Mini Globe Race – Sauers Finale am Limit: unglücklicher Split, aufreibender Schlafmangel, Schulter-Schmerz

Hero-or-zero vor Guayana

Die Finaletappe Recife–Antigua des Mini Globe Race ist kein „Heimspiel im Passat“, sondern die letzte große Herausforderung dieser Weltumseglung: Vorn warten schon die regelmäßigen Trade-Winde, weiter südlich noch ITCZ-Launen, dazu Müdigkeit, Materialverschleiß, schmale Sicherheitsreserven. Und Christian Sauer? Spielt „Schach auf der See“.

Blau, blau die See … © argos/Sauer

373 Tage sind sie nun schon unterwegs, davon über zwei Drittel der Zeit auf ihren 5,80 m kurzen Booten allein auf See. Nun segeln die  elf verbliebenen Teilnehmer des Mini Globe Race Richtung Finish. Nachdem sie zum zweiten Mal vom Kap der Guten Hoffnung nach Brasilien den Atlantik überquert haben, sind sie inzwischen mitten in der letzten Etappe ihres großen „Once-in-a-Lifetime“-Abenteuers. Nicht im Sprint, sondern als Schlussprüfung eines Rennens, das längst durch Schlafdefizit, Materialermüdung und mentale Ausdauer entschieden wird. Das brasilianische Recife war das letzte große „Reset“:  Zeit zum Ausruhen, Energie tanken, Boot checken; und dann ging es am 19. Februar wieder hinaus: Kurs Nordwest, durch die Doldrums, in die Passatmaschine, rüber nach Antigua. Um den großen, großen Kreis zu schließen.

Wer dabei an einen gemütlichen Tradewind-Ritt glaubt, hat die Problematik einer Weltumseglung und im besonderen Fall einer Rundum-Einhand-Regatta nicht verstanden. Auf 5,80 Metern ist permanente Müdigkeit kein Gefühl, sondern ein Sicherheitsrisiko. Hinzu kommt bei vielen Teilnehmern eine mentale Erschöpfung, die sich ebenfalls auf die seglerische Performance auswirken dürfte – genau deshalb wirkt diese letzte Etappe so anders: Viele segeln nicht mehr gegen die Uhr, sondern gegen den Moment, in dem Konzentration und Körper gleichzeitig nachgeben.

Start vor Recife: unspektakulär, aber irgendwie doch etwas „Großes“ © macIntyre

Die Route der Flotte führt dabei nicht „entweder durch Doldrums oder im Passat“, sondern genau an der Kante zwischen ITCZ-Übergangszone (ITCZ steht für Intertropical Convergence Zone – auf Deutsch meist Intertropische Konvergenzzone) und den stabileren Nordost-Passaten. Vorn, auf dem höheren, nördlicheren Kurs, ist der Wind oft schon gleichmäßiger, berechenbarer, sodass sich ein „Trade-Rhythmus“ einstellt – weiter südlich reichen dagegen noch Ausläufer der ITCZ heran: Schauerlinien, Gewitterböen, Windlöcher und fiese Dreher. Was wiederum die aktuellen Tracker-Splits erklärt: 20 Meilen können reichen, um entweder im „sauberen“ Passat zu glitschen – oder in einer zähen, nervösen Mischzone festzuhängen.

 

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