Laser-Europameisterschaft: Svenja Weger löst mit Platz acht das Tokio-Ticket

Über alle Hürden

In einer Europameisterschaft unter höchster Anspannung hat Laser-Seglerin Svenja Weger Platz acht belegt und damit sämtliche Kriterien für das Olympia-Ticket auf Ebene von World Sailing des DOSB und des DSV erfüllt.

Mit höchster Konzentration und starken Einzelergebnissen gelang Svenja Weger EM-Platz acht. Foto: Thom Touw

„Ich bin vor vier Jahren im ersten Olympia-Anlauf eindeutig gescheitert. Dass es jetzt geklappt hat, ist die Erfüllung von acht Jahren harter Arbeit. Ich bin sehr glücklich, muss das aber erst noch verdauen“, sagte Svenja Weger. Nach der WM in Melbourne im Februar und der Kieler Woche vor einem Monat war die Europameisterschaft in Gdansk/Polen zum dritten und entscheidenden Event innerhalb der nationalen Olympia-Ausscheidung erkoren worden. Und die Anspannung für Svenja Weger hätte nicht größer sein können.

Nach Platz 13 zur WM, als sie als einzige Deutsche Punkte für die interne Olympia-Ausscheidung einfuhr, büßte Svenja Weger ausgerechnet auf ihrem Heimatrevier ihre gute Position fast komplett ein. Als 15. der Kieler Woche verlor sie ein Großteil ihres Vorsprungs, da Hannah Anderssohn, nach langer Verletzungsgeschichte scheinbar wieder genesen, ihr als Neunte den Rang ablief.

Die leichten Winde vor Danzig spielten der Deutschen in die Karten. Foto: Thom Touw

Mit einem dünnen Vorsprung von nur zwei Punkten ging es für die Athletin des German Sailing Team, aus dem sich Hannah Anderssohn zurückgezogen hatte, nach Polen. Und der Start in die Europameisterschaft lief alles andere als glatt. Mit den Rängen 13 und 19 in der Qualifikationsrunde gelang nur ein mäßiger Start in die Meisterschaft. Von den Deutschen kam nur Pia Kuhlmann gut aus den Startlöchern. Für sie war Olympia aber nach der WM und der Kieler Woche zu weit weg.

Aber die leichten Winden in der Danziger Bucht während der Folgetage spielten Svenja Weger in die Hände, die 2014 auf dem Plattensee in Ungarn bei extremem Leichtwind überraschend Europameisterin geworden war. Mit den Platzierungen 3, 11, 8, 1 zog sie souverän in das Goldfleet ein.

Für Hannah Anderssohn war der Kampf um das Tokio-Ticket da schon beendet. Die Warnemünderin, die vor einem Jahr ihre Karriere wegen ständiger Knie- und Rückenprobleme eigentlich für beendet erklärt hatte, verpasste die Goldflotte. Es war das Ende eines starken Comebacks. Nach einem alternativen Trainingsprogramm war Anderssohn überraschend zur WM im Februar in den Regattacircuit zurückgekehrt, konnte dort schmerzfrei segeln. Zur Kieler Woche segelte sie plötzlich in der erweiterten Weltspitze. Aber zur EM fand sie nicht in den Rhythmus. Als zweitebeste Deutsche landete schließlich Julia Büsselberg auf Rang 28 direkt vor Pia Kuhlmann.

Julia Büsselberg kam als zweitbeste Deutsche auf Rang 28. Foto: Thom Touw

Somit war in der nationalen Ausscheidung der Weg frei für Svenja Weger. Aber es galt weitere Hürden zu meistern. Denn zur Erfüllung der DOSB-Kriterien musste sie mindestens Platz zwölf erreichen und in der Nationenwertung aus der Addition der drei Ausscheidungen einen Rang in den Top-Ten belegen. Beides gelang: Die Ergebnisse in den sechs Rennen der Goldflotte schwankten zwar zwischen Rang drei und Rang 25. Da aber alle Seglerinnen Federn lassen mussten, rückte Weger zwischenzeitlich sogar bis auf Platz fünf vor. Am Schlusstag rutschte sie zwar noch auf den achten Platz ab, schaffte damit aber die Vorgaben. „Meine Starts waren gut. Wenn man hier und da noch etwas mehr Risiko in Kauf nimmt, ginge es sicher noch weiter nach vorne. Dafür stand bei dieser EM allerdings für mich zu viel auf dem Spiel. Daher habe ich in dieser Situation in der Regel eher konservativ agiert.“

Nachdem die Wahl-Kielerin zur WM 2018 bereits das Nationenticket für den DSV gesichert hatte, erfüllte sie nun auch die persönlichen Kriterien, um vom DOSB im kommenden Jahr für Olympia nominiert zu werden. Den EM-Titel gewann in einem engen Zweikampf die Niederländerin Marit Bouwmeester vor der Dänin Anne-Marie Rindom.

Das German Sailing Team löst mit dem Ticket für Svenja Weger die fünfte Fahrkarte in den zehn Disziplinen für Tokio. Foto: Robert Hajduk

Neben Wegers starkem achten Platz lief die EM in Polen nicht nach Wunsch für den DSV. Weltmeister Philipp Buhl, der Starkwind bevorzugt, kam lange gar nicht in Fahrt, kassierte zudem zwei Frühstart-Disqualifikation. Am Abschlusstag demonstrierte er mit einem Tagessieg und einem siebten Platz noch einmal seine Stärke, hatte mit der EM-Entscheidung aber nichts mehr zu tun. Immerhin kletterte Buhl noch auf Rang sieben. An der Spitze regierte ein britisches Trio. Elliot Hanson holte sich den Titel vor Michael Beckett und Lorenzo Chiavarini.

Ergebnisse

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Ralf Abratis

... ist unser Mann aus der "Segelhauptstadt" Kiel. Mehr zu ihm findest Du hier.

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