Mini-Transat: Start vor Gran Canaria Samstag 15 Uhr – Witzmann streicht die Segel

Highway to Martinique

Typische Mini-Hafenambiance im Hafen von Las Palmas/Grand Canaria © mini-transat

Morten Bogacki hat seine „Lilienthal“ wieder auf Vordermann gebracht, Hendrik Witzmann streicht dagegen die Segel. Das Wetterrouting prognostiziert: Sahne-Segeln bis zu den Squalls.

Mini-Segeln ist Sport. Wer Sport betreibt, fordert seinen Körper. Was bei nahezu allen Sportarten immer ein Ritt auf Messers Schneide ist. Wer nicht ans Limit seiner Möglichkeiten geht, wer den Körper nicht maximal belasten kann, wird nicht vorne segeln und schon gar nicht siegen.

Schön sauber halten das Unterwasserschiff © mini-transat

Deshalb wird Hendrik Witzmann, einer der beiden deutschen Ministen am Start der Mini-Transat, den großen Schlag nach Martinique nicht mehr mitsegeln. Schon während der ersten Etappe plagten den 46-Jährigen starke Schmerzen im Knie, die ihn in seiner Beweglichkeit stark einschränkten. Im Etappenzielort Las Palmas/Gran Canaria ließ sich Witzmann untersuchen und „durchleuchten“. Diagnose: Riss des Meniskus. 

Witzmann streicht die Segel

Hendrik Witzmann im Telefongespräch mit SR: „Die Schmerzen sind noch nicht mal das Schlimmste. Viel wichtiger für meine Entscheidung gegen einen Start in die zweite Etappe ist die eingeschränkte Beweglichkeit. Ich kann mein Knie nur noch 20 – 40 Grad beugen. Jeder, der jemals auf so kleinen Kisten In hohen Wellen gesegelt ist, weiß, was das bedeutet.“

Hendrik Witzmann bei seiner nächtlichen Ankunft vor Las Palmas © mini-transat

So sei es ihm kaum möglich, bei Seegang aufs Vordeck zu klettern oder in den Wellen das Gleichgewicht zu halten, sagte Witzmann weiter. „Man merkt ja erst, wozu man funktionierende Knie alles braucht, wenn massive Probleme in den Knien auftreten!“ 

Witzmann hatte am Donnerstag noch eine Art Prolog vor der zweiten Etappe vor Las Palmas gesegelt, um die Belastungsfähigkeit seines Knies ein letztes Mal zu überprüfen. „Ich hatte mir einige ärztliche Zweit- und Drittmeinungen eingeholt,“ berichtet Witzmann weiter. „Nahezu alle haben mir dringend von einem Start abgeraten. Dennoch war ich mir bis gestern nicht sicher, ob ich mich für oder gegen einen Start entscheiden soll. Bis ich dann schon auf meinem Test-Schlag spürte, dass ich mich auf das Knie nicht verlassen kann.“ 

Er sei jetzt im Reinen mit sich, sagte Witzmann abschließend. Die Entscheidung sei ihm extrem schwer gefallen, zumal er jede Menge Geld und Zeit in das Projekt Mini-Transat investiert habe. „Doch ich habe jetzt das Seesegeln für mich entdeckt. Die erste Mini-Transat-Etappe hier runter war wunderbar. Jetzt muss ich zwar leider den Stecker ziehen, aber wer weiß schon, was noch alles auf See auf mich wartet!“ 

Autopilot funktioniert wieder

Auch der zweite deutsche Teilnehmer, Morten Bogacki, hatte reichlich Probleme während der ersten Etappe – allerdings technischer Natur. Sein Autopilot war vollständig ausgefallen, was ihn viel Schlaf und Zeit in der Prototypen-Wertung kostete.

Bogackis Lilienthal vor Gran Canaria © mini-transat

Mittlerweile hat Bogacki jedoch den Drive seiner Anlage (beide Autopiloten waren ausgefallen) ausgetauscht und seine Travellerschiene repariert. Für einen neuen Autopiloten flog der Segler des Kieler und Düsseldorfer Yacht-Clubs nach Deutschland, um das technische Gerät abzuholen und auf die kanarische Insel zu bringen. Inzwischen sind die Komponenten eingebaut und beim Showsegeln für die Etappe auch erfolgreich getestet. Bleibt die Hoffnung, dass für den Sprung über den großen Teich diesmal alles hält. Und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. 

Zu seiner Strategie für die zweite Etappe berichtet Bogacki in einer Pressemitteilung des Offshore Team Germany: „Ich werde auf der nächsten Etappe sicher nicht durch falschen Ehrgeiz überreizen. Die ersten Drei sind sehr weit weg, aber bis Rang vier oder fünf geht durch gute Strategie sicher noch etwas. Das Potenzial von ‚Lilienthal‘ ist da, das hat der erste Teil der ersten Etappe gezeigt. Aber der Atlantik ist groß. Für mich wird es die erste Überquerung, es ist also wie ein großes schwarzes Loch.“

Es wird schön und schnell

Am Samstag, 2.11. erfolgt um 15 Uhr (unsere Zeit) der Start der zweiten Etappe. Die Wettersituation stellt sich ruhig bis ideal dar, die Segler erwarten 15 bis 20 Knoten Windgeschwindigkeit. Oliver Tessloff, bester deutscher Mini Transat 2017-Teilnehmer hat sich das Wetterrouting für die nächsten Tage angeschaut. Seine Einschätzung: 

Drei ausgewählte Routings aus den aktuellen GEFS 45km Ensemble Routings. Im Moment geht kein Szenario wirklich nach Süden. In Szenario 1 wird es im letzten Drittel mit 25kn+ wehen. Die Wahrheit wird bekanntlich irgendwo in der Mitte liegen. Ohne auf die Details geschaut zu haben, wäre mein gefühlter Tipp, direkter Kurs mit einer Nord-Komponente. © screenshot/Tessloff

„Das Routing ist für die erste Woche dieser zweiten Etappe ziemlich klar. Um ehrlich zu sein, hatte ich mir, vor einem Blick auf das errechnete Routing, überlegt, dass  ein erster Schlag nach dem Start Richtung Süden wohl der beste Weg sei. Doch in einem Mix aus 20 unterschiedlichen Routing-Varianten plädieren 19 für einen nahezu direkten Weg nach Westen.

Fakt ist: ein fettes Azorenhoch etabliert sich gerade im Norden der Kanaren. Das dürfte definitiv die ersten Tage dieser zweiten Mini-Transat-Etappe bestimmen. Man kann also den klassischen Seagull-Shape-Kurs fahren, der wiederum seinen Namen von der Flügelform einer Möwe hat.

Die dicken Pötte werden auf der Gesamten Transat eine Gefahr sein © mini-transat

Nach einer frühen Einschätzung der Wetterroutings, könnten die letzten Tage respektive das letzte Viertel dieser Mini-Transat ziemlich windig werden. Aber da sind sich die Modelle noch etwas uneins – es kann noch zu viele Wetterveränderungen bis dahin geben.

Kurz zusammengefasst: Dieses Jahr werden die meisten Ministen wohl eine Art Anlieger Richtung Martinique fahren. Erst dürften sich viele westlich halten, um dann Richtung Ziel einen etwas südlicheren Kurs zu nehmen. Es wird übrigens eine recht schnelle Überfahrt werden – ein regelrechter „Highway to Martinique“. Die schnellsten Serien-Minis dürften laut Routing zwischen 12 und 14 Tagen im Ziel ankommen.“ 

Sinnvolle Beschäftigung der Ministen während der Wartephase zur zweiten Etappe: Die Segler säubern die Strände von Las Palmas vom Plastikmüll. Das gibt Kulturpunkte! © mini-Transat

Auch wenn in den ersten Tagen eher wenige taktische Entscheidungen bei den Prototypen wie bei den Serien-Minis anstehen, wird die Strecke dann in den Squalls und später beim Martinique-Anlieger unter wahrscheinlich ruppigen Bedingungen besonders spannend werden. 

Also dranbleiben! Start wird auf Facebook Live übertragen, und auch der Tracker wird Euch wieder auf die lange Strecke mitnehmen.

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier

Ein Kommentar „Mini-Transat: Start vor Gran Canaria Samstag 15 Uhr – Witzmann streicht die Segel“

  1. avatar breizh sagt:

    Schade für Hendrik, dass das Knie nicht mehr mitgemacht hat. Gute Besserung und dann hoffentlich bis zum nächsten Mal.
    Für Morton eine schnelle und gute Überfahrt.

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