Jugendmeisterschaften 420er: Leonard von Holtum und Josh Berktold im Post-Race-Interview

"Hoher Coolnessfaktor!"

Über den Spaß beim 420er-Segeln, warum der Klassiker unter den Jugendbooten cooler ist als so manche “moderne” Klasse; über ärgerliche Proteste, Zukunftsaussichten im Mixed-Team und kurzfristige Wünsche, die sich hoffentlich erfüllen werden.

Josh Berktold (in beratender Funktion an der Vorschot) und Leonard von Holtum (ausführend an der Pinne) © beeck

SR-Gespräch mit den beiden Kieler Woche-Siegern und Deutschen Vize-Meistern im 420er Josh Berktold (fast 16, am Trapezdraht) und Leonard von Holtum (gerade mal 17, an der Pinne) vom „Essener Turn- und Fechtclub“. Junge, engagierte Segler, die repräsentativ für viele andere Youngster stehen – und doch ein wenig anders sind?

SegelReporter: Sieg bei der Kieler Woche und Deutscher Jugend-Vizemeister, beides vor Kiel ersegelt – welche Leistung schätzt Ihr höher ein?

Josh: Ganz eindeutig unseren Sieg bei der Kieler Woche. Weil damals einige Teams dabei waren, die  jetzt bei der 420er-Weltmeisterschaft am Start sind, die ja im gleichen Zeitraum wie die  Deutsche Jugendmeisterschaft durchgeführt wurde.

SegelReporter: Wenn Ihr also die Kieler Woche in der Bewertung höher einschätzt, warum hat es dann bei der Deutschen Meisterschaft nicht für Rang 1 gereicht?

Leonard: Johann Emmer und Jannis Liebig haben wirklich sehr konstant gesegelt, leisteten sich kaum einen Ausrutscher. Das haben wir leider diesmal so nicht geschafft – wenn etwas mehr Wind gewesen wäre…

© beeck

SegelReporter: Ist Josh also zu schwer?

Leonard: Nein, das will ich natürlich nicht sagen. Aber bei Starkwind zählen wir eben zu den stärksten 420er-Teams in Deutschland. Johann Emmer und Jannis Liebig sind wirklich gut bei Leichtwindverhältnissen, wie diesmal bei der DJM. Wir können also wirklich mit dem zweiten Rang sehr zufrieden sein.

SegelReporter: Welche waren denn die Schlüsselmomente bei dieser Regatta?

Josh: Na, es gibt ja positive und negative Schlüsselmomente. Und positiv war für mich der dritte Wettfahrttag. Da sind wir wirklich konstant gefahren und die Windverhältnisse waren etwas frischer… es passte für uns!

Leonard: Und dann gibt natürlich auch die negative Seite: Wir hatten es mit sehr aufgeregten Protesten zu tun, am ersten und zweiten Tag. Besonders ärgerlich, dass die Proteste jeweils von den gleichen Teams kamen. Für uns war wichtig, dass wir trotzdem „den Kopf oben“ behalten haben und uns nicht „runterziehen“ ließen. Das hat gut geklappt – was also wieder positiv zu bewerten ist.

SegelReporter: Es folgt fast schon Ketzerisches – Ihr segelt in einer Bootsklasse, auf der ich selbst schon vor 50 Jahren gesegelt bin. Hat der 420er im Vergleich zu modernen Rissen wie dem 29er bei jungen Seglern wie euch überhaupt noch einen Coolnessfaktor?

Leonard: Also zunächst muss man dazu sagen, dass sich in der Klasse in den 50 Jahren ja nun wirklich einiges getan hat. Ich weiß nicht, wie das damals war – waren da die Boote noch aus Holz? – jedenfalls ist das Segeln auf dem 420er heute richtig spannend. Josh und ich haben uns das ja auch überlegt mit dem 29er, aber irgendwie ist der 420er einfach das bessere „Ausbildungsboot“. Was übrigens auch unser Trainer Gerd Eiermann so sieht. Zum Beispiel ist das Spinnakerfahren deutlich anspruchsvoller als der Gennaker. Außerdem wird auf den Skiffs taktisch völlig anders gesegelt: Es gibt kaum noch enge Manöver, die fahren nach dem Start alle so weit wie möglich raus, um dann einen Anlieger zur Luvboje zu schaffen. Beim 420er verliert man nicht so viel in der Wende, da ist alles viel taktischer. Es gibt viel mehr enge Zweikämpfe als etwa im 29er.

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Michael Kunst

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