IMOCA: Alle „scharren mit den Hufen“, pardon: Foils – Kenter-Testreihe in „La Base“

„Wir können es kaum erwarten!“

Endlich, endlich sind nahezu alle IMOCA, die am kommenden Vendée-Arctic-Rennen (Start 4.Juli) teilnehmen wollen, im Wasser. Die nächsten Wochen dürften intensiv werden! 

So langsam lassen sich alle wieder blicken. Nachdem die IMOCA-Klassen-Oberen mehr und mehr glaubhaft versichern (können), dass die Vendée Globe – wie auch immer – Anfang November 2020 starten wird, ist Leben in die IMOCA-Bude gekommen. 

Seit zehn Tagen sind die strengen Lockdown-Maßnahmen in Frankreich aufgehoben und die anfänglich etwas uneinheitlich interpretierten Regeln fürs Segeln auf dem Ozean haben sich mittlerweile eingespielt.(SR-Bericht) Um es kurz zu machen: Man darf wieder segeln und sogar manche Insel-Häfen anlaufen, soll sich aber Corona-hygienisch benehmen. Punktum. 

Alle wollen ins und aufs Wasser

Zeit also, die letzten IMOCAs aus den Werfthallen zu wuchten um sie am langen Arm des Krans ihrem Element zu übergeben. Überhaupt hat es wohl noch nie eine derart „kompakte“ Serie an IMOCA-Wasserungen gegeben wie in den letzten Tagen: Kevin Escoffier, Jeremie Beyou, Arnaud Boissieres, Sam Davies, Maxime Sorel, Clarisse Cremer, Charlie Dalin, Thomas Ruyant, Armel Tripon und einige mehr wollen endlich wieder das machen, was sie am besten können: segeln! 

Neue Foils für Jeremie Beyou und seine Charal © Zedda, Charal

Dabei kommen einige Überraschungen ans Tageslicht. So hat Jeremie Beyous „Charal“ ein paar neue Foils spendiert bekommen, auf denen der Drittplatzierte der letzten Vendée Globe derzeit wieder Flugstunden vor der „Ile de Groix“ nimmt. 

Auch Schwesterschiff DMG Mori wird nun des Öfteren im gleichen Revier gesehen. Kunststück: Skipper Kojiro Shiraishi fängt im Prinzip jetzt erst mit ernsthaften Trainingsmeilen auf seinem Boot an, das immerhin schon letzten Spätsommer gewassert, aber noch nicht über längere Strecken gesegelt wurde.

Isabelle Joschkes MACSF wurde am gesegneten Vatertag ebenfalls ins Hafenbecken abgeseilt – unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen, wie man unschwer an Isabelles Gesichtsmaske erkennen kann :)).

Auch mit Maske unverkennbar: die Deutsch-Französin Isabelle Joschke © macsf

Das Team der Deutsch-Französin hat ihr in den vergangenen Wochen und Monaten trotz „Confinement“ einen runderneuerten IMOCA beschert, der perfekt auf die Belange der 43-Jährigen zugeschnitten wurde. Wie eigentlich alle Vendée Globe-Kolleginnen und -Kollegen auch, fiebert sie der anstehenden Vendée Arctic-Qualifikationsregatta entgegen, die am 4. Juli starten soll (SR-Bericht). Doch bis dahin stehen noch so viele Trainingsstunden an Bord der IMOCA an wie nur möglich. 

„Corum“ vom Stapel gelaufen

Woran keiner mehr so richtig glaubte: Letzte Woche wurde nach einem Jahr Bauzeit Nicolas Troussels brandneue CORUM in Port la Foret zu Wasser gelassen und – noch ohne Foils – kurz darauf in den Heimathafen Lorient überführt, wo die „Flügel“ installiert wurden. Die unter Michel Desjoyeaus Regie entstandene IMOCA ist mit vielen neuen, innovativen Elementen und einem jetzt schon als besonders spektakulär bezeichneten 3DI-Segelsatz von North Sails ausgestattet. 

Kaum waren die neuen Foils auf Corum gesetzt, ging es zu ersten Testschlägen aufs Wasser.Neuer North Sails-3DI-Segelsatz! © corum

Doch wie Troussel innerhalb von fünf Wochen bis zum Start der letzten Qualifikationsmöglichkeit für die Vendée Globe Foil-Installation, Training, Adaptation und Check der einzelnen technischen Elemente, Segel-Konfiguration, Foil-Standing und und und „auf die Reihe“ bekommen will, ist vielen Szene-Kennern ein Rätsel.

Am Kran ohne den Skip

Auch Boris Herrmanns „Malizia“ wurde nach ausgiebigen Arbeiten am Boot während des Lockdowns wieder ihrem Element übergeben (siehe Videos unten). Die Wasserung fand allerdings ohne den deutschen Skipper statt, denn der wartet noch in Hamburg auf die Geburt seines Kindes, die in den nächsten Tagen erwartet wird. Die ersten Testfahrten auf der Malizia werden derzeit vor Lorient noch vom Technik-Team durchgeführt.

 Aber Herrmann weiß weiterhin von sich reden zu machen: In einem Interview mit der iMOCA-Klasse unterstreicht er nochmals seinen festen Willen, auch beim Ocean Race 2021 auf seiner „Malizia“ dabei zu sein. 

Kenter-Testreihe

Neben dem Kranen der IMOCA und vereinzelten „Flug“stunden etwa vor Lorient gab es übrigens weitere spektakuläre Bilder von der IMOCA-Klasse. Im Hafenbecken von La Base wurden die IMOCA – nach dem Wiegen beim Kranen – mit einem Kenterungstest vermessen. IMOCA-Vermesser René Boulaire erklärt: „Das Problem mit den aufrichtenden Elementen in den IMOCA (Kiel, Ballasttanks, Foils) ist, dass sie das Boot auch kentern lassen können.

Bei schwerem Seegang kann das Boot mehr als 90° mit dem Mast auf der Seite im Wasser liegen. Die Regel besagt, dass sich das Boot nicht umdrehen darf, bevor sein Krängungswinkel 110° erreicht hat, unabhängig von den Einstellungen des Kiels, der Folien und der Ballasttanks.“

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier

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