Mini-Transat: Lennart Burke auf Rang 10, Lina Rixgens vom Pech verfolgt – 40 Proteste?

Es brodelt auf La Palma

Es bleibt spannend. Informationen aus diversen Quellen zufolge soll mit einem “Massen-Protest” seitens der Serien-Segler bewirkt werden, dass die erste Etappe annulliert wird. Und: Lennart Burke bot spannendes Segel-Kino.

Lennart Burke im Glück: Etappe geschafft, Plan-Soll (Top Ten) erreicht © olivaud

Gelinde gesagt geht es auf La Palma, der kanarischen Ziel-Insel der 1. Etappe der Mini-Transat, derzeit explosiv zu. Da ist zum Einen der Vulkan auf der Westseite der Insel, der in den vergangenen Stunden noch mehr Lava ausspuckt und weiter Verheerendes anrichtet. Die Aschewolken über den Kratern sollen derart beeindruckende Ausmaße angenommen haben, dass sogar der Flugverkehr auf der Nachbarinsel Teneriffa stark beeinträchtigt wird.

Explosives Gemisch

Im Zielhafen der Mini-Transat im Norden von La Palma, schwelt derzeit – noch unter der Oberfläche – anderes Explosives. Wie aus diversen Quellen zu erfahren ist, muss sich die Regattaleitung der Mini-Transat derzeit mit einer Reihe von Protesten auseinander setzen, in denen hauptsächlich die Annullierung der 1. Etappe gefordert wird. Vor allem Spitzensegler und im Vorfeld gesetzte Favoriten scheinen ihrem Ärger Luft zu machen – allerdings in den meisten Fällen hinter verschlossenen Türen.

Burke auf seiner Vorpommern © olivaud, mini-transat

Nur wenige, wie etwa Anne-Claire Le Berre, frühere 420er-Weltmeisterin und zweifache Match-Race-Vize-Weltmeisterin – aktuell Rang 6 unter den Serien-Minis – zeigt offen ihren Unmut über „unfaire Bedingungen“ im Zusammenhang mit der Empfehlung der Regattaleitung, Schutzhäfen auf Höhe spanisches Finisterre anzulaufen „während andere einfach weitersegelten“ und so einen nahezu uneinholbaren Vorsprung heraus segelten. Auch der Italiener Alberto Riva (Rang 12 Serie), schäumte im Ziel. Er monierte unfaire Bedingungen während dieser 1. Etappe und kündigte Protest an. 

Er lobte allerdings beim italienischen Segel-Medium SoloVela: “Ich bin sehr zufrieden über die Art und Weise, wie sich die vordere Gruppe bei dem Stopp organisiert hat. Wir haben alle gemeinsam kommuniziert und uns dafür entschieden, die Konkurrenten weiter hinten nicht zu gefährden. Die wären sonst wahrscheinlich weitergesegelt und möglicherweise zu einer Dummheit verleitet worden.

Riva ist einer der Favoriten – und nun ziemlich sauer über diese erste Etappe. Er berichtet nach Italien von einem Massen-Protest © olivaud

Auch in Baiona haben wir uns sehr gut organisiert und einen gestaffelten Neustart absolviert, um eine gewisse sportliche Fairness zu wahren. Wir haben wirklich viel diskutiert und große Solidarität gezeigt, ganz im Sinne der Mini-Klasse.

Als wir wieder lossegelten, konnten drei Skipper ausreißen und der Rest der Flotte saß unter einer großen Wolke vor der Küste Galiciens fest. Danach war es schwer, die Motivation zu finden, das Rennen zu beenden. Ich hatte das Gefühl, dass ich mich eher im Transfermodus befand. Ich verstehe immer noch nicht, warum diese Etappe nicht neutralisiert wurde.”

Bereits 40 Proteste eingereicht?

Nach neuesten Informationen, die uns aus La Palma erreichen, soll wohl mit einem „Massen-Protest“ die Annulierung der 1. Etappe gefordert werden.

