Mini 6.50: Weltenbummler-Familie hilft Papa Jay bei seiner Mini-Premiere

Der Kokosnuss-Foiler

Jay Thompson und seine „Kokosnuss-Familie” gelten als Sympathen der Mini- und Hochsee-Szene. Nach zehn Jahren Langfahrt-Segeln, leben die Thompsons seit vier Jahren in der Bretagne weiterhin auf ihrem Boot. Und unterstützen Daddy beim Erfüllen seiner Träume.

Rein menschlich und emphatisch betrachtet ist das Leben des Jay Thompson eine Erfolgsstory. Und diese Geschichte hat wenig mit Geld, Macht, also einem Reüssieren im ökonomischen Sinne zu tun. Im Gegenteil, Erfolg interpretiert der Kalifornier mit echter Freiheit, möglichst losgelöst von den Zwängen unserer Gesellschaft, umgeben von seiner Familie, die mit ihm (oder er mit ihr) durch dick und dünn geht. 

Es ist immer eine Frage des Blickwinkels, wenn man in ein paar Zeilen einen Menschen und die ihm Nahestehenden beschreiben will. Da wäre zum Einen die durchaus heile Welt (und das soll jetzt nicht ironisch gemeint sein), die von der Filmemacherin und diplomierten Kunstpädagogin Natasha Gonzalez, Jays Partnerin, in den Sozialen Medien, auf der Familien-Website, in einschlägigen Magazinen und in der Tagespresse verbreitet wird. Ein Leben auf den Ozeanen der Welt, eine Familie, die um die halbe Welt gesegelt ist mit vier Kindern, von denen zwei während dieser Reise vor Martinique und auf Island geboren wurden.

Jay Thompson mit seiner Familie vor dem selbst gebauten Foiler. © CST

Seit fünf Jahren ist die Familie, die sie schelb Coconut-Sail-Team nennt, nun in Etel, einem ehemaligen Thunfischer-Dorf unweit von Lorient in der Süd-Bretagne gestrandet. Was natürlich nur symbolisch gemeint sein soll. Denn die Yacht, auf der sie weiterhin leben, liegt brav vertäut am Steg. Und doch hat der Begriff „gestrandet“ etwas Wahres, denn noch nie blieb die Familie so lange an einem Ort. Nie war ein gemeinsames Weitersegeln in solch weite Ferne gerückt. 

Über die Minis zu den IMOCA

Denn Jay Thompson hat einen Traum. Und den will er sich erfüllen – wenn irgendwie möglich ohne gesellschaftliche Zwänge, ohne Druck und ohne „Buckeln“. Jay Thompson will es als Segel-Profi in die IMOCA-Szene schaffen. An den großen Regatten teilnehmen, vielleicht sogar mit der Vendée Globe um die Welt segeln. 

Scharfes Teil mit sympathischem Skip – beide haben Großes vor! © natasha gonzalez

Dafür wählte der Kalifornier einen Weg, der in der Französischen Szene als klassisch eingestuft, der von den „étrangers“ respektive Ausländern jedoch als besonders hart bezeichnet wird: Jay will sich via Mini-Transat-Sieg für die Big Boats empfehlen. Und das bitteschön auf einem selbst gebauten Prototypen der spektakulär über den Atlantik fliegen respektive foilen soll. 

Wem das jetzt alles etwas hochgestochen bis vermessen vorkommt, dem sei gleich gesagt: Das Boot hat Jay Thompson tatsächlich gebaut. Der Mann, der einen Großteil seines Berufslebens als Préparateur, Bootsbauer und eben auch als Profi-Segler und Crew-Member auf Big Boats verbracht hat, bastelte, baute schraubte und klebte vier lange Jahre an seiner „936 Speedy Gonzalez“ – einem Verdier-Riss mit allerneuester Foil-Technologie als Sahnehäubchen.

Doch wer sich jemals an so ein Projekt gewagt hat oder etwas Ähnliches beobachten konnte, der weiß, dass damit eine andere Seite im Leben eines noch so enthusiastischen, gelassenen und von einer tollen Familie unterstützten Seglers aufgeschlagen wird. Da wäre zunächst die Finanzierung. Trotz vollem Familien-Einsatz in Wort und Bild, trotz cleverer Portfolios, die Gattin Natasha professionell in Szene setzte, klappte es mit den Sponsorships nicht so richtig. 

