Mini Transat: Mit 15 im Optimist über den Ärmelkanal – Mit 17 im Mini auf dem Atlantik

Opti, 420er, Mini. Der logische Weg?

Violette Dorange, Mini Transat

Violette im Hochsee-Modus © dorange

Die Mini-Transat-TeilnehmerInnen werden immer jünger: Jetzt hat die 17-jährige Violette Dorange ihre Kampagne für die Transat 2021 begonnen. Violette? Moment mal, die kennen wir doch.

War das nicht gerade erst „vorgestern“? Als diese quirlige, äußerst pfiffig wirkende junge Französin Violette auf ihrem Optimist den Ärmelkanal überquerte? (SR-Bericht). Um dann gleich ein Jahr später, allerdings fast schon ein bisschen zu alt (nicht zu groß 🙂 ) für die kleine Kiste auch noch die Straße von Gibraltar zu überqueren (SR-Bericht). 

In der französischen Regattaszene machte der Teenager jedenfalls reichlich Furore. Nicht nur wegen der beiden PR-lastigen Hochsee-Ausflüge, sondern auch dank beeindruckender Leistungen auf internationalen Regattabahnen.

Violette Dorange, Mini Transat

Hier ist sie auf den Geschmack gekommen © dorange

Auf dem 420er segelte Violette Dorange gemeinsam mit ihrer Vorschoterin Camille in der Französischen Jugend-Nationalmannschaft und machte über zwei Jahre hinweg weltweit die Regattabahnen „unsicher“. Die Beiden regattierten in Neuseeland, China, USA, Italien, Deutschland, Griechenland, Ungarn und natürlich in Frankreich. Dabei holten sie zwei französische Meistertitel, eine Bronzemedaille bei den Europameisterschaften und eine Silbermedaille bei den Youth World Sailing Championships. 

Der logische Weg

Dennoch prägten sie vor allem ihre beiden Abenteuer auf See, behauptet Violette Dorange in Interviews, zu denen sie in französischen Medien während der letzten Jahre immer häufiger eingeladen wurde. Während ihrer durch reichlich Seegang bewegten Überquerung der Straße von Gibraltar setzte sich jedenfalls ein Gedanke in ihr fest, der sie fortan nicht mehr loslassen sollte: „Ich will mehr, viel mehr auf den Meeren unterwegs sein!“ Andrerseits ahnte sie aber auch, dass ihr als erfolgreiche Regattaseglerin der Wettkampf, der direkte Vergleich mit anderen fehlen würde. 

Violette Dorange, Mini Transat

Mit dem 420er (als Steuerfrau) die Adrenalin-Zufuhr angeregt © dorange

Was lag also näher, als eine Mini Transat-Kampagne zu starten? Alleine auf einem 6,50 Meter kurzen Renner zum Horizont und weiter segeln, und das bitteschön immer im Regattamodus gegen andere Mini- Segler. 

Letztendlich beschreitet Violette Dorange so den klassischen Weg französischer Hochseeseger: Im Opti erstes Salzwasser auf den Lippen spüren, mit dem 420er auf den Regattageschmack kommen, mit dem Mini den Atlantik erobern und dann… ja was eigentlich danach? 

„Mein Traum ist eine Teilnahme bei der Vendée Globe,“ sagt die 17-Jährige mit überzeugtem Unterton. Man müsse eben Visionen haben, auch oder besonders in jungen Jahren!

Natürlich kann auch in Frankreich ein Teenager nicht mal eben so eine Hochsee-Kampagne starten (sie peilt die Mini Transat 2021 an), und sei es „nur“ auf dem vergleichsweise preiswerten Mini. Will frau auf einem konkurrenzfähigen Boot über den Teich segeln, muss mindestens ein Budget von 120.000 Euro veranschlagt werden. 

Violette Dorange, Mini Transat

Auf ihrem neuen Mini “Coin coin” während der  © dorange

Dafür brauchen dann selbst ausgewiesen talentierte Seglerinnen „willige“ Eltern und gute Kontakte in die Sponsoren-Szene. Violette kann sich schon mal für die “Basiskosten” auf ihre langjährigen Sponsoren “Club Aerocampus” und “Erplast” verlassen.

Die Mini-Szene ist derweil sicher, dass mit Violette Dorange eine „würdige Nachfolgerin“ für Clarisse Cremer gefunden wurde, die bei der letzten Mini Transat Rang 2 unter den Serienbooten belegte und mit ihren herzerfrischenden Videos und ihrer lockeren Art für reichlich mediale Aufmerksamkeit sorgte. 

Vendée-Held Dick testet, “was sie so drauf hat”

Schon jetzt kann Violette mit der vollen Unterstützung aus der französischen Hochseeszene rechnen. Das zeigte sich zuletzt vor ein paar Tagen, als Jean Pierre Dick – bekanntlich mehrfacher Vendée Globe-, Route du Rhum- und Transat Jacque Vabre-Champ – ein etwas kniffliges Problem zu lösen hatte. 

Seine JP 54 lag in Funchal auf Madeira, als sich der Hurrikan „Leslie“ schon gefährlich nah in Richtung Azoren bewegte, um gen Madeira weiter zu ziehen. Dick entschloss sich zu einer Spontan-Aktion und flog von einer Stunde auf die andere nach Funchal und segelte die JP 54 mal eben schnell in Sicherheit runter zu den Kanaren. Als einzige Begleiterin für den Trip nahm der Vendée Globe-Held Violette Dorange mit – „einfach nur um mal zu sehen, was sie so drauf hat“. 

Violette Dorange, Mini Transat

Nach der Ankunft auf den Kanaren erstmal ordentlich futtern – hinten kaut Jean Pierre Dick © dorange

Und um ihr schon mal einen kleinen Vorgeschmack auf das zu bieten, was auf größeren Booten noch so auf sie zukommen könnte. Alles Zukunftsmusik? „Man weiß ja nie, für was man solche Erfahrungen gebrauchen kann,“ sagt Violette grinsend. Und überhaupt sei der Weg vom Opti in die ganz große Renner vielleicht doch nicht so weit.

Mit ihrer Mini Kampagne „coin coin“ (Quack-quack) ist Violette Dorange jedenfalls der Realisierung ihres Traums von der Vendée Globe schon mal einen großen Schritt näher gekommen. 

Facebook

Tipp: Charlotte Metzger

avatar

Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *