Jules Verne Trophy: Portrait von Seeheld Loick Peyron. 41mal über den Atlantik

Wahre Größe

„Wenn nicht Loick, wer sonst?“ hat er in einem Interview mit der französischen Sportzeitung Equipe einmal orakelt, als die beiden Brüder ihr gemeinsames Projekt America’s Cup den Franzosen vorstellten.

Steuern im Stehen. Peyron ist in seinem Element. Er kann sich auch in den Mega-Tri hinenfühlen. © BCPE

Loick ist einer der ganz wenigen erfolgreichen Hochsee-Regattasegler, die mit Ein- und eben auch Mehrrumpfern bestens klarkommen. Egal ob beim Barcelona-World-Race gemeinsam mit Jean-Pierre Dick auf dessen Virbac Pabrec, einem Open 60 der IMOCA-Klasse, die beide bravourös in 2011 gewannen, ob solo beim klassischen Transat-Race OSTAR von Plymouth nach Newport (das er auf dem Trimaran “Fujicolor” dreimal als Sieger beendete) oder bei seiner Rekordfahrt rund um den Globus… immer zählt Loick zu den engsten Favoriten, zu den Skippern, denen alles zugetraut wird, außer Misserfolg.

Doch auch den gibt es: „Man braucht sich nur meine Ergebnislisten der letzten Jahre anzuschauen – da sind nicht nur erste Plätze dabei!“ hat er fast schon entschuldigend kürzlich einer CNN-Reporterin erklärt. Um gleich ungefragt sein größtes sportliches Desaster zu benennen: „So enttäuscht wie bei meiner ersten America’s Cup-Teilnahme unter Ernesto Bertarelli, als wir ausgerechnet auf dem Katamaran gegen Oracle verloren haben, war ich selten!“

Kein Wort davon, dass er erst sehr spät ins Team geholt wurde, dass er vieles wahrscheinlich ganz anderes gemacht hätte. Für so viel Teamgeist eines segelnden Superstars revanchierte sich Ernesto Bertarelli mit einem besonders  passenden Vergleich, auf den Loick Peyron stolz sein dürfte: „Loick ist wie ein Schweizer Messer – er kann alles, und das auf jedem Boot!“

In die Schule gesegelt

Peyron ist der Größte. Nach dem Rauswurf seines Vorgängers Pascal Bidegorry kam mit ihm der Erfolg an Bord. © BCPE

Talent hin oder her, wer es in Frankreich als Segler so weit bringen möchte, dass er allerorten als Held gefeiert und offiziell sogar in die Ehrenlegion als Offizier aufgenommen wird, muss sich seine Erfolge hart erarbeiten. „Wer erfolgreich Regatta segeln will, kann nur drei Dinge dafür tun: segeln, segeln, segeln!“  äußert er sich gerne in Interviews.

Peyron bringt in einer Anekdote an, dass sich schon in seinen Jugendjahren alles um die Segelei drehte: „Meine Mitschüler sind mit dem Bus in die Schule auf der anderen Seite der Bucht gefahren, ich bin mit dem Fahrrad runter in den Jollenhafen und dann mit dem Boot rübergesegelt“.

Schon als 12 jähriger erlebt er eine Art Initialzündung, als er gemeinsam mit seinem Onkel Jean-Yves Terlain (ein anderes Segel-Monument Frankreichs) den 39 m langen Einrumpfer “Vendredi 13” (Freitag, der 13.) für die Einhand-Transat 1972 zu Wasser ließ. „Ich war völlig fasziniert von der Vorstellung, so ein riesiges Schiff alleine über den Ozean zu steuern. In diesem Moment wusste ich, dass es für mich nur eines geben kann im Leben: Profisegler!“

41mal den Atlantik überquert

Wie besessen segelte er von da an auf allem, was Segel hatte. Auf Jollen, oft auf der Familienjacht (sein Vater war bei der Handelsmarine), noch öfter mit seinem älteren Bruder Bruno Katamaran-Regatten. Mit 18 segelte er erstmals über den Atlantik rüber nach Amerika – eine Strecke, die er bisher 41mal wiederholte, davon immerhin 15mal einhand!

Und drei Mal umrundete er unter Segeln nonstop die Erde – was ihm aber offensichtlich nicht ausreicht. „Ich bedaure wirklich,“ hat er kürzlich beschrieben, „dass ich noch nicht die Vendée Globe gewinnen konnte!“  Dabei konnte er ausgerechnet bei dieser Solo-Round-nonstop-Regatta seinen Heldenstatus (nicht nur) in der französischen Segelgemeinde festigen:

Bei der ersten Vendée (1989-90) wurde er „nur“ Zweiter, allerdings nachdem er den havarierten Phillippe Poupon auf Höhe des Kaps der Guten Hoffnung gerettet hatte. Genau das ist der Stoff, aus dem Legenden geschnitzt werden…

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier

6 Kommentare zu „Jules Verne Trophy: Portrait von Seeheld Loick Peyron. 41mal über den Atlantik“

  1. avatar T.K. sagt:

    Danke – sehr schöner Artikel!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 20 Daumen runter 0

  2. avatar Stumpf sagt:

    ditto

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

  3. avatar Laser1 sagt:

    Schöner Beitrag, aber im Text steht einmal 4Kinder und im Lebenslauf unten 1 Kind. Hier geht es schließlich um seine Leistung.

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  4. avatar Lipton sagt:

    Loick Peyron bei seinem seglerischen Tun zu verfolgen ist eine wirkliche Freude.
    Auf vorbildliche Weise scheint er absolute Professionalität und Zielstrebigkeit zu verkörpern,
    jedoch ohne dabei die so häufig anzutreffende Verbissenheit auszustrahlen.
    Selbst in ekeligen Konkurrenzsituationen kann man sich seinerseits an kein unfair wirkendes Verhalten oder an irgndwelche geringschätzigen Bemerkungen gegenüber Wettbewerbern oder Verantwortlichen erinnern.
    Diese, über Peyrons lange Profikarriere hinweg zu beobachtende Konstanz von sportlich vielseitigem Erfolg und Fairness weist (bei aller Professionalität im Umgang mit den Medien) auf einen wahren Sportsgeist hin.
    Chapeau Loick!

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