Mini-Transat – Warum Marc Lombard das Scow-Spiel nicht mitspielt

Lieber spitz als rund

Minis vor dem Start des Mini-Transat in La Rochelle

Minis vor dem Start des Mini-Transat in La Rochelle

Alle reden von den Scows im Mini-Transat-Zirkus. Doch die Entwicklung geht schon weiter.

Die Mini-Transat-Regatta 2019 steht voll im Zeichen der Scows. Auf deutsch bedeutet der Name der Boote mit dem flachen Rumpf eigentlich Prahm. Allerdings zeigen Scows einen runderen Bug als Prähme. 2017 gewann Ian Lipinski mit einem von David Raison gezeichneten Scow das Prototypen-Klassement. Wie immer in der Mini-Szene setzte sich auch dieses Erfolgsmodell schnell durch, so dass dieses Jahr mit der Maxi 6.50 und der Vector bereits zwei Scow-Modelle im Serien-Klassement vertreten sind.

Neue Trends im Mini-Transat

Doch neben den gut vertretenen Scows sind im Prototypenbereich schon wieder neue Tendenzen zu erkennen. Dem allgegenwärtigen Trend zum Tragflügel folgt der Pogo-Foiler aus der Feder von Guillaume Verdier. Hier ist der Bug schon weniger prahmähnlich ist als bei den meisten Scows. Der Prototyp von Axel Tréhin hingegen, gezeichnet von Henri Paul Schipman aus der Marc Lombard Design Group, setzt sich mit senkrechtem Steven und scharfen Kimmkanten deutlich von der runden Konkurrenz ab.

Pogo-Foiler mit gemäßigt rundem Bug
Pogo-Foiler mit gemäßigt rundem Bug

Ziel bei diesem Entwurf sei es, ein Boot zu zeichnen, das auf allen Kursen schnell ist, erläutert Marc Lombard. Die Scows sind für seinen Geschmack zu sehr auf raume Kurse hin spezialisiert. Das breite Vorschiff bringt viel Volumen nach vorne und liefert daher in diesem Bereich viel Formstabilität. Am Wind, aber auch direkt vor dem Wind, sind die runden Scows der Konkurrenz dagegen zuweilen unterlegen. Zudem ist mangelnde Kursstabilität ein Thema.

Marc Lombard setzt auf Steven und Chines

Man kann darauf spekulieren, auf einer Mini-Transat-Regatta aufgrund des Nordost-Passats vor allem auf raumen Kursen zu segeln, wo die Scows ihre Stärke ausspielen können. Für Marc Lombard ist das allerdings kein überzeugendes Konzept. So rechnet er zum Beispiel in der Startphase zwischen Biskaya und Kanaren mit Situationen, in Kurse hoch am Wind gesegelt werden müssen. Auf dem Atlantik könne es sein, dass die Navigation zwischen den Tiefdrucksystemen andere Kurse als raume erfordere.

Axel Tréhins Prototyp von der Marc Lombard Design Group
Axel Tréhins Prototyp von der Marc Lombard Design Group

Axel Tréhins Prototyp ist im Vorschiff ebenso extrem breit wie die Scows. Auch hier ist also mit zusätzlicher Formstabilität zu rechnen. Aber der senkrechte Steven und die scharfen Kimmkanten sollen für Geschwindigkeit und Kursstabilität auch auf Kursen am Wind und vor dem Wind sorgen. Zusätzlich verfügt das Boot über zwei Schwerter, von denen jeweils das leewärtige nötigenfalls gefiert werden kann. Dem Trend zur Tragfläche schließt sich Marc Lombard, selbst Foil-Pionier, bei den Minis nicht an.

Für und Wider von Foils

Autopiloten, die ein stabiles Foiling ermöglichen, gibt es noch nicht, gibt Lombard zu bedenken. Das wirft auf Langstreckenregatten also die Frage auf, ob Foiling mit dem Schlafmanagement zu vereinbaren ist. Zudem hält Lombard Foils unter den Bedingungen des Mini-Transat auch für ein Sicherheitsrisiko, zum Beispiel durch treibende Container auf hoher See. Kurz gesagt: Inshore-Foils, ja gerne. Offshore-Foils eher nicht.

 
 
 
 
 
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Ein Beitrag geteilt von Thomas Tison | Naval Architect (@tisontom) am

 

 

 

In eine ganz andere Richtung als die Marc Lombard Design Group geht allerdings der jüngste Entwurf von Thomas Tison. Er peilt schon jetzt einen voll foilenden Mini an. Tison treibt das Scow-Konzept auf die Spitze und liefert einen nahezu traditionell anmutenden Prahm mit fast viereckigen Linien. Gebaut wird seine Konstruktion in Deutschland, bei Knierim in Kiel. Wer weiß jetzt schon, welche Fortschritte die Autopiloten machen, bis 2021 die nächste Generation der Mini-Prototypen an den Start geht?

Ein ausführliches Porträt der Marc Lombard Design Group folgt demnächst auf Segelreporter.

2 Kommentare zu „Mini-Transat – Warum Marc Lombard das Scow-Spiel nicht mitspielt“

  1. avatar Roar sagt:

    “Axel Tréhins Prototyp ist im Vorschiff ebenso extrem breit wie die Scows. Auch hier ist also mit zusätzlicher Formstabilität zu rechnen.”

    Der Vorteil der Scows liegt in der geradlinigen Kimm, die bei Krängung wie ein schlanker Katamaranrumpf im Wasser liegt und höhere Geschwindigkeiten ermöglicht.
    Darüberhinaus zeigen Kimm und Kielfinne bei den Scows in die gleiche Richtung, was den Widerstand gegenüber Spitzbugbooten minimiert.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 3

  2. avatar Roar sagt:

    Das Warten hat ein Ende !

    …. the starting signal for the first leg (La Rochelle/Las Palmas de Gran Canaria) will finally sound on Saturday 5 October. Given the tide times on Saturday in La Rochelle, the Mini 6.50s will leave the Bassin des Chalutiers between 07:30 and 09:30 hours, for a scheduled start at 10:30 hours.

    https://www.minitransat.fr/en/news/cue-start-mini-transat-la-boulangere-saturday-1030hrs

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 1

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