Während sich die Französischen Segel-Medien mit solchen Vermutungen noch zurückhalten, berichten italienische Medien – offenbar mit Infomationen von Riva versorgt –  von 40 Protesten, die bei der Regattaleitung bzw. dem Schiedsgericht eingegangen sein sollen. Allgemeine Begründung: Nachdem nahezu die gesamte Flotte Schutzhäfen aufsuchte, hätten die wenigen, weiter Segelnden – inklusive der weit voraus segelnden Prototypen, die von den Tiefs überhaupt nichts spürten –  in die nächstgelegenen Häfen beordert werden müssen. 

Sehr enttäuscht: Ex Match Racerin Anne Claire Le Berre © olivaud

Es heißt, Regattaleiter Denis Hugues stehe kurz vor einem ähnlichen Ausbruch wie der benachbarte Vulkan. Aber lassen wir das… 

Während sich die Französischen Medien bisher gegenüber Melwin Finks „Etappensieg dank Weitersegeln“ eher wohlwollend äußern, ist in italienischen Medien unisono von der „Affäre Fink“ die Rede. Ohne allerdings eine Begründung anzugeben, warum die Proteste gegen die Regattaleitung ausgerechnet den Namen des Etappensiegers tragen. 

Kurz: Es bleibt spannend. 

Bei all’ dem Gedöns seit dem Schutz-Halt vor Kap Finisterre, traten einige seglerische Höchstleistungen in den Hintergrund, die letztendlich unter sportlichen Gesichtspunkten diese erste Etappe der Mini-Transat ähnlich prägten, wie Rang 1 und 2 von Melwin Fink und Christian Kargl.

So segelte etwa Julie Simon, die kurz vor dem „Not-Halt“ der Flotte die Serienwertung anführte, zunächst hervorragend auf Rang 3, musste sich später allerdings einer „wutentbrannten“ Aufholjagd (Zitat) von Hugo Dhallenne beugen, der später das Verfolgerfeld anführend auf Rang 3 finishte. Übrigens, wer Julies Tracker-Kurve verfolgt, wird nicht übersehen haben, dass sie vor Finisterre weit in das (verbotene) Verkehrstrennungsgebiet hinein fuhr. Hier dürfte noch eine Zeitstrafe folgen. 

Der Deutsche Lennart Burke kam auf Rang 10 ins Etappenziel – nach seiner Havarie am Bugkorb während des ersten Tiefs in der Biskaya, aufgrund der er bis in die hinteren Ränge der Serienwertung zurück gereicht wurde, eine tolle Platzierung. Und genau im Plan „Top Ten Gesamtergebnis“. 

Sportlich: Nach so viel Pech kann sich Lina Rixgens immer noch freuen © olivaud

Auf Lennarts Boot war der Bugkorb gebrochen, an dem sich auch die untere Befestigung des Vorsegels befindet. Deshalb segelte Lennart über lange Strecken hinweg nur mit dem Groß. 

Gut gekämpft, Soll erreicht!

Die „zweite Etappe der ersten Etappe“, also nach Schutzhalt, verlief für den Segler aus Vorpommern hervorragend. SR-Co-Kommentator Oliver Tessloff: „Lennart hat großes Segel-Kino geboten. Eben so, wie es auf der Mini-Transat sein soll: Fights Boot gegen Boot, auf dass der oder die Bessere gewinnen. An manchen Tagen musste Lennart zwischen fünf und sieben Halsen in stark drehenden Winden fahren. Das ist für Mini-Verhältnisse fast schon Matchrace-Niveau! Gemeinsam mit Leo Debiesse, Cecile Andrieu und Jean Marre bot Lennart durchweg Spannendes. Letztendlich trennten die Vier lediglich drei Stunden. Das ist für die Gesamtwertung ein wichtiger Aspekt. Wie auch immer  – chapeau!“ 

Rixgens “whomper”: Kann ein Boot noch mehr Ärger verursachen? © olivaud

Auch Lina Rixgens ist mittlerweile auf La Palma angekommen (Rang 58 Serie). Doch LEIDER – und das muss jetzt wirklich groß geschrieben werden – mit hängenden Flügeln. Die Kölnerin musste zwei hintereinander auftretende Schäden an beiden Rudern ihres Wevo-Plattbugs verkraften. Dass sie dennoch hoch erhobenen Hauptes über die Ziellinie segelte, hat mit ihrem sportlichen Esprit zu tun. Das reine Ankommen kann dann wertvoller erscheinen, als die zu Beginn ihrer zweiten Mini-Transat-Kampagne erhoffte Top-Platzierung.

Was hat diese Frau nicht alles an Enttäuschungen mit ihrem Wevo erleben müssen (Interview): Unter Anderem zu kurzer Mast (!), Kiel falsch platziert und nun Ruderschäden! Gibt es irgendwas an diesem Neubau, das nicht ausgetauscht werden musste und von Beginn bis heute funktioniert? 

Bleibt noch Marc-Eric Siewert. Der Deutsche ist auf seinem Prototypen auf dem letzten Rang der gesamten Flotte unterwegs und hat mit Tracker-Stand 13 h noch 11 Seemeilen bis zum Ziel. Derzeit wird er von einer Schwachwindzone etwas aufgehalten. Seine Geschwindigkeiten sind allerdings derart niedrig, dass auch er vermutlich von einer Havarie ausgebremst wird. 

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier

6 Kommentare zu „Mini-Transat: Lennart Burke auf Rang 10, Lina Rixgens vom Pech verfolgt – 40 Proteste?“

  1. avatar Peter Klingmüller sagt:

    Wäre schade wenn am grünen Tisch die Ergebnisse gepimpt würden, dann sollten die jungen Frauen und Männer -die sich beschweren -virtuell weiter segeln.
    Die beiden ersten hatten gute Seemannschaft gezeigt, kein Bruch, kein Rettungseinsatz, sondern einfach den Kurs abgesegelt und das Ziel erreicht.(empfehle das Buch “Abgerechnet wird im Ziel”) zu lesen.

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  2. avatar de_müller sagt:

    Du verwechselst fairen sportlichen Wettkampf mit “Turbokapitalismus”
    Das es da etwas zu diskutieren gibt ist offensichtlich – egal wie man/frau/es dazu steht

    Nebenbei könnte ja auch mal jemand erklären, was diese ganzen Adressen PL-… bedeuten
    irritiert mich irgendwie

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  3. avatar PL_peterklingmueller sagt:

    Es ist ja nun ein Unterschied ,ob man auf einer unseren schönen Förden eine Regatta segelt oder alone über den Atlantik.Wo sind die Schutzhäfen der nächsten beiden Etappen?!
    Oder muss man “sozialistisch”im Pulk über die Ziellinie segeln???

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  4. avatar PL_jangadamail sagt:

    Das einige Segler sauer und enttäuscht sind, verstehe ich. Aber das die eine Gruppe in Häfen fährt, um die nächste Gruppe zu schützen, ist mir ein bisschen zu viel des Guten und des Edelmutes. Hatten sie nicht alle die gleichen (rudimentären) Informationen und Kommunikationsmöglichkeiten? Und ist das nicht Aufgabe der Rennleitung?
    Ich habe mir ganz viele Statements der Ankommenden durchgelesen. Fast jeder war froh, in einen Hafen zu kommen, um Schäden durch den ersten Sturm zu beheben, ein paar Stunden „im Hotel?“ zu schlafen, um ein paar Bierchen mit Freunden zu trinken. Unabhängig von der Frage, was in einem Schutzhafen der Minitransat erlaubt ist zu tun, stellt sich auch die Frage, wer oder was viele Segler veranlasst, die Reparatur-, Ausschlaf-, Biertrinkzeiten als Argumente für eine Annulierung in den Ring zu werfen. Den meisten jedenfalls kam die Pause sehr sehr Recht, unabhängig davon, dass sie für ganz viele an ihren jeweiligen Positionen absolut richtig war. Aber eben nicht für alle.
    Ich hoffe sehr, dir Rennleitung wägt richtig ab. Sie steht allerdings ganz mächtig unter Druck. Ich befürchte schlecht abgewogene Entscheidungen… und kenne mindestens einen, der sich dir Hände reibt.

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  5. avatar Fastnetwinner sagt:

    Vorschlag: Die erste Etape annulieren und den beiden durchgesegelten ersten einen Bonus über die Hälfte ihres Vorsprunges für die zweite Etappe geben. Und dann noch einen Sonderpreis für Melvin: Freies Meldegeld für das nächste Mal.

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  6. avatar PL_ sagt:

    Was bedeutet eigentlich das PL_? Premium Leser oder so?

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