Spannende Thompson-Familie – hier bei einem Dreh für das deutsche Möbelhaus Segmüller © easydoesit

Zu Beginn wollte Jay Thompson noch unter seinem Lebensmotto „Freiheit“ Boot und Mann an den Start der Mini-Transat gehen – zuletzt ist es eher ein Mini-typischer Mix aus vielen kleinen und mittelgroßen Sponsoren und Unterstützern, der das Abenteuer Coconut Sail Team finanzierte und finanzieren wird. 

Nicht alles Gold, was glänzt

Zwei Haken gibt es jedoch an dieser Geschichte. Und das sind ausgerechnet die per se als Höhepunkte und I-Tüpfelchen bezeichneten Foils. Denn eigentlich lag das Boot schon im letzten Sommer fix und fertig im Hafen von Lorient. Doch sah man Skipper und Boot nur selten draußen beim Training. Hinter vorgehaltener Hand wurde gemunkelt, dass der Einsatz der Foils nicht ganz das hielt, was zuvor versprochen wurde. Andrerseits gab es Stimmen im Sinne von „gut  Ding will Weile haben“ bis hin zu „gebt dem Typ doch eine Chance, sich ruhig auf das, was kommen wird, vorzubereiten!“ 

Jay bei der Pornichet Select – ausnahmsweise bei Wind © bouvry

Tatsächlich hat Thompson noch einiges vor, wenn er in diesem Herbst an den Start der Mini-Transat gelangen will. Denn die 1.000 Solo-Qualifikationsmeilen sind noch nicht gesegelt, es fehlen noch viele der obligatorischen Regatta-Quali-Meilen und überhaupt will so ein Foiler beherrscht werden – in jeder Situation. Da kann es gar nicht genug Training geben! 

Entsprechend gespannt war die Szene auf die erste Regatta, die Thompson mit seinem Kokonuss-Foiler absolvieren wird: Die Pornichet Select . Eine der bestbesetzten Mini-Regatten entlang der französischen Küste und zudem ein ideales Testfeld für den direkten Speed-Vergleich mit dem einzigen, bis dato alles beherrschenden Pogo Foiler.

Um ganz ehrlich zu sein: man sprach in der Szene zwar genüsslich von Szenarien, bei denen die beiden Foiler auf ihren „Flügeln“ nebeneinander über die See „fliegen“ würden. Doch unterm Strich war den meisten klar: Der „voll im Saft“ stehende amtierende Mini-Transat-Sieger Tanguy Bououllec würde auf seinem Pogo Foiler keinem, aber auch wirklich niemandem das Terrain mit einem milden Lächeln überlassen. 

Nicht ideal für direkten Speed-Vergleich

Allerdings kam es gar nicht erst zu den erhofften Duellen zwischen den beiden Foilern. Auch wenn sich eine Leichtwind-Regatta prinzipiell nicht für einen Speedvergleich auf den an sich ja bremsenden „Flügeln“ eignet, war der Unterschied zwischen dem standesgemäßen Sieger Bouroullec auf dem Pogo Foiler und Thompsons Speedy Gonzalez bezeichnend, wenn nicht sogar desaströs für den Kalifornier. Er kam nur als 9. Prototyp und als 40igster overall ins Ziel. Abstand zu Bouroullec: 12 h – bei einem 250 sm-Rennen.

Speedy Gonzalez beim obligatorischen Kentertest der Prototypen © natasha gonzalez

Doch schon am Steg gab sich Thompson höchst zufrieden und optimistisch. Er habe ein Problem mit dem Spi-Fall gehabt und sei ja bekanntlich nur sehr wenig gesegelt. Da geht auf einem Prototypen immer mal was kaputt. Aber er habe nun erlebt, dass sein Boot super schnell segeln könne und sehe den kommenden Regatten mit viel Vorfreude entgegen. 

Ende Mai kann/muss der Kalifornier erneut sein Potential beweisen. Dann steht die Mini en Mai vor La Trinité an. Ein weiteres Highlight der Ministen und endlich ein echtes Duell der beiden Foiler? Jay Thompson gibt sich vorsichtig optimistisch: „Ich glaube schon, dass mein Boot das Potential hat, beim Pogo Foiler mitzuhalten! aber es kommt ja auch auf den Skipper an!“ Etwas Zeit zum Training habe er ja noch. Und wer weiß, vielleicht gibt es bis dahin auch Fotografien, auf denen die „Speedy Gonzalez“ wirklich abhebt. Wait and see.

Website

Starke Multi-Media-Bilder über Jay vom Fotografen Cedric Schanze

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Michael Kunst

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