Gold Cup der Folkeboote zur Kieler Woche: 50 Boote erwartet

Die ewig junge Traditionsklasse

Seit 80 Jahren schon prägen sie das Bild auf nordeuropäischen Regattarevieren, die nordischen Folkeboote. Robust jedem Starkwind auf offener See trotzend kreuzen sie mit riesigem Großsegel und kleiner Fock auch gegen steile Wellen an – 1,8 Seemeilen lang. So wollen es die traditionellen Regeln der inoffiziellen Weltmeisterschaft. Zum runden Geburtstag der Klasse wird der Gold Cup 2022 vom 17. bis 21. Juni ausgetragen.

Gold Cup-Verteidiger Per Jørgensen und seine dänische Crew auf der Kieler Woche 2017. Foto: Christian Beeck

Als der Lübecker Konsul Hagelstein 1963 den ersten, 800 Gramm schweren Pokal aus purem Gold stiftete, schlug vor Travemünde gleich die Stunde des Kieler Yacht-Clubs (KYC). Denn der Gold Cup der Folkeboote ist – wie der Americas Cup auch – ein Wettbewerb der Vereine. Er wurde in einem Safe aufbewahrt und durfte nicht graviert werden; die Siegerliste steht auf einer Pergamentrolle. Bruno Splieth trug sich mit Handballlegende Hein Dahlinger und Frieder Heinzel in der „Daddel“-Crew als Erster ein. Das gleichzeitig ausgelobte Holzfolkeboot stiftete er der KYC-Jugend.

Folkeboote im Schmetterlingsstyle – zuletzt waren sie 2018 im internationalen Teil auf der Kieler Woche. Foto: Christian Beeck

Das stärkte die Hochburg der Kielboote entlang der Kieler Förde, wo in der Flotte Kiel rund 150 Schiffe registriert sind. Zur Kieler Woche in diesem Jahr richtet der KYC den Gold Cup nach 1975, 77, 80 und 88 bereits zum fünften Mal aus. Nachdem der Goldpokal pandemiebedingt zweimal ausgefallen ist, wollen die Verantwortlichen an 2019 anknüpfen, als unter 53 Teilnehmern vor Aarhus der Däne Per Jørgensen mit einem halben Meter Vorsprung auf der Ziellinie zum Cupverteidiger wurde.

„Wir haben uns 50 Meldungen als Ziel gesetzt“, sagt Sönke Durst, Sportwart der Deutschen Folkeboot Vereinigung. Vor Ende April hatten sich bereits 39 eingetragen, neben dem Gastgeberland viele aus Dänemark sowie aus Schweden, Finnland, Estland und Großbritannien.

Auf der Kieler Woche 2018 im gelben Trikot der Spitzenreiter: Folkeboot-Sportwart Sönke Durst an der Pinne, hier mit Marc Rokicki und Ulrich Schaefer am Start. Foto: Christian Beeck

„Wir haben die Folkeboote als Meisterschaftshighlight im ersten Teil der Kieler Woche auf Bahn Foxtrott vorgesehen“, so Organisationsleiter Dirk Ramhorst, „und wollen den Gold Cup mit einem feierlichen Einmarsch der Nationen zu den heißen Rhythmen einer Samba-Band eröffnen.“ Die Vermessung beginnt bereits am Freitag (17. Juni) vor der Kieler Woche, ehe an vier Wettfahrttagen bis Dienstag (21. Juni) bis zu acht Rennen vorgesehen sind.

Steuermann Ulf Kipcke vom Kieler Yacht-Club und sein Team der „Ylva“ streben den dritten Goldpokalsieg an. Foto: Christian Beeck

Zu den einheimischen Mitfavoriten gehört das „Ylva“-Trio unter Steuermann Ulf Kipcke, das den Gold Cup nach Horst-Stefan Schulze alias Mozart (1990) in den Jahren 2000 und 2015 für den KYC holte. „Alle haben zwei Saisons wenig gesegelt, aber wir trainieren jeden Dienstag, und unser Boot ist tipptopp auf Vordermann“, freut sich Crewmitglied und Vater Dieter Kipcke auf das Heimspiel. Auch mit Sparringspartner Walter Furthmann und seinem „Paula“-Team vom Yacht-Club Strande sei zu rechnen.

Klassiker an der Kreuz – die nordischen Folkeboote tragen auf der Kieler Woche den Gold Cup als inoffizielle WM aus. Foto: Christian Beeck

Sönke Durst, der mit der „hasta la vista“ für den Laboer Regatta-Verein zumindest schon „Bronze“ beim Goldpokal erreichte, wirbt noch um weitere der besten Aktiven aus Großbritannien. Zusätzlicher Anreiz für die lange Anreise biete der Trudelmauspokal am Wochenende zuvor (11./12. Juni) als Warm-up in Laboe. Der war schon vor vier Jahren Zubringerregatta. Und die Kieler Woche gewann 2018: Sönke Durst. Vielleicht kann aus Bronze doch mal Gold werden.

 

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