Kite-Foiler: EM in Polen der erste Härtetest in 2020 – Leonie Meyer auf Platz vier

„Was für eine Woche!“

Die Kite-Surfer sind auf Kurs Olympia 2024 eingeschwenkt. Das Formula Kite-Material wurde inzwischen verbindlich als Equipment für die Spiele in vier Jahren definiert, und bei der Europameisterschaft in Puck/Polen konnte sich die kontinentale Elite mit diesem Material beweisen. Insgesamt fünf Deutsche nahmen an den Meisterschaften teil, die von den Franzosen bei den Männern und den Polinnen bei den Frauen dominiert wurden. Für das beste deutsche Ergebnis sorgte Leonie Meyer, die als Vierte das Podium nur um einen Platz verpasste, eine Schnittwunde am Fuß im Regattaverlauf sogar selbst nähte.

Leonie Meyer sorgte für das deutsche Topergebnis, erreichte das Finale und wurde schließlich Vierte. Foto: Eureka/Dominik Kalamus

Ausgetragen wurde die EM auf dem Ostseerevier in der Danziger Bucht zunächst in Fleet-Races, nach denen sich die beiden Topplatzierten direkt für das Vierer-Finale qualifiziert hatten. In den Finals ging es darum, drei Siegpunkte zu sammeln. Wobei Platz eins und zwei der Fleetraces bereits mit zwei bzw. einem Siegpunkt in die Abschlussrunde einzogen. Die Ränge 3 bis 14 qualifizierten sich für die beiden Halbfinals, aus denen jeweils der Sieger ins Finale einzog.

Zunächst entschieden die Fleetraces über den Einzug in die Halbfinals und das Finale. Foto: Eureka/Dominik Kalamus

Der Dominator bei den Männern war der Franzose Axel Mazella, der in den 15 Fleetraces mit zwölf Siegen überzeugte und souverän als Führender vor seinem Landsmann Maxime Nocher ins Finale einzog. Mit Florian Gruber auf Platz sieben und dem elftplatzierten Jannis Maus schafften es zwei Deutsche in die Halbfinals.

Als 19. musste Jan Hauke Erichsen dagegen die Kites wieder einpacken. Er verpasste den Einzug ins Halbfinale, nachdem ein Konkurrent seinen Kite im drittletzten Fleet-Race vom Himmel geholt hatte. Erichsen stürzte, eine Beinverletzung brach wieder auf. So standen am Ende der Serie ein 30. Platz und zwei Aufgaben und damit das Aus. „Durch meine soliden Ergebnisse zuvor, hätte ich nur eines dieser Rennen unter den ersten 15 beenden müssen, um das Finale der Top14 zu erreichen. Ein wirklich enttäuschendes Ende der Finalserie für mich“, so Erichsen.

Jan-Hauke Erichsen wurde zum Schluss der Finalrunde von einem Konkurrenten ausgebremst und verpasste das Halbfinale. Foto: Eureka/Dominik Kalamus

Zufriedener war da Jannis Maus: „Ich habe meinen Trainingsrückstand gespürt, hatte nicht den besten Einstieg in den Wettkampf, konnte dann aber auf dem Weg ins Halbfinale viel lernen und mich verbessern.“ Jannis Maus will im kommenden Jahr seine Masterarbeit über Erneuerbare Energien schreiben und sich dann voll auf die Spiele 2024 konzentrieren.

Florian Gruber und Jannis Maus schafften es bis ins Halbfinale. Foto: Eureka/Dominik Kalamus

Im Halbfinale war für Maus dann aber ebenso Schluss wie für Deutschlands derzeit besten Kite-Surfer Florian Gruber. Im Gesamtranking reihten sich Gruber schließlich als Siebter und Maus als Elfter ein. Das Finale der Männer war dann schnell beendet: Mazella gewann gleich das erste von maximal möglichen sechs Rennen, hatte damit seinen dritten Siegpunkt und gewann die EM vor Landsmann Maxime Nocher und dem Briten Connor Bainbridge.

Bei den Frauen schafften es sowohl Leonie Meyer (4.) als auch Alina Konelli (13.) in die Halbfinals. Die Top-Positionen nach den Fleet-Races hatten hier die beiden U17-Polinnen Julia Damasiewicz und Magdalena Woyciechowska eingenommen.

Mit Platz vier im Halbfinale verbesserte sich Alina Konelli noch auf Gesamtrang zehn. Foto: Eureka/Dominik Kalamus

Im Halbfinale lieferte Leonie Meyer eine souveräne Leistung ab und qualifizierte sich für die Abschlussrunde. Alina Kornelli kam hier auf den vierten Platz und konnte sich damit im Gesamtranking noch auf Platz zehn verbessern.

Vier Rennen wurden im Finale schließlich gesegelt, dann hatte Julia Damasiewicz ihren dritten Punkt ergattert, siegte vor Magdalena Woyciechowska, der Britin Ellie Aldridge und Leonie Meyer.

Im Halbfinale trafen die beiden deutschen Frauen direkt aufeinander. Foto: Eureka/Dominik Kalamus

„Ich bin super stolz über meinen vierten Platz bei dieser EM. Nach zehn Monaten ohne Regatten und Trainingsrennen habe ich es mit dem Halbfinal-Sieg bis ins Finale geschafft. Im Finale bin ich sehr gute Starts gefahren und habe die Flotte auch jeweils bis zur ersten Bahnmarke angeführt. Leider habe ich die Führung dann nicht nach Hause fahren können“, berichtete Leonie Meyer und zollte der Konkurrenz Respekt: „Mädels ihr habt einen großartigen Job gemacht und habt die Medaillen verdient. Ihr habt mir gezeigt, dass es noch eine Menge zu tun gibt.“

Selbst von einer Schnittverletzung ließ sich Leonie Meyer nicht aufhalten. Sie nähte die Wunde kurzerhand selbst in ihrem Van. Foto: Meyer

Die deutsche Top-Kiterin zeigte während der EM aber nicht nur Top-Leistungen, sondern bewies besondere Härte und Willen. Am ersten Tag zog sie sich eine Schnittwunde am Fuß zu, als sie mit einer Konkurrentin kollidierte. Eigenhändig nähte die Medizinstudentin die Wunde in ihrem Van und stieg danach wieder auf das Board. Immerhin zwei Siege, ein zweiter und ein dritter Platz gelangen ihr im Anschluss in den insgesamt 13 Fleet-Races. „Was für eine Woche!“, konnte Leonie Meyer danach glücklich feststellen.

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Ralf Abratis

... ist unser Mann aus der "Segelhauptstadt" Kiel. Mehr zu ihm findest Du hier.

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