Das sturmumtoste Kap. Wie wird es geschrieben? Halten wir es mit den Holländern?

Kap Horn, Hoorn oder Hornos?

Iker Martinez am Kap Ho(o)rn. Die Spanier haben kein O-Problem. Für sie ist es ein "Hornos". © FNOB

Ach, ich kann sie nicht mehr hören, diese Nörgler und Besserwisser, diese weichgespülten Bücherwürmer. „Es heißt Kap Hoorn mit Doppel-oo und nicht Kap Horn nur mit einem o. Benannt nach seinem Entdecker Willem Cornelisz Schouten, der aus der niederländischen Stadt Hoorn stammt.“

Ja, ist denn das euer Ernst? Die netten Nachbarn aus dem Käseland erheben Anspruch auf die Namensgebung dieses einzigartigen, mystischen Ortes? Das Kap aller Kaps, die Sturm-umtosten Felsen an der Schnittstelle der beiden größten Meere, die dieser Planet zu bieten hat, die eisige Ruhestätte für ungezählte, Ozean-gestählte Seefahrer soll benannt sein zu Ehren eines Mannes, dessen Name danach klingt, als sei es seine größte seefahrerische Leistung gewesen, sich mit einem Plattbodenschiff auf das Watt hinaus zu wagen.

Boris Herrmann zieht sich auch ohne die deutsche Ho(o)rn-Problematik aus der Affäre, indem er die Sprache seines Partners wählt. © FNOB

Ich meine, hätte man einen Seefahrer mit dem Klang eines Sir Francis Drake zum Patron für diese Passage zwischen zerklüfteter Bergwelt und Eisbergen erkoren, okay. Aber Schouten? Hoorn taugt vielleicht als Bezeichnung für eine Untiefe im IJsselmeer, aber doch nicht für die Südspitze Südamerikas, für das Ende Feuerlands.

„Selbst der Teufel würde hier erfrieren“, sagte Charles Darwin einst. Hier treffen die Elemente aufeinander, hier brodelt das Meer, hier sind Orkane häufiger als Plagiate von Karl Theodor zu Guttenberg. Dies ist die Spitze, das Horn, eines Landmassivs – so etwas wie das Matterhorn oder das Horn von Afrika, nur eben noch viel gewaltiger.

Die "Estrella" Jungs stoßen mit ihrem Bier auf Cabo Hornos an, das Kap der Feuertöpfe. © FNOB

Die Engländer machen um dieses „oo“ keinen Wirbel. Die Koordinaten 55° 59′ südlicher Breite und 67° 16′ westlicher Länge sind unbestritten das Cape Horn. Klare, knappe Ansage: Dies ist die Spitze! Und für die Spanier ist es das Cabo de Hornos, das Kap der Feuertöpfe.

Ich pfeife auf dies basisdemokratische Gefasel über die mehrheitliche Nutzung des „oo“ im Deutschen. Sei’s drum, dass es bei Google über 800.000 Einträge für Kap Hoorn gibt, aber nur 230.000 für Kap Horn. Was wir an dieser Stelle brauchen, sind keine Abzählreime, sondern klare Bekenntnisse von Leuten, die sich damit auskennen.

Die "Gaes"-Mädels kümmern sich schon gar nicht um holländische Kap-Umfahrer. © FNOB

Wenn ihr also der Meinung seid, dass ein Mitglied unserer Segelgemeinde das Kap Hoorn umrundet hat, wenn ihr also glaubt, diese Leistung sollte klingen, als hätte er einen Laib Käse zum Markt gerollt, dann klickt unten den Dislike-Button.

Wenn ihr aber der Meinung seid, unser Segelhero, unser aller Boris Herrmann, hat den Stier bei den Hörnern gepackt, hat nach wochenlangem Kampf mit härtesten Stürmen und Wellen und trotz Kielschaden und verlorenem Segel das Ende der Welt besiegt, dann sorