Laser SB 20 WM: Top Drei punktgleich, erster schwarzer Südafrikaner Segel-Weltmeister

Black Power

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Ziemlich bunt gemischtes Siegerteam. Asenathi Jim untypisch an der Vorschot © RaceAhead

Eigentlich sind drei punktgleiche Boote im Finale einer Weltmeisterschaft schon ein kleines Wunder. Doch mit Asenathi Jim im Team des Sieger-Skippers Geoff Carveth wurde erstmals ein schwarzer Afrikaner Segel-Weltmeister in einer renommierten Klasse wie der Laser SB 20. Denkwürdig, nicht nur für den Segelsport…

Es ist bekanntlich der kleine Unterschied, der immer alles ausmacht. Eine Regel, die jeder Regattasegler kennt, egal ob er auf dem Baggersee um die Clubmeisterschaft segelt oder bei der WM in einer der derzeit heißesten Klassen um den Titel kämpft. Oder um es mit den Worten von Geoff Carveth, seit wenigen Tagen zum dritten Mal Weltmeister im Laser SB 20 auszudrücken: „Manchmal braucht man eben ein Wunder, um sein Ziel zu erreichen!“

Nach 5 Tagen und 10 Wettfahrten auf den türkisfarbenen Wassern vor der australischen Bilderbuch-Ferieninsel „Hamilton Island“  lagen zwei Teams punktgleich in Führung, doch der sechste und letzte Tag dieser WM sollte dem noch eins „draufsetzen“: Nach gesamt 12 Läufen lagen nun drei Boote mit jeweils 41 Punkten vorn, worauf die besten Einzelresultate entschieden.

Und die konnte erneut der Brite Geoff Carveth nach einer brillanten Startkreuz im letzten Lauf vorweisen. „Über 11 Wettfahrten hinweg war die linke Seite bevorzugt,“ erinnert sich Carveth. „Doch dann entdeckten wir in der Vorstartphase, dass der Wind leicht drehte. Wir berieten uns und setzten alles auf eine Karte, starteten als einzige aus dem Favoritenkreis zur rechten Seite. Was sich – o Wunder – voll auszahlte!“

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Mit der letzten Startkreuz erfolgreich © RaceAhead

Das britische Team setzte sich damit knapp vor die Australier mit dem mehrfachen Laser-Weltmeister Glenn Bourke an der Pinne und vor die ebenso hervorragenden Russen mit dem ehemaligen 49er-WM Luka Rodion am Ruder.

Viel mehr als „Cool Runnings“

Wie ein Wunder mag dieser knappe Titelgewinn auch Asenathi Jim vorgekommen sein, allerdings nicht nur wegen dem rechtzeitig bemerkten Winddreher. Denn der Vorschoter in Carveths Team kann nun für sich in Anspruch nehmen, als erster schwarzer afrikanische Segler in einer  international derart renommierten Klasse wie dem Laser SB 20 zu triumphieren.

Nachdem sie die Ziellinie im letzten Lauf als Zweite passierten und „bestimmt zehn Mal die Platzierungen der Konkurrenz durchrechneten“, war er es dann auch Asenathi, der als Erster vor Freude ins Wasser hüpfte…

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Asenathi Jim beim Siegersprung © RaceAhead

Seine Geschichte ist Hollywood-reif: Weit entfernt vom Meer in den östlichen Townships von Südafrika aufgewachsen, lebte er mit seiner Mutter in der sprichwörtlichen bitteren Armut, umgeben von Drogen und Gewalt. Als Teeanger besuchte er irgendwann für eine Woche seine Cousins in Kapstadt, die zu diesem Zeitpunkt an einem Sozialprogramm teilnahmen und segeln lernten. Asenathi wurde eingeladen mitzumachen…und war sofort restlos begeistert! „Ich ahnte damals, dass sich mir hier eine einmalige Chance bot, etwas anderes aus meinem Leben zu machen!“ erinnert er sich heute.

Zudem hatte er eine Menge „Schwein“: Der Dreifach Olympiateilnehmer und Shosholoza America’s Cju Skipper Ian Ainslie gründete damals das „Communitiy Project“ namens Izivungu, das Segeltalente unter schwarzen und weißen südafrikanischen Jugendlichen sichten und fördern sollte.

Asenathis zog nach Kapstadt („Was hatte ich zuhause schon zu verlieren?“) und trainierte bei Izivungu. Als 16jähriger wurde er südafrikanischer Meister auf dem 420er und zog so die Aufmerksamkeit von David Hudson auf sich, der mit seinem Sohn Roger ein weiteres Projekt initiierte: „RaceAhead“ sollte über nationale Segelevents hinaus gehen und talentierten Südafrikanern die Welt der Großen, internationalen Regatten öffnen.

2010 wurde Asenathi 9. bei der 420er WM und zeigte erstmals der internationalen Szene, dass mit ihm zu rechnen ist.

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Meistens war es anders herum und sie jagten das Feld © RaceAhead

Olympia, wir kommen!

In 2011 versprachen sich Asenathi und Roger als erstes südafrikanisches Team im 470er bei der Olympiade 2012 in London teilzunehmen – nicht mehr und nicht weniger!

Die beiden hatten nur noch lächerliche 18 Monate Zeit, um die ISAF-Quali-Kriterien zu erfüllen, machten sich aber mit einem Elan an die Arbeit, der alle zeitlichen Engpässe wett machte. RaceAhead ermöglichte es ihnen finanziell, in über 20 Regatten auf der ganzen Welt ihren Ranking-Platz von 217 auf derzeit 27 zu verbessern. Im Mai 2012 qualifizierten sich Asenathi und Roger bei der 470er-WM in Spanien schließlich für die Olympischen Spiele in London als eins von 27 Booten. Steuermann Asenanthi war damals gerade erst 20 geworden und somit nicht nur der einzige Schwarze unter den olympischen 470er-Seglern, sondern auch der jüngste.

„Dass wir lediglich Vorletzte wurden, war eigentlich kein Problem für Roger und mich,“ erzählte Asenathi nach den Spielen. „Nur zuhause im Township war ich später ein wenig in Erklärungsnöten: Dort verfolgten alle am TV-Gerät meine Fortschritte und irgendwann fragten sie sich, ob ich als Schwimmer nicht vielleicht besser abgeschnitten hätte, so oft wie wir kenterten!“

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Nach London steht Rio fest auf dem Programm © Race Ahead

Noch mehr Wunder, bitte

Doch mit dem Weltmeistertitel bei den Laser SB 20 ist Asenathi nun im Reigen der Großen angekommen, wenn er auch nicht am Steuer saß. „Egal, ich weiß nun, wie es sich anfühlt und habe „Blut geleckt“,“ sagte er nach dem Sieg. Und mit RaceAhead, die Derzeit immerhin über 30 junge schwarze Südafrikaner in den unterschiedlichsten Klassen fördern, hat Asenathi Jim die richtige Struktur hinter sich.

Türen und Tore für weitere kleine Wunder sind also weit geöffnet…

Ergebnisse Laser SB20 Weltmeisterschaft 2012

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Laser SB 20 WM: Top Drei punktgleich, erster schwarzer Südafrikaner Segel-Weltmeister“

  1. avatar k sagt:

    Schön!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

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