Mini-Transat: Lina Rixgens segelte in dieser Saison durch suboptimale Zeiten – ein Gespräch

Durchhalten!

Murphy’s Law gilt immer! Und erst recht bei den Ministen. So auch für Lina Rixgens – seit Monaten rutscht sie von einer Pechsträhne in die nächste. Dennoch bleibt die deutsche Ministin motiviert: „Es kann nur besser werden!“

Wenn’s einmal läuft… dann läuft es richtig!

Treffpunkt „Terre Plein“ im Hafen La Base/Lorient. Zwischen 30 Minis und 20 Figaros hängt Lina Rixgens Wevo-Mini „Avenade“ am Haken und bekommt eine neue Rumpf-Deko verpasst. Es ist brütend heiß und wir verziehen uns für unser Gespräch in die nächste Bar. 

Gleich am nächsten Tag will Lina ihr Boot nach Port Bougenay überführen, wo die „Mini Gascogna“ – ein Shorthanded-Rennen in zwei Etappen nach Getxo/Spanien und zurück – am 28.Juli starten wird. Das Regatta ist der Nachfolger des Mini-Klassikers Trans Gascogne (die Franzosen bezeichnen die Biskaya als „Golfe de Gascogne“).

Zweite Kampagne, neues Glück?

Für Lina Rixgens (und für die meisten anderen Teilnehmer auch) ist diese Regatta die letzte Möglichkeit, sich vor der Mini Transat mit anderen Booten und ihren Skippen/Skipperinnen zu messen, den „Stand der Dinge“ zu überprüfen und das Boot nochmals vor dem Törn über den Großen Teich auf „Herz und Nieren“ zu testen. Die diesjährige Mini-Transat ist bereits Linas zweite Kampagne: Im Herbst 2017 segelte sie auf einer Pogo 2 in die Karibik. Nach einer suboptimalen ersten Etappe von La Rochelle nach Gran Canaria (Rang 52) , machte sie in der zweiten Etappe einiges „wett“. (Rang 38).Gesamt wurde sie 46 igste von 56 Serienbooten.

Nina Rixgens auf ihrer Wevo © blondsign by Eike Schurr

Für die 26-jährige Ärztin ist die Trans Gascogna zudem ein wichtiger „Motivator“, denn was der Wahl-Hamburgerin in den letzten Monaten an „Steinen in den Weg“ gelegt wurde, hat die Definition einer Pechsträhne längst überschritten. 

SegelReporter: Lina, Du hast in dieser Saison nicht nur Glück gehabt, um das mal vorsichtig auszudrücken.

Lina Rixgens: Zunächst war alles wegen Corona leicht verspätet. Ich wollte eigentlich schon im Januar für ein intensives Training nach Lorient kommen. Aber dann wurde es doch Anfang März, bis mein Boot im Wasser war. Danach fünf intensive Trainingswochen mit Kult-Trainer Tanguy Le Glatin; ich war wirklich viel auf dem Wasser – das erste richtige Training, das ich mit meinem Wevo-Mini erleben durfte. Es war Gold wert, endlich jemanden zu haben, der sich mit Sachverstand alles von außen anschaut und wirklich gute Tipps gibt. So konnte ich auch viele Ideen in meinen neuen Segelsatz einfließen lassen. Vorher hatte ich eineinhalb Jahre lang immer alles selbst ausprobiert auf meinem neuen Boot, ich war im Prinzip meine eigene Trainerin.

Endlich wirksames Training

SegelReporter: An dieser Stelle sollten wir kurz erklären, dass Du für die anstehende Mini-Transat als eine der Ersten unter den Ministen ein Boot mit Scow-Bug der italienischen Wevo-Werft erworben hast.

Lina Rixgens: Richtig. Die Werft hat dann im Frühjahr allen bereits fertig gestellten und schon segelnden Wevo-Booten den Einbau eines neuen Kiels empfohlen.

SegelReporter: Das war demnach also keine Maßnahme der Klassenvereinigung wegen Nicht-Einhaltung irgendwelcher Regeln, sondern die Werft hatte einen Fehler in ihrem Riss erkannt?

Bloß nicht die Motivation verlieren! © blondsign by Eike Schurr

Lina Rixgens: Es ging in erster Linie darum, Gewicht zu sparen, bei gleichem aufrichtendem Moment. Die Finne war zuvor etwas dick ausgelegt. Zudem ist der Bug bei Vorwind- und Reachkursen sehr oft in die Welle eingetaucht. Also wurde die Kielbombe etwas nach hinten versetzt; aus einem T-Kiel wurde ein L-Kiel. Das hat sich bewährt, der Bug taucht nun viel seltener ein, die Durchschnittsgeschwindigkeiten sind deutlich höher als zuvor. Bei Leichtwind macht sich zudem die Gewichtsersparnis bemerkbar. Was ärgerlich war: Man kann sich vorstellen, wie lange ein Boot dafür an Land bleiben muss. Verlorene Trainingstage!

SegelReporter: Lief das finanziell wenigstens auf Kulanz? Schließlich sind das doch konstruktionsbedingte Probleme.

Lina Rixgens: Nein, das musste voll von mir gestemmt werden. 6.000 Euro Kosten, ungefähr. Doch es geht noch weiter: Als nächsten Schritt empfahl man uns einen neuen, längeren Mast. 

Nach dem Kiel der Mast

SegelReporter: Moment, soll das heißen, man hat Dir zunächst ein Boot geliefert, das einen kürzeren Mast hat als die Konkurrenz und somit auch weniger Segelfläche? 

Lina Rixgens: Die Idee dahinter war, dass man bei der Mini Transat sowieso sehr oft mit einem Reff im Groß segelt. So könne man dann im Gegenzug Gewicht in der Kielbombe sparen. Nur: Es gibt in der Mini-Szene ja nicht nur die Mini Transat zu segeln! 

Was gab es noch? Die Unterwanten mussten weiter nach innen verlegt werden, so dass ich nun die Fock dichter schoten kann bei wenig Wind.

Freut sich auf die “positive Einsamkeit” : Lina Rixgens auf der avanade © blondsign by Eike Schurr

SegelReporter: Hört sich nicht gerade vertrauenswürdig an, sowas. Aber auch die Maxi-Scows hatten am Anfang ihrer Produktionsserien erhebliche Probleme. ich kann mich gut daran erinnern, wie oft Maxi-Skipper vor der Transat 2019 fluchend und bastelnd im Hafen liegen blieben, während ihre Pogo3-Konkurrenten munter weiter trainierten. 

Lina Rixgens: Strukturelle oder andere schwerwiegende Probleme sind bei meinem Wevo aber noch nicht aufgetreten. Doch, die Ruderbeschläge haben sich letztes Jahr bei Les Sables-Acores-Les Sables gelöst.

SegelReporter: Wie gut oder schlecht fühlen sich denn die Segeleigenschaften Deines Bootes an? 

Lina Rixgens: Kurz: Schwierig zu segeln, aber wenn es läuft, dann läuft es. Vor allem beim Längs-Gewichtstrimm muss deutlich mehr gearbeitet werden, also alles hin und her gepackt werden. Aber das müssen die anderen auch. 

Wonne-Monat Mai?

SegelReporter: Die Bastel-Zeiten an Land haben sich dann bestimmt auf Deine Regattasaison ausgewirkt. 

Lina Rixgens: Klar. Aber es gab noch weitere Hindernisse. Meine erste Regatta sollte dann Pornichet Select im Mai sein. Ich hatte gerade meine Leinen losgeworfen für die Überführung, als ich feststellte, dass der Autopilot nicht mehr funktionierte. Es war Samstag, keiner hatte Zeit für eine spontane Hilfe – die Regatta war gelaufen.

SegelReporter: Der Mai hat sich also nicht gerade als Wonne-Monat heraus gestellt.

Mit Lisa Berger beim Calvados-Cup © calvados cup

Lina Rixgens: Es kommt noch schlimmer: Kurz darauf hatte ich bei einem Training eine Kollision mit einem anderen Mini. Danach war mein Boot für vier Wochen in der Werft. Die gesamte Steuerbordseite war eingedrückt, ein anderer Plattbug – bei dem nur wenig beschädigt wurde – ist mir in die Seite gefahren. Die „Gegnerin“ hatte Vorfahrt, ich hatte sie nicht gesehen, sie hatte mich nicht gesehen. Die kleine Werft Gepeto hat dann die Wiederaufbau sehr gut erledigt, eine Negativform von einem anderen Wevo abgenommen und „sauber“ gearbeitet. Womit jedoch eine Teilnahme der Mini Fastnet auf meinem Boot auch „ins Wasser fiel“. Ich konnte dann zum Glück bei Chloé Le Bars mitsegeln – war auch ganz interessant, mal auf einem Pogo3 so eine Langstrecke zu segeln. Wenigstens kam ich so wieder in den Regatta-Modus. 

Beim Calvados-Cup war ich dann wieder mit eigenem Boot dabei, gemeinsam mit Lisa Berger. Sehr wenig Wind, sehr viel Strömung… teilweise trieben wir mit 3 kn Geschwindigkeit wieder zurück. Es lief nicht schlecht, aber es war für alle eine Art Topfschlagen. Auf der zweiten Etappe konnte ich zunächst mit langen Reachkursen zeigen, was in meinem Boot steckt. Doch gegen Ende bin ich dann mit dem Fuß umgeknickt – Bänderriss!

Segelreporter: Die Meeresgötter scheinen nicht mit Dir zu sein. Nagt das an Deiner Motivation für das Kommende oder sagst Du Dir „jetzt erst recht!“?

Lina Rixgens: Es gab etliche schwierige Tage und viele Zweifel, aber ich habe trotzdem immer weiter gemacht. Und jedes Mal kam die Motivation wieder aufs Neue.

Serienboot oder Prototyp?

SegelReporter: Bisher wurdest du mit Deiner Wevo nicht unter den Serienbooten gewertet, sondern bei den Prototypen. Die Mini-Klassenregel schreibt vor, dass mindestens 10 Boote eines Serienmodells segeln müssen, um den Serien-Status zu erhalten. Hat das mittlerweile geklappt?

© lina rixgens

Lina Rixgens: Es müssen vor allem 10 gleiche Boote einer Marke segeln. Und nicht alle haben die finanziell aufwändigen Nachbesserungen mitgemacht. Dennoch, eine kleine Chance könnte für mich bestehen, dass man bei der Classe Mini mein Boot genau überprüft, inklusive Kentertest etc. Und vielleicht erhalte ich dann einen vorläufigen Serien-Status und werde mit den anderen Serienbooten gewertet. 

SegelReporter: Apropos Finanzen. Konntest du Dich denn auf Deine Sponsoren verlassen?

Lina Rixgens: Ja, das ist so ein Part meiner Kampagne, in dem ich wirklich gut aufgestellt bin. Avanade ist mein Hauptsponsor und unterstützt mich bestens; auch die kleineren Sponsoren mit Ausrüstungsverträgen etc. stehen weiterhin voll und ganz zu mir. 

SegelReporter: Wo siehst Du Deine Stärken? 

Lina Rixgens: Beim Schlafmanagement. Das hab’ ich richtig gut drauf, auch über einen längeren Zeitraum wie etwa zwei Wochen, während der zweiten Mini Transat-Etappe. 

SegelReporter: Ganz ehrlich – trotz allem was in den letzten Monaten passiert ist, machst Du einen durchweg motivierten Eindruck.

Lina Rixgens: Natürlich hat das alles Spuren hinterlassen, doch ich freue mich richtig auf die Mini Transat. Das hat auch mit meiner ersten Teilnahme zu tun. Denn als ich dort in der zweiten Etappe für meine Verhältnisse gut unterwegs war, dachte ich mir: Eigentlich geht es jetzt erst richtig los. Und im Ziel wurde daraus ein „ich kann jetzt einfach nicht aufhören“! Diese Motivation habe ich mir beibehalten – auch in den letzten Monaten. 

Worauf ich mich sehr freue, ist die positive Einsamkeit, die uns auf See erwartet. Als Zugabe grandiose Sternenhimmel, fliegende, Fische, Delfine. Und wenn es dann noch„gut läuft“, wird alles andere schnell vergessen sein. 

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Michael Kunst

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