Mini Class 6.50: Schiff gebrochen, Jeffrey MacFarlane vor Menorca abgeborgen

„In vier Wochen geht’s weiter!“

Unfall, Classe Mini, jeffrey MacFarlay

Jeffrey und sein Mini-Proto © serviola

Der US-Amerikaner Jeffrey MacFarlane, derzeit auf Rang 2 im Mini-Prototypen-Ranking, kenterte nach Strukturschaden und verletzte sich an der Hand. In einem Monat will er seine Kampagne weiter segeln.

Eigentlich fing die Saison für Jeffrey MacFarlane bestens an. Nach zahlreichen Spenden vor allem aus seiner Heimat hatte er genügend finanzielle Mittel, um seine Kampagne „Erster US-Sieger bei Mini-Transat 2013“ zumindest optimistisch anzusegeln.

Nachdem er 2012 auf Rang drei beim „Air 2012“ gelandet war und die Mini Barcelona als Zweiter beendet hatte, konnte er seine Erfolgsserie beim diesjährigen Solo Roma Solo und beim italienischen Arcipelago 6.50 mit weiteren Siegen krönen.

Mini 6.50 MacFarlane

Ansicht von Innen, mit Decksstruktur-Rissen © Mac Farlane

Bei der Mini-Zweihand-Regatta Gran Premio d’Italia holte er sich noch schnell einen Vizetitel, bevor er sich an die wirklich wichtigen Dinge im Leben eines Mini-Transat-Skippers machte: Die 1.000 sm-Qualifikationsstrecke, einhand, nonstop, ohne fremde Hilfe (logisch).

Nach seinen Italo-Regatten suchte er sich folgerichtig ein „Dreieck“ im Mittelmeer aus, das ihn rund Korsika und Sardinien, knapp vorbei an den Balearen wieder zurück an die Ligurische Küste bringen sollte.

Aber auf halber Strecke passierte ihm der Alptraum aller Solo-Segler: Strukturschaden. Das Boot fiel nahezu auseinander.

GAU

Der US-Minisegler hatte bei 35 kn Wind nahezu die 1000 Meilen Strecke absolviert und surfte mit stark gerefftem Groß unter kleinem Gennaker, als kurz nacheinander zunächst die Deckstruktur riss, sich der Kiel verabschiedete und der Mast brach. Das Schiff kenterte zwei Mal rollend durch, richtete sich aber (klassenkonform) wieder auf. Bei der „Eskimorolle“ verletzte sich MacFarlane schwer an der rechten Hand.

Er löste EPIRB aus, sortierte seine Rettungsmittel, schnitt schließlich den Mast los, nachdem er zuvor noch alles Notwendige für ein Notrigg gesichert hatte. Mehrere Kontaktversuche mit vorbeifahrenden Schiffen schlugen fehl.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit wurde MacFarlane schließlich von einem spanischer Seenotrettungshubschrauber gefunden, der ihn abbarg und in ein Krankenhaus auf Menorca flog. Sein Boot, oder was davon übrig blieb, wurde tags darauf 15 sm vor Menorca treibend gesichtet und von der spanischen Küstenwacht in Schlepp genommen.

Für MacFarlane ist es ein Rätsel, wie das Unglück passieren konnte. Er hatte seinen Prototypen kurz zuvor intensiv per Ultraschall und Röntgenstrahlung untersuchen lassen und keine Probleme festgestellt. Auch die wichtigsten Teile des Riggs waren ersetzt worden.

Unfall, Classe Mini, jeffrey MacFarlay

MacFarlane will als erster Amerikaner die Mini-Transat gewinnen © Serviola

“Ich mache weiter”

Heute meldete der Minisegler, dass er nach Aussagen der Ärzte seine Hand in einem Monat wieder verhalten einsetzen könne. „Das wird reichen, um meine Kampagne zumindest fortführen zu können.“

MacFarlane wird dennoch zunächst auf die eine oder andere Regatta verzichten müssen und so seinen zweiten Rang im Mini-Prototypen-Ranking schnell einbüßen. Aber das dürfte ihn nur sekundär kümmern, denn für eine Teilnahme an der Transat zählt nicht die Platzierung in der Bestenliste, sondern die Teilnahme an Regatten (erledigt) und vor allem der 1.000 sm-Nachweis (noch nicht erledigt).

Stellt sich nur die Frage: Auf welchem Boot wird der Amerikaner segeln? Bis jetzt ist noch nicht bekannt, ob sich sein Prototyp noch retten lässt. Und selbst wenn: Wer will mit so einer geklebten Schüssel schon über den Atlantik  brettern?

Jeffrey MacFarlane verweist jedenfalls schon mal diskret auf sein Spendenkonto (klick donate)

Die Mini-Transat: Traum vieler Abenteurer unter den Seglern © Classe Mini

 

 

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Michael Kunst

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3 Kommentare zu „Mini Class 6.50: Schiff gebrochen, Jeffrey MacFarlane vor Menorca abgeborgen“

  1. Falls er am Transat teilnehmen will, dann muss er die 1000sm in ClasseMini-Regatten auf dem Transat-Boot segeln und falls er noch kein Transat gesegelt ist auch den Qualifier. Damit ist er an 716 gekettet oder … er muss nochmal 2x1000sm zusammen bringen. Das sollte auf einem Proto möglich sein, wenn er sofort in die Bretagne wechselt. Ob er allerdings ein konkurrenzfähiges Schiff findet, welches nicht für das Transat gemeldet ist … Da gibt es (fast) nur mare.de .

    VG, Frank

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  2. avatar jörg sagt:

    Der GAU war leider sebstgemacht und nicht die Schuld des Designers und auch nicht der Werft. Das Boot hatte keine “Stops” die den Kielwinkel limitierten, dieses wurde von den Flanken des Kielkastens übernommen, diese sind Teil der Struktur des Bootes und sind während des GP von Italien gebrochen, dadurch fing der Rumpf im Bereich des Kiels an zu delaminieren, mit so einem Schaden die 1000 Meilen Quali zu segeln und denn noch das Boot hart zu segeln ist unverantwortlich. Der Verlust des Bootes ist leider ein Verschulden des Seglers. Schade um das schöne Boot.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 1

  3. Danke Jörg für die Aufklärung. Irgendwie hatte ich mich auch schon gewundert, wie denn das eigentlich recht stabile Boot “einfach so” auseinanderfallen kann. Die Hintergründe bekommt man natürlich in Berlin nicht mit.

    VG, Frank

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