MOD70: „Gitana XV“ soll als erster Trimaran bei Hochseeregatten foilen

Fliegen auch auf hoher See

Was soll das mit dem Foilen bloß in der Welle werden? © gitana

Was soll das mit dem Foilen bloß in der Welle werden? © gitana

Noch ist alles in der Testphase – und dennoch: In Lorient wird schon wieder Segelgeschichte geschrieben. Zwei Foil-Desgins im Trimaran-Test.

Eigentlich sollte schon zur letztjährigen „Route du Rhum“ die Katze aus dem Sack gelassen werden. Auf der MOD 70 „Edmond de Rothschild Gitana“ wollte Sebastien Josse einhand auf Foils über den Atlantik „schweben“. Doch die Entwicklungs- und Umbauphase für das engagierte Projekt gestaltete sich als „zeitraubend und nervtötend“ wie Josse dies einmal formulierte.

Jedenfalls hätte das Gitana Team nicht ausreichend Zeit für intensive Praxistests gehabt, geschweige denn Sebastien Josse für ein anständiges Einhand-Training.

Doch immerhin begannen Skipper und Shore-Crew mit der Route du Rhum eine Art „Zwei-Phasen-Test“: Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit fuhr Josse mit T-Foil-Rudern – sozusagen als Testphase 1 – und prüfte deren Performance auf Dauer in hoher See. Mit Erfolg: In der Ultime-Klasse raste Josse hinter den doppelt so großen “Banque Populaire” und “Spindrift” auf Platz drei.

„Jetzt sind wir mitten in Phase 2“ erläuterte der Leiter des Gitana XV-Projektes, Cyril Dadashti, während der Trimaran aus den riesigen „Bastelhallen“ des Baron de Rothschild-Teams gezogen wurde: „Wir wollen, dass unsere Zigeunerin endlich fliegt!“ GitanaXV soll das schaffen, was “Hydroptère” in all den Jahren nicht gelungen ist. Eine längere Strecke unter Rennbedingungen auf Tragflächen segeln.

Zwei Arten Foils

Zunächst hat sich offenbar nicht viel geändert an der MOD70. Die Schwimmer- und Rumpfform ist so, wie in der MOD Einheitsklasse vorgesehen, die wegen Sponsormangels kläglich gescheitert ist. Doch beim zweiten Blick auf den eleganten “Vogel“ springen dem Betrachter vor allem die Anhängsel ins Auge.

Da wären zunächst die T-Ruder. „Sie wurden in der Vertikale und unten am „T“ deutlich verlängert,“ erläutert der technische Leiter Pierre Tissier. „Eine Erfahrung aus der Route du Rhum. Außerdem haben wir ein völlig neues Aufholprinzip für das Ruder konstruiert und die Fläche der „Plattform“ deutlich vergrößert, weil ja nun durch die Foils weiter vorne der Druck auf den Auftriebsflächen des T-Foils erhöht wird!“

Zentnerschwere Foils © zedda/gitana

Fette Foils © zedda/gitana

Ungefähr in der Mitte der Schwimmer hat das Gitana Team asymmetrische Foils angebracht. Soll heißen: An Steuerbord ist ein C-Foil zu erkennen, an Backbord ein L-Foil. „Dieser Trimaran ist für uns wie ein schwimmendes Labor. Wir wollen so viel und so gut es geht testen, testen, testen,“ erklärt Antoine Koch, Entwicklungschef im Gitana Team.

„Hydrodynamisch ist das C-Foil ein sehr wirksames Instrument, da es nur sehr geringe Wirbelschleppen nach sich zieht. C-Foils heben das Schiff hervorragend an – doch bei der Flugstabilität gibt es Probleme,“ erklärt Koch. „Auf der anderen Seite haben wir das L-Foil. Hiermit wird zwar eine starke Schleppe erzeugt, aber die Flugstabilität ist bestechend. Diese Art „Anhängsel“ sind auf hoher See noch echte Unbekannte. Aber genau das finden wir ja so spannend – wir können kaum die ersten Tests unter Segeln abwarten.“ Und am 9.Mai soll, je nach Wetterlage, bereits bei der berühmten Offshore-Regatta „Tour de Belle Ile“ teilgenommen werden.

Wie fliegt es sich in der Welle?

Alles wird davon abhängen, wie sich die jeweiligen Foil-Designs im offenen Meer bei Seegang verhalten. Zwar haben die AC72 des America’s Cup gezeigt, dass in Buchten, wo kaum Wellengang herrscht, die L-Foils eine durchaus gute Wahl sind. Doch was passiert in einer Flugphase, wenn die Wellen zwei bis vier Meter hoch sind?

Eigentlich sind MOD70 ja bekannt dafür, dass sie sowieso mehr fliegen als durch die Wasser stechen – auch ohne Foils © zedda/gitana

Eigentlich sind MOD70 ja bekannt dafür, dass sie sowieso mehr fliegen als durch die Wasser stechen – auch ohne Foils © zedda/gitana

Derzeit rast Gitana VX vor der Bucht von Lorient und absolviert auf jedem Bug diverse Testreihen. „Was hier und heute auf dem Wasser passiert, ist maßgeblich für die Zukunft des Gitana Teams“, lässt Dadashti durchblicken.

Hinter den Kulissen wird schon seit Monaten gemunkelt, dass mit den Erkenntnissen, die derzeit auf der MOD70 gewonnen werden, schon bald ein 100-Fuß-Trimaran auf Kiel, pardon: Foil gelegt werden soll.

Das dafür nötige Kleingeld wurde offenbar von den Rothschilds schon bereit gelegt…

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Michael Kunst

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