IMOCA: Interview mit Justine Mettraux – auf dem Weg zur Vendée Globe

„Schöne Belohnung!“

Mit ihrer Teamwork (ex Charal 1) hat die Schweizerin unter den Gebraucht-IMOCA ein großes Los gezogen. Auf dem perfekt vorbereiteten Boot trainiert sie derzeit vor Lorient für die Route du Rhum.

Bei der Arbeit: Die Schweizerin Justine Mettraux © mettraux

Sie gilt längst als eine der versiertesten, erfahrensten und talentiertesten Hochseeseglerinnen – seit Juli ist Justine Mettraux nun offiziell auf dem besten Weg Richtung „Olymp des Hochseesegelns“ respektive Vendée Globe. Die 35-jährige Schweizerin aus Genf hat bislang eine faszinierende Karriere auf den spektakulärsten Hochsee-Rennern hingelegt (siehe CV unten) und wird im Herbst mit der Teilnahme bei der Route du Rhum auf ihrem IMOCA Teamwork (ex Charal 1) erstmals als Solo-Seglerin im IMOCA der internationalen Szene Paroli bieten.

Beim Ortstermin in Lorient liegen neun IMOCA an den Stegen des Hochseehafens La Base, teils fein säuberlich hintereinander aufgereiht. Justine Mettraux empfängt zum Gespräch auf ihrer Teamwork, die aufmerksamkeitsstark direkt hinter Charal 2 liegt und mindestens genau so viele Besucher anlockt wie die Neubauten.

Diskret vorgegangen

SegelReporter: Justine, Deine neue Vendée Globe-Kampagne hat viele überrascht. Sogar in der Szene ist das nur wenigen bekannt gewesen; und dann auch noch auf dem wohl spektakulärsten IMOCA der vorletzten Generation, der ex Charal 1.

Justine Mettraux: Nun, einigen Seglern hier war das durchaus klar, schließlich habe ich auf der Charal 1 schon im Winter trainiert. Sowas bleibt natürlich nicht verborgen. Aber es stimmt, ansonsten wollten wir alles diskret angehen, so lange noch nicht alles unter Dach und Fach ist. Ich war gemeinsam mit meinem Sponsor Teamwork zwar schon in intensiven Gesprächen mit Beyou Racing, aber noch war der Deal nicht perfekt.

Feste Größe im 11th Hour Team © 11th hour racing

SegelReporter: Dass Du auf der Suche nach einem gebrauchten, möglichst konkurrenzfähigen IMOCA gewesen bist, war ja durchaus bekannt. Aber wie bist Du ausgerechnet zur Charal 1 gekommen? Auf dieses Boot waren doch bestimmt einige „scharf“

Justine Mettraux: Zunächst war meine Suche noch nicht sehr intensiv. Und viele Boote, die ich ins Auge gefasst hatte, waren schon vergeben oder versprochen. Außerdem segle ich bekanntlich immer noch im Team von 11th Hour Racing und bin dort sehr eingespannt. Irgendwann kam ich dann mit Jeremie Beyou und seinem Beyou Racing Team zusammen und es stellte sich heraus, dass sie Charal 1 gerne in meine Hände geben würden. Was für mich natürlich ein enormer Glücksfall ist, denn Teamworks stimmte dem Kauf sofort zu und außerdem kann ich die Infrastruktur wie die Werfthalle, das Büro, das Team etc. für mich und mein Boot nutzen.

Zeitgewinn dank perfekt vorbereitetem Boot

SegelReporter: Vor allem das zuvor vom Team in unzähligen Trainingsfahrten gesammelte Datenmaterial dürfte unschätzbar wertvoll sein.

Justine Mettraux: Stimmt, so habe ich einen echten Zeitgewinn erzielt. Dennoch muss ich maximale Trainingszeit mit dem Boot auf dem Wasser verbringen.

Justine Mettraux © miku

SegelReporter: Was hat Dich denn am meisten beeindruckt, als Du erstmals mit der Ex-Charal gesegelt bist. Deren Technik ist ja immerhin wegweisend in der IMOCA-Szene gewesen.

Justine Mettraux: Eigentlich hat mich nur wenig richtig beeindruckt. Ich segle ja schon seit einiger Zeit IMOCA und das durchaus auf leistungsfähigen Booten wie der 11th One, der früheren Hugo Boss und dann auf 11th Two, ein IMOCA der Generation nach Charal 1.
Nein, für mich liegt der Vorteil der Teamwork nicht unbedingt in einer vergleichsweise herausragenden Technik, sondern in einem Boot, das hervorragend vorbereitet und getrimmt ist. Das Boot wurde über die letzten Jahre hinweg von der Beyou Racing Crew immer bestens präpariert und Jeremie Beyou ist bis zuletzt noch Rennen damit gefahren. Ein klasse IMOCA in einem tollen Zustand – für mich genau richtig. Und wenn ich zwischendurch mal weg sein werde, kann ich mich auf ein für das Boot eingespieltes Team verlassen mit einem Boat Captain, der sich um alles Nötige kümmert.

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Michael Kunst

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