Neuer Mini mit Foils – Thomas Tison präsentiert Entwurf bei Multiplast

Im Schuhkarton über den Atlantik fliegen?

Yachtdesigner Thomas Tison hat einen Plan für einen neuen foilenden Mini. Er geht zurück auf ein deutsches Forschungsprojekt. 

Foils an Minis sind an sich nichts Neues. Schon 2015 startete Simon Koster auf “Eight Cube” mit Tragflügeln bei der Mini-Transat-Regatta. Und derzeit segelt Tanguy Bouroullec mit seinem Pogo-Foiler aus der Feder von Foil-Spezialist Guillaume Verdier die Konkurrenz in Grund und Boden.

Yachtdesigner Thomas Tison präsentiert sein Mini-Projekt bei Multiplast

Yachtdesigner Thomas Tison präsentiert sein Mini-Projekt bei Multiplast © Tony Guillou

Aber jetzt hat Yachtdesigner Thomas Tison bei der Hightech-Werft Multiplast in Vannes einen Entwurf für einen neuen foilenden Mini vorgestellt. Der radikale Entwurf ähnelt einem Schuhkarton mit seinen vierkantigen Linien und seinem Prahmsteven.

Mini als Sprungbrett zur Vendée Globe

Tison hat ehrgeizige Pläne mit dem Projekt. Die Mini-Szene stellt traditionell das Sprungbrett in die Welt der Einhand-Offshore-Szene dar. Ultimatives Ziel: die Vendée Globe. Bisher führte der Weg dahin oft über Klassen wie Figaro 3 oder Class 40.

Thomas Tisons 650PRO soll mit Foils, Pendelkiel und T-Foils am Ruder stabil fliegen

Thomas Tisons 650PRO soll mit Foils, Pendelkiel und T-Foils am Ruder stabil fliegen © Thomas Tison

Im Vergleich zu den aktuellen Imocas sind Figaro 3 und Class 40 jedoch konservativer. Die Class 40 erlaubt gar keine Foils. Die Figaro 3 hat zwar welche, aber die Boote fliegen nicht. Tisons 650PRO soll die Skipper nun direkt auf die großen Foiler vorbereiten können.

Regattaserie über mehrere Jahre

Zu diesem Zweck hat der Yachtdesigner eine mehrjährig angelegte Rennserie ausgebrütet. Sie soll eigene Regatten für 650PRO umfassen, aber es soll auch eigene Gruppen auf Mini-Events geben. 2022 soll es losgehen, 2023 sollen die Boote dann im Rahmen der übernächsten Mini-Transat-Regatta starten.

Die Serie dient nicht nur dem Training, sondern soll auch Kosten strecken. Mit über 450.000 Euro liegt die 650PRO weit, weit oberhalb üblicher Mini-Budgets. Doch über vier Jahre und als Vorbereitung einer Vendée-Globe-Kampagne könnte das Angebot attraktiv sein, hofft Tison.

Prototyp mit deutscher Beteiligung

Immerhin gibt es schon einen verwandten Prototyp. Verantwortlich dafür ist ein Forschungsprojekt mit drei Parteien: Das Alfred-Wegener-Institut (AWI), Knierim Yachtbau und Thomas Tison. Federführend war die Gruppe „Bionischer Leichtbau“ im AWI.

Ergebnis der Topologieoptimierung: Lastpfade im Rumpf

Ergebnisse der Topologieoptimierung I: Lastpfade in der Innenstruktur @ Alfred-Wegener-Institut

Das konkrete Thema hieß Topologieoptimierung. Dabei geht es kurz umrissen darum, das Material eines Bauteils dort anzulagern, wo die Lasten auftreten. Anders gesagt: Die Topologiepoptimierung frisst dort Material weg, wo es nicht benötigt wird.

Forschungsobjekt Mini

Bei der Untersuchung eines Bootsrumpfes hatte man im AWI festgestellt, dass die Lastlinien eher einen dreidimensionalen Verlauf nehmen. Mit anderen Worten: eine traditionelle Außenhaut ist vielleicht gar nicht der optimale Aufbau eines Bootsrumpfes.

Ergebnisse der Topologieoptimierung II: Lastpfade in der Innenstruktur

Ergebnisse der Topologieoptimierung II: Lastpfade im Rumpf @ Alfred-Wegener-Institut

Um das weiter zu untersuchen, startete man ein neues Projekt und zielte auf einen Mini, um die Kosten im Rahmen zu halten. Man landete schnell bei Knierim in Kiel als Bauwerft. Knierim kam auf der boot in Düsseldorf mit Thomas Tison als Designer ins Gespräch.

Zufriedenstellende Ergebnisse

Die gemeinsamen Ergebnisse sind zufriedenstellend, aber nicht spektakulär. Der Algorithmus verbesserte die Konstruktion, aber da der Rumpf einen bewohnbaren Innenraum braucht, ließen sich manche Lösungen nicht im Bau umsetzen, sagt Steffen Müller von Knierim.

Der fertige Prototyp bei Knierim in Kiel im Herbst 2020

Der fertige Prototyp bei Knierim in Kiel im Herbst 2020 @ Knierim Yachtbau

Nils Niebuhr vom AWI erläutert zudem, dass der kleine Mini-Rumpf aus sich heraus schon sehr steif ist. Die Software optimierte den Laminatplan, aber die Struktur besteht immer noch aus Spanten und Stringern. Bei größeren Booten wäre ein größerer Innovationseffekt zu erwarten.

Neuer Start für das Design

Immerhin flog das Boot beim Test im Herbst 2020 wie geplant auf dem Nord-Ostsee-Kanal. Doch da auf dem Mini kein Abstand gehalten werden kann, liegt die weitere Entwicklung derzeit auf Eis, obwohl in Deutschland das Interesse an der Mini-Szene wächst.

Der Prototyp fliegt @ Knierim Yachtbau

Inzwischen hatten sich allerdings bereits einige Segler, Werften und mögliche Sponsoren bei Thomas Tison gemeldet. Erste Renderings des Projekts hatten schon rund um den Start der letzten Mini-Transat 2019 für Aufsehen gesorgt.

Multiplast steht in den Startlöchern

Mit der Erfahrung vom gemeinsamen Prototyp überarbeitete Tison über den Winter 2020/21 seinen Entwurf. Er passte den Rumpf ebenso an wie die Foils. Letztere kommen jetzt weniger V-förmig daher, sondern verfügen über einen längeren horizontalen Abschnitt.

Der überarbeitete Entwurf des 650PRO

Der überarbeitete Entwurf des 650PRO @ Thomas Tison

Das Boot soll schnell abheben und dank eines T-Foils am Ruder stabil fliegen. Das Handling soll so einfach wie möglich sein. Mit Multiplast steht nun eine renommierte Werft bereit, während Thomas Tison die Werbetrommel für sein Projekt rührt. Man darf gespannt sein.

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