Les Sables – Acores: Deutscher Youngster Lennart Burke startet mit “Vorpommern” furios

Neuer Stern?

Lennart Burke (22) zeigt beim seinem ersten großen Auftritt in der Mini-6.50-Klasse, dass er ganz vorne mitsegeln kann. “Vorpommern” liegt im Feld der 55 Serienboote auf Platz drei.

Guter Start in Lee für das rote Boot. © Blanchard

Geht da vielleicht ein neuer Stern am deutschen Hochsee-Himmel auf? Nach der ersten Nacht bei der Les Sables-Acores-Regatta, dem ersten größeren Saison-Event der Mini-Klasse in Frankreich, liegt der deutsche Newcomer Lennart Burke auf Platz drei.

Lennart Burke auf seiner “Vorpommern” kurz nach dem Start. © Blanchard

Leichtwind-Kreuz in der Nachstartphase. © Blanchard

Burke (grün) bei leichtem Südwind unter Gennaker auf dem Weg nach Norden

Bei leichtem Wind war er an der ersten Wendemarke überraschend als Dritter im Gesamtfeld der 72 gestarteten Minis (17 Prototypen, 55 Serienboote) angekommen. Auch nach 24 Stunden und einer schwierigen Kreuz zur südlichsten Wendemarke mit folgendem langen Vorwindkurs zur Bel Ile behauptet er bisher den Podium-Platz.

Der Kurs der ersten Etappe um die Belle Ile zurück nach Les Sables.

Ursprünglich war für die 197 Meilen Etappe eine Ankunftszeit am Mittwoch berechnet worden, aber nun deuten die Wettervorhersagen und das bisherige langsame Fortkommen der Flotte auf Zielankünfte am Donnerstagabend hin. Der Wind zwischen soll lange Zeit 2 bis 8 Knoten nicht überschreiten. Die Strömung wird eine große Rolle spielen.

Auch der zweite Newcomer Melwin Fink liegt mit Rang 16 nach einem Tag gut im Rennen. Der 18-Jährige (SR-Interview) hat nur einen Rückstand zum Spitzenboot der Klasse von knapp 5 Meilen. Lina Rixgen, ist noch nicht so gut in Schwung gekommen. Sie liegt gut 20 Meilen hinter dem besten Serien-Mini zurück.

Tracker

Wer ist Lennart Burke? SR hat den Youngster schon vorgestellt:

Burke zählt zur neuen deutschen Garde, die sich gerade in der Mini-Klasse tummelt und 2021 das große Ziel Mini-Transat ausgegeben hat. Dabei hat der Youngster aus Stralsund schon jede Menge Seemeilen gesammelt.

2018 – 2019 erfüllte er sich einen Kindheitstraum und segelte mit einem Freund  auf einer IW31 „einfach mal um den Atlantik“ – wie er auch das Projekt nannte. 2019 schaffte er es, bei seiner ersten Offshore Regatta (SummerHeat Double) gleich auf Rang 1. Beim Silverrudder wurde er Dritter.

21 Jahre jung: Lennart Burke © burke

Seine seglerischen Sporen verdiente sich Burke auf der Melges 24, wo er als Teammanager und Steuermann des „Laika Segelkombinats“ seit 2014 international segelte. 2017 startete die Crew bei der WM in Helsinki, 2018 war sie bei der Europameisterschaft in Italien dabei.

Erster Versuch fiel ins Wasser

Anfang 2019 wurde dann Burkes erster Mini-Coup bekannt gegeben. Bei einem Bewerbungsverfahren, das vom Trans Ocean Verein ausgeschrieben und durchgeführt wurde, setzte er sich gegen alle Konkurrenten für den Platz auf einem nagelneuen Vector Plattbug Mini durch, den der Trans Ocean Verein für die Mini-Transat 2021 zur Verfügung stellte.

Das mit reichlich Presserummel inszeniert Image-Projekt (u.a. Schirmherrschaft Boris Herrmann) scheiterte jedoch, da dem TO nach aufwändigen Reparatur- und Instandsetzungsausgaben am Vector das Geld ausging.

Eigentlich sollte es ja ein Plattbug sein, mit dem Lennart ursprünglich bei der Mini-Transat teilnehmen wollte © fahl

Eigentlich dachte man damals bedauernd in der Mini-Szene, dass dies wohl das Ende der Mini-Fahnenstange für den jungen Lennart Burke sein dürfte. Denn erfahrungsgemäß verhalten sich deutsche Sponsoren eher schüchtern, wenn es um die Unterstützung von Hochseeregatta-Projekten geht. Zumal sie nicht einmal in deutschen Landen veranstaltet werden.

Sponsor aus der Region

Doch Lennart Burke zeigte Chuzpe und Kampfgeist. „Aufgeben kam nicht in Frage,“ erinnert er sich im Gespräch mit SR. „Ich hab’ mir lange überlegt, ob es überhaupt Sinn machen kann, wenn ich mich als junger Segler an große nationale oder internationale Konzerne wende. Schließlich bin ich die Sache anders herum angegangen und habe mich an potentielle Sponsoren aus meiner Region gewendet.“

Das Resultat dieser letztendlich ja gar nicht so abwegigen Herangehensweise ist knallrot, 6,50 m kurz, trägt den Seriennamen „Pogo 3“ und hat die letzte Mini-Transat bravourös gewonnen.

© burke

Was auch den größten Optimisten unter den deutschen Ministen als ziemlich abwegig erschien, schaffte Lennart Burke mit einem enthusiastisch geführten Gespräch. Nun prangt in großen Lettern prangt auf dem roten Rumpf der Name des Hauptsponsors „Sparkasse Vorpommern“.

 

Lennart Burke sagt zu dem Deal: „Mir war die Sparkasse als potentieller Sponsor eingefallen, weil sie unserem Melges24-Team 2018 bei der Finanzierung eines neuen Bootes geholfen hatte. Als ich dann um ein Gespräch bat, kam es zu einem wirklich coolen Austausch mit dem Vorsitzenden. Eine Stunde hatte ich Zeit, und schon nach wenigen Sätzen war man im Vorstand Feuer und Flamme für mein Projekt Mini-Transat 2021.“

In relativ kurzer Zeit entschied sich die Sparkasse Vorpommern für ein Sponsorship (Offizielle jährliche Ausgaben für Sportsponsorships per anno: 1 Million Euro für ca. 600 Projekte), so dass Lennart Burke bereits beim Etappenstopp der Mini-Transat 2019 auf Gran Canaria einen Deal mit Ambrogio Beccaria machen konnte. Der hatte sein Boot schon mal vor dem späteren Sieg bei der Mini-Transat-Serienwertung zum Verkauf angeboten.

„Die Sparkasse Vorpommern bezahlte das Boot und die Versicherung,“ berichtet Lennart Burke höchst erfreut. „Aber neue Segel und Ersatzteile etc. müssen noch anderweitig gekauft werden. Mein Projekt ist also noch nicht zu 100 Prozent finanziell abgesichert. Was meinem Optimismus aber keinen Abbruch tut!“

Sportlicher Weitblick

Doch nicht nur in Sachen Finanzen ist Lennart Burke gut aufgestellt. Auch sportlich zeigt der 21-Jährige Weitblick. So wurde er ins legendäre Trainingsteam rund um Tanguy Leglatin in der „Base“ in Lorient/Bretagne aufgenommen. Dort trainierten nahezu alle späteren Mini-Transat-Sieger.

Coole Kampagne © burke

Als Co-Skipper – fürs Training und für Zweihand-Regatten – nahm er Oliver Tessloff im doppelten Wortsinne ins Boot. Der Mini-Transat-Finisher schaffte 2017 mit Rang 13 das seit Jahrzehnten beste deutsche Ergebnis in der heiß umkämpften Serienwertung.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Les Sables – Acores: Deutscher Youngster Lennart Burke startet mit “Vorpommern” furios“

  1. avatar Carl Rasmus Richardsen sagt:

    Richtik stark!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

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