Kieler Woche: Para Worlds – Startschuss gefallen, Premiere für Hansa 303

Schwierige Bedingungen

Kieler Woche

Aaron Yong Quan startet in der Hansa 303 für Singapur. © Kieler Woche / segel-bilder.de

Die Segler der Bootsklassen 2.4 mR, Hansa 303 W und Hansa 303 M traten Mittwoch zu den ersten zwei Rennen an. Für die Klasse Hansa 303 bedeutete der Tag eine Premiere: Erstmals kommen die Boote bei einer Regatta im Behindertensegelsport zum Einsatz.

Die Windbedingungen waren am ersten Regattatag der Weltmeisterschaft nicht einfach. Organisationsleiter Dirk Ramhorst sprach von Winddrehern von bis zu 180 Grad auf den Regattabahnen. „Es war etwas chaotisch mit vielen Böen und starken Winddrehern“, bestätigte auch 2.4mR-Segler Heiko Kröger.

Dennoch zeigte sich der zweifache paralympische Medaillensieger Heiko Kröger zufrieden mit seiner Segelleistung am ersten Tag der Weltmeisterschaft. Nach den zwei Rennen lag der Segler vom Norddeutschen Regatta Verein hinter dem Tschechen Daniel Bina auf Platz zwei. Den dritten Platz belegt der Franzose Damien Seguin, der 2006 in Athen und 2016 in Rio de Janeiro paralympisches Gold ersegelte. Tagessieger Daniel Bina war selbst ein bisschen überrascht von seinem Sieg: „Die Windverhältnisse waren schwierig, da der Wind immer wieder ab- und zunahm. Es gehörte ein bisschen Glück dazu, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.“

Auch die Teilnehmer in den Rennen der Bootsklasse Hansa 303 kämpften mit den wechselnden Windbedingungen. „Für mich lief es heute nicht so gut. Das muss morgen besser werden, aber es waren keine einfachen Windbedingungen“, sagte die philippinische Seglerin Cherrie Pinpin ein wenig enttäuscht. Siegerin der Bootsklasse Hansa 303 W wurde die Französin Magali Moraines, gefolgt von Violeta del Reino Diez del Valle aus Spanien auf dem zweiten und Quian Yin Yap aus Singapore auf dem dritten Platz.

In der Klasse Hansa 303 M siegte der Australier Christopher Symonds, dem die Leichtwindbedingungen als leichtgewichtigerer Segler entgegenkamen. Den zweiten Platz an Tag eins der Weltmeisterschaft belegt der Pole Piotr Cichocki. Drittplatzierter ist Jens Kroker vom Norddeutschen Regatta Verein.

Kroker tritt erstmals in der Bootsklasse Hansa 303 M an. Ursprünglich hatte er für die Klasse Weta gemeldet, in der aus Mangel an Meldungen nicht gestartet wird. „Ich habe heute erst zum fünften Mal in einer Hansa 303 gesegelt. Ein bisschen Eingewöhnung braucht es noch, aber der dritte Platz nach den ersten zwei Rennen ist ein solider Start“, sagt Kroker.

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Andrew May aus Neuseeland tritt im 2.4 mR an. © Kieler Woche / K. Heidemann

Es wäre für viele Athleten überraschend gewesen, dass ausgerechnet die Bootsklasse Hansa 303 für die Meisterschaft ausgewählt wurde. „Aber eigentlich ist die Entscheidung sehr logisch und zielt darauf ab, möglichst viele Nationen für die Regatten zu gewinnen, damit Segeln wieder paralympisch wird“, so der deutsche Segler. Die Boote seien deutlich günstiger als die anderer Klassen und somit auch für aufstrebende Nationen finanzierbar. Außerdem seien die Boote einfach zu handhaben und dadurch für Neueinsteiger geeignet. Acht neue Nationen auf der Meldeliste registrierte Organisationsleiter Dirk Ramhorst bereits bei der Weltmeisterschaft.

Am Donnerstag werden die Karten bei den Para World Sailing Championships neu gemischt. Laut Vorhersage steht eine deutliche Wetterveränderung an. „Es wird uns vermutlich erstmals in dieser Kieler Woche ein Tiefdruckgebiet erreichen, das mehr Wind und Regen bringt. Trotzdem erwarten wir einen gut segelbaren Tag“, so Ramhorst.

Dabeisein für das große paralympische Ziel

Viele von ihnen sind um die halbe Welt gereist, etliche haben einen Großteil der Reisekosten selbst übernommen. Gemeinsam verfolgen sie ein großes Ziel: die Wiederaufnahme des Segelns in das Programm der Paralympics. Mit ihrem Erscheinen in Kiel unterstreichen sie die Wichtigkeit des paralympischen Segelns.

Nach dem paralympischen Aus für das Segeln nach den Paralympics in Rio de Janeiro 2016 hat der Weltseglerverband, World Sailing, einen „paralympischen“ Strategieplan erstellt, damit Segeln ab der Spiele in Tokio 2024 wieder paralympisch ist. Die Championships in Kiel sind Teil des Plans. Knapp 90 Athleten aus über 40 Nationen haben für die Para World Sailing Championships in Kiel gemeldet. 

„Wir wollen zeigen, dass wir eine aktive, große Gemeinschaft sind. Mit unserem Antreten in Kiel wollen wir sagen: Bringt uns 2024 zurück in die Paralympics. Wir sind mehr als bereit dafür“, sagt Seglerin Cherrie Pinpin von den Philippinen. Für sie bedeutet die Regatta in Kiel gleich mehrere Premieren. Es ist ihr erster Aufenthalt in Europa. Außerdem geht sie erstmals in der Bootsklasse Hansa 303 an den Start.

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Cherrie Pinpin von den Philippinen segelt Hansa 303. © Kieler Woche / K. Heidemann

„Wir haben diese Bootsklasse nicht auf den Philippinen. Ich kann es kaum erwarten, damit zu segeln. Es ist sehr aufregend“, erklärt die junge Frau, die sich in ihrer Heimat stark für die Rechte der Sportlerinnen mit Behinderungen einsetzt. Nach langem Warten auf ihr Einreisevisum und einer fast 20-stündigen Fluganreise ohne Begleitperson als Hilfe freut sich die einseitig beinamputierte Sportlerin über das sommerliche Wetter in Kiel. „Ich bin neidisch auf die guten Segelbedingungen hier. Ich hatte befürchtet, ich müsste einem extradicken Neoprenanzug tragen“, erklärt die Seglerin.

Ebenfalls erstmals in Europa segelt auch Andrew May aus Neuseeland. Er tritt in der Bootsklasse 2.4mR bei den Para World Sailing Championships an. Mit seiner Meldung für die Regatta will auch er Flagge für das Segeln als paralympische Disziplin zeigen. Aus Kostengründen ist er alleine angereist, obwohl Neuseeland Segelsportler mit Behinderungen auch nach dem paralympischen Aus im Gegensatz zu vielen anderen Nationen noch relativ gut unterstützt. May freut sich auf die Wettfahrten und das Treffen mit Athleten aus seiner Sportart: „Das Segelrevier sieht vielversprechend aus. Das wird eine gute Regatta.“

Heute starten die 2.4mR und Hansa 303 um 12 Uhr. Es sind zwei Wettfahrten angesetzt.

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https://northsails.com/sailing/de/

2 Kommentare zu „Kieler Woche: Para Worlds – Startschuss gefallen, Premiere für Hansa 303“

  1. avatar Ballbreaker sagt:

    Hanse 303 ….. endlich mal was anderes als das ewige Foiling.

    Design-Best-Award 2017 incoming

    😉

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  2. avatar Ballbreaker sagt:

    Hansa nicht Hanse natürlich

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