Mikrosegeln: Quenet beendet (bald) Monster-Etappe – Autopilot mit Schweizer Messer gebastelt

Nonstop, einhand: 7.000 Seemeilen auf 4 m

Kein Platz für ausreichend Proviant, mit rudimentärem Behelfs-Autopiloten ausgestattet, ein Schweizer Messer als einziges Werkzeug, Regenwasser mit Plane aufgefangen und das alles auf einem 4 m-Boot. Abenteuer pur. 

Mikrosegler par Excellence: Yann Quenet. Im Hintergrund die selbst gebastelte Windfahne © quenet

Das wurde aber auch Zeit! Der französische Mikrosegler Yann Quenet, von seinen zahlreichen Fans gerne auch „der Mann mit dem Vogel (im Segel)“ genannt, hat endlich wieder ein Lebenszeichen gegeben. 

Was daran so Besonderes ist? Nun, Herr Quenet segelt auf einem 4-Meter-Boot gerade um die Welt. Und hat – im Gegensatz zu ähnlichen Projekten dieser Art, die häufig schon auf den ersten Etappen ein Ende finden – bereits einen Großteil seines Mammut-Törns geschafft. 

Budget: minimal – Enthusiasmus: optimal

Derzeit beendet Quenet seine längste Etappe: 7.000 Seemeilen (in Worten sieben Tausend!) von Neukaledonien zur Insel La Reunion. Vor dem Start berechnete Zeit für diesen Törn: 80 Tage. Tatsächlich benötigte Zeit für diese Tour de Force: knapp unter 80 Tage (wenn auch auf den letzten Meilen alles gutgeht). Budget der gesamten Weltreise: Kosten für den (selbst entworfenen und selbst gebauten) Scow = 4.000 Euro. Unterhaltskosten während des Törns: Extrem wenig, denn Yann Quenet ernährt sich hauptsächlich von geangelten Fischen und Regenwasser. Vor größeren Etappen bunkert er Dosen (die billigsten, die er finden kann), und frisches Obst (für die ersten Tage auf See). Zurück zu den Wurzeln, nennt das Quenet. Das einfache Leben auf See – großes Kino auf kleinsten Booten.

Das Bresse-Huhn im Groß © quenet

Warum der Pazifik Yann Quenet gehört und wie sich der Mikrosegler auf seinen 7.000 Seemeilen-Törn vorbereitete, haben wir Euch bereits berichtet. Heute kann fast Vollzug zu melden. Denn nun hat sich – wenige Tage vor Beendigung seines Schlages quer durch den Indischen Ozean – nach wochenlanger buchstäblicher Funkstille, Yann Quenet modern und wenig stilgerecht über die Sozialen Medien zumindest wieder in der virtuellen Welt zurück gemeldet.

Autopilot gibt gleich den Geist auf

Was für ein Törn! Seit seiner Passage durch die Torres-Straße, zwischen dem Norden Australiens und Papua-Neuguinea – eine Meerenge, vor der Quenet reichlich Respekt hatte, weil dort starke Strömungen vorherrschen – hatte man nichts mehr von dem 50-Jährigen gehört oder gelesen. 

Zeichner Quenet malt sich seine Karten selbst © quenet

Seit diesem letzten „Call“ hatte Quenet mehrere Stürme mit sehr hohen Seegängen und teilweise Kreuzseen zu überstehen. Dabei wurden Mann und Boot x-Mal umgeworfen, doch seine kleine, „selbst gebastelte Baluchon“ ist so konstruiert, dass sie sich auch in extremen Situationen selbst aufrichtet. Was wiederum für den im Inneren auf geringster „Wohnfläche“ kauernden Franzosen überaus beruhigend gewesen sein dürfte. 

Doch das größte Problem dieser Monster-Etappe (nochmal: 7.000 Seemeilen auf 4 m Bootslänge!) dürfte die Ernährung gewesen sein. Quenet konnte nur für ca. 60 Tage Lebensmittel bunkern und musste sich entsprechend möglichst häufig Frischfisch angeln. Auch das Süßwasser sollte sich als problematisch erweisen: Quenet musste wegen der erwähnten Strömungen in der Torres-Straight sein Boot im wahrste Sinne des Wortes erleichtern. Mit einem archaischen System aus angeschrägter Plane, die den Regen auffängt und in eine kleine Wassertonne leitet, scheint er sich gut beholfen zu haben. Klar, wer mit nichts als einem Schweizer Messer als Werkzeug unterwegs ist, muss zwangsläufig auf solche uralten Hilfsmittel zurück greifen. 

Archaisches auf 4-Meter-Boot

Apropos, in einer seiner letzten Nachrichten vor Wochen schrieb er, dass schon wenige Tage nach dem Start auf Noumea die Batterie an Bord ausgefallen sei. Die wiederum seinen Autopiloten mit Energie versorgte. Also bastelte sich der Schweizer-Messer-Franzose aus einem Vorratseimer-Deckel und einem alten Brett, das ihm irgendwann vor den Bug trieb, eine behelfsmäßige Windfahne für ein etwas rudimentäres, aber ganz offensichtlich funktionierendes Autopilot-System. 

So eng war es an Bord. In der Mitte der Schlafplatz © quenet

All’ das sind Informationen, die Yann Quenet „absetzen“ konnte, nachdem er auf Höhe der Rodriguez-Insel, 450 Seemeilen vor seinem Zielort La Reunion, genug „Empfang“ für einen mehrzeiligen Facebook-Post hatte. 

Auch sein, für einige Tage unterbrochenes und entsprechend besorgniserregendes Tracking, kann wieder verfolgt werden. Wir dürfen gespannt sein, in welchem Robinson-Look sich Yann Quenet nach knapp 80 Tagen auf See in einem 4 Meter-Boot präsentieren wird. Kleines Boot mit ganz großem Skipper!

Facebook 

So sieht sich der Profi-Zeichner Quenet selbst bei seiner Tour de Force © quenet

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier

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