Skeeta damit deutlich schneller fahren als Konkurrenz-Motten.

Seltene Überschläge

Mit dem tiefer gezogenen Wand hebt der Scow dann ab. Der Körpertrimm entspricht dem üblichen Foilen auf Centerlinern. Mit leichter Luvkrängung wird die Jolle aus dem Wasser gehoben. Die Foils unterstützen in dieser Lage den Gewichtstrimm, der wie beim Surfen dem Segeldruck entgegengestemmt wird. Das nach Luv angestellte Segel erhöht die Auftriebswirkung. So wird eine stabile Fluglage erreicht. Soweit die Theorie. In der Praxis werden Foiling-Einsteiger auch hier vor Abstürzen nicht gefeit sein. Doch die fallen bei der Skeeta weniger gravierend aus als bei anderen Motten.

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Skeeta macht nicht nur über dem Wasser eine gute Figur © abratis

Das hohe Rumpfvolumen sorgt dafür, dass die Jolle selbst bei einem Nose-Dive schnell wieder aus dem Wasser springt. Echte Überschläge sind selten. Auch das ein klares Plus der neuen Skeeta, die ab Sommer in größerer Stückzahl auf den europäischen Markt kommen wird. Mit zwei unterschiedlichen Rigg- und Segel-Größen sowie der Möglichkeit, die Skeeta durch Abklicken der Foils zu einer „normalen“ Jolle zu machen, bietet das junge Design eine Menge Einsatz- und Anpassungsmöglichkeiten auf die unterschiedlichen Reviereigenschaften und Könnensstufen.

Erster Container ausverkauft

„Für die Zielgruppe, die wir anvisieren, ist das Boot nahezu perfekt. Es gibt Dinge, die man anders sehen kann. Das sind Geschmacksfragen. Aber für die Idee, das Foilen für größere Gruppen anzubieten, ist es einfach geeignet. Man wird vielleicht herauswachsen und den nächsten Schritt gehen, aber das ist okay“, sagt Michael Aeppli. Der erste Container mit bis zu zehn Booten, der in Europa ankommt, ist bereits ausverkauft. Doch im September erwartet Aeppli bereits die nächste Lieferung und rät dafür, schon jetzt vorzubestellen. Und im nächsten Jahr soll die Skeeta dann richtig in Europa durchstarten.

Interessierte können die Skeeta ab Juli bei Stickl in Malcesine am Gardasee ausprobieren, denn ein Moskito aus der ersten Lieferung wird am Gardasee stationiert sein.

Infos zur Skeeta unter www.quant-boats.com

Infos zum Foiling am Gardasee unter www.stickl.com

 

Technische Daten “Skeeta”:

Länge: 3,35 m plus Ruderaufhängung (30 cm)

Breite: 1,35 m (inklusive Wings: 2,25 m)

Gesamtgewicht: 43,5 kg

Mastlänge/Segelfläche: 5,5 m/8 m², 6 m/9,5 m²

T-Schwertfoil in Carbon: 1,20 m (Montage mit Push-Button)

T-Ruderfoil in Carbon: 0,89 m (Montage mit Push-Button)

Ruder- und Schwertfinne: Alu, schwarz eloxiert

Rumpf: Glas/Carbon-Mischbauweise

Mast: zweiteilig aus Carbon mit Mastnut und Fall

Baum: Alu, schwarz eloxiert

Preis: ca. 15.500 Euro

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Ralf Abratis

... ist unser Mann aus der "Segelhauptstadt" Kiel. Mehr zu ihm findest Du hier.
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2 Kommentare zu „Foiling: Scow-Motte “Skeeta” im Anflug auf Europa – Probesegeln bei Stickl“

  1. avatar uws sagt:

    Ich hatte das Glück die Skeeta dort bei Stickl auch testen zu können und bin sehr begeistert.
    Es hatte am Test Tag durchwachsenes Wetter und daher ungewöhnlichen Wind am Gardasee. Wetterwind aus Nordost, sehr böig, zw. 5 und 25 kn. Dazu Welle aus Nord. Nicht so tolle Bedingungen für einen Test…aber ich musste den nächsten Tag weiter, also galt es die Gelegenheit zu nutzen. Für mich als mässig geübten Moth-Anfänger wäre das mit der Moth eine sehr frustrierende Sache geworden. Mit der Skeeta ging es aber erstaunlich gut! bei niedriger Flughöhe hat man keine hohen Abstürze, das hilft super schnell das gefühl fürs Foil zu bekommen. nach 20min habe ich dann gleich die volle Flughöhe ausprobiert, genial! Natürlich stürzt man bei böigem Wind auch mit der Skeeta ab, aber längts nicht so heftig wie mit der Moth. Und bei richtig wenig Wind ist es auch sehr entspannt, man kann dann gemütlich reinliegen und weitersegeln, nicht so ein Balanceakt wie auch Moth oder Waszp.
    Und ein für mich entscheidendes Argument: bei der Moth man gleich viel Zeit am reparieren oder basteln wie am segeln. Bei der Skeeta gab es in den 2 Wochen in denen Sie am Gardasee war meines Wissens nicht einen Schaden! genial: Just go sailing, perfekt als Jedermann-Foiler!
    Ich freu mich schon sehr darauf mehr mit der Skeeta zu segeln, hoffe kommt der erste Container bald an 🙂
    Yo

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  2. avatar Jorgo sagt:

    Sind die Wings wie bei der WASZP auch aus Alu, oder hat man sich da für eine etwas leichtere Variante entschieden? Bei dem Preis müsste Carbon sein… .
    Ich war beim Auspacken meiner WASZP erschrocken über das Gewicht dieser Bauteile… .
    Weitere Frage:
    Ab welcher Windstärke ist Foiling für Erwachsene möglich?

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