Historie: Erste Hydrofoil-Segler schon 1938 – „Monitor“ knackte 1956 die 30 Knoten

Foilender Pioniergeist

Wer hat’s erfunden? Ein Italiener foilte schon 1906 – auf einem Motorboot. Die ersten Segler verliehen einem Holz-Strandkatamaran 1938 Flügel. Und die „Monitor“ machte das Foilen in den Fünfzigerjahren fast gesellschaftsfähig.

Kann sein, dass es heutzutage für Segler etwas ernüchternd klingen mag, aber die ersten Boote, die sich „über die Wasser erhoben“, waren Motorboote. Zwar ist die derzeit auf Segelbooten gefeierte Technik des Foilens im Vergleich zu den klassischen, meist auf Tragflächen basierenden Methoden auf Motorbooten technisch weitaus ausgereifter. Am Prinzip hat sich jedoch nichts geändert: Bei steigender Fahrtgeschwindigkeit des Bootes wird mittels unter Wasser liegender Tragflügel respektive Hydrofoils ein dynamischer Auftrieb erzeugt, der das Boot oder zumindest große Teile seines Rumpfes anhebt und so den Reibungswiderstand im Wasser deutlich reduziert. 

38 Knoten auf dem Lago Maggiore

Bereits 1906 gelang dem italienischen Luftschiffkonstrukteur Enrico Forlanini mit einer Eigenkonstruktion die erste Fahrt auf einem Tragflügelboot. Auf dem Lago Maggiore erreichte er mit einem Propeller-Antrieb beeindruckende 38 Knoten Geschwindigkeit, wobei sich sein Boot vollständig aus dem Wasser hob.

Der Italiener Enrico Forlani mit seinem Hydrofoiler auf dem Lago Maggiore © wikipedia

Seine Tragflügel basierten damals auf einer Art „Leiterprinzip“, das – in abgewandelten Formen – im Laufe der Foilgeschichte immer wieder zum Einsatz kommen wird. 

Es sollte jedoch dreißig Jahre dauern, bis sich das erste Segelboot auf Hydrofoils respektive abgewandelten Tragflächen über die Wasser hob. Die US-Amerikaner R. Gilruth and Bill Cart entwickelten, bauten und segelten 1938 einen kleinen Holz-Strandkatamaran, den sie mit Hydrofoils respektive Tragflächen ausrüsteten. Über die Länge der auf Foils gesegelten Strecken gibt es jedoch allzu unterschiedliche Angaben.

Pioniere, Hydrofoil, Segeln

“Catafoil I”, das mutmaßlich erste Segelboot auf Foils © gilruth

Tatsache ist, dass es den beiden Pionieren zumindest über mehrere Hundert Meter lange Schläge hinweg gelang, ihren Kat „auf die Kufen“ zu heben. Angeblich hob der Katamaran bereits bei 5 Knoten Geschwindigkeit ab. Letztendlich sind jedoch zu wenige, verbürgte Informationn über diesen ersten Foil-Katamaran bekannt. 

Gordon Baker foilte Wenden und Halsen

Das änderte sich ca 15 Jahre später. Ein von der US Marine unterstütztes Forschungsprojekt unter Leitung des segelfanatischen Offiziers Gordon Baker beschäftigte sich Ende der Vierziger und Anfang der Fünfziger Jahre mit der Entwicklung eines „Flugbootes“, das sich unter Segeln vollständig aus dem Wasser heben sollte. Nie bestätigten Gerüchten zufolge ging es bei diesem Projekt in erster Linie darum, Segelboote für den Kriegseinsatz zu entwickeln, die sich möglichst schnell und dabei nahezu geräuschlos über kurze Strecken segeln ließen. Für was auch immer. 

Pioniere, Hydrofoil, Segeln

Der Hydrofoiler “Monitor” in Action – 1955! © mariner’s museum

Aus seglerischer Sicht betrachtet, gelang Gordon Baker und seinem Team jedoch ein regelrechter Coup: Baker schwebte auf seiner „Monitor“ vollständig über der Wasseroberfläche und blieb lediglich mit seinen, dem Leiter-Prinzip nachempfundenen Tragflächen physikalisch mit dem Wasser unter ihm verbunden. 

Die „Monitor“ hob sich ab ca. 13 Knoten Windgeschwindigkeit auf ihre Hydrofoils und konnte Berichten zufolge doppelt so schnell wie der Wind segeln. Zeitzeugen aus der Segelszene, die von Baker die Gelegenheit erhielten, auf seiner „Monitor“ mitzusegeln, zeigten sich von extrem hohen Endgschwindigkeiten begeistert.  So war etwa ein Speed um die 30 Knoten keine Seltenheit, es wurden sogar Top-Geschwindigkeiten von nahezu 40 Knoten gemessen. Baker äußerte sich jedoch besorgt, dass ihm „die Kavitation die Hydrofoils zerkleinern würden“. 

Pioniere, Hydrofoil, Segeln

Die “Monitor” von vorne © Mariner’s Museum

Bei seinen ersten Test-Schlägen auf der „Monitor“ ließ sich Baker – bei leichten Winden – offenbar noch von Motorbooten auf die notwendige Geschwindigkeit für den Foil-Modus ziehen, da das Hydrofoil-Boot als Verdränger Schwierigkeiten hatte, mit seiner relativ kleinen Segelfläche „in Fahrt zu kommen“. 

Doch Baker berichtete später auch von gewissen Lernkurven beim Steúern des Bootes. Wie später einige Mitsegler bestätigten, gelangen Baker und der „Monitor“ sogar Wenden und Halsen, bei denen sie vollständig über der Wasseroberfläche blieben und nicht im Manöver wasserten. Übrigens, in den Anfängen der America’s Cup-Foilerei vor San Francisco schafften dies die weltbesten Segler auf ihren Zig-Millionen-Dollar-Kats erst nach monatelangem, computergestütztem Training.  

Den Anstoss gegeben

Im Zusammenhang mit den prekären Anfangsgeschwindigkeiten beim Foilen ist wohl auch eine zweite Beseglungsform bzw. Riggvariante zu sehen, die aber wohl nie zum Einsatz kam. Gordon Baker ließ sich Wingsails bauen, um den Speed seiner „Monitor“ vor allem in den Startphasen zu erhöhen. Aber auch in der Hoffnung, das Boot verlässlicher auf Kurs zu halten. 

Pioniere, Hydrofoil, Segeln

Der erste foilende Cruiser “Williwaw” © mariner’s museum

So spektakulär und wegweisend die „Monitor“ aus heutiger Sicht gewesen war, so schnell versank sie damals wieder in Vergessenheit, auch weil die Marine das Projekt offenbar nicht mehr finanziell unterstützte.  

Allerdings hatten Baker und seine „Monitor“ eindeutig einen Denk-Anstoß für die Tüftler in der Segelszene gegeben. 1970 segelte der erste Hydrofoil-Cruiser namens „Williwaw“ 20.000 Seemeilen auf dem südlichen Pazifik.

1976 schaffte ein modifizierter Tornado auf Foils 20, 76 Knoten Höchstgeschwindigkeit.

Die (manchmal) foilende Paul Ricard mit Meister Tabarly an der Pinne © association tabarly

Kurz darauf folgte der Offshore Foiler Paul Ricard, mit dem Eric Tabarly 1980 den Atlantik-Einhand-Rekord um zwei Tage unterbot. Ob dabei tatsächlich Foils zum Einsatz kamen, ist allerdings umstritten.

Hydroptère, Trans-Pac

Ein Trimaran für Rekorde: Hydroptère © hydroptere

1994 wasserte Alain Thébault seine „Hydroptère“, 1997 schaffte die französische Proa „Technique Avancée“ 42,12 Knoten. 2009 setzte „Hydroptère“ auf seinen Tragflächen einen neuen Weltrekord über 500 m von 51, 36 Knoten. Der dann spektakulär 2012 von „Sailrocket“ (nomen st omen) auf 65,45 Knoten verbessert wurde. Ein Weltrekord, der bis heute Bestand hat. 2013 segelten die America’s Cupper erstmals auf Foils und etablierten damit endgültig das „Schweben über den Wassern“ in der Welt des Segelns.

Paul Larsen, Weltrekord

Paul Larsen mit sagenhaften 65 kn Speed © vestas sailrocket

Heute rasen sogar 60-Fuß-Monohull-IMOCA oder 100 Fuß-Ultim-Trimarane auf Foils nonstop um die Welt. Auf einer Technik, die im Prinzip schon seit 120 Jahren bekannt ist.

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Michael Kunst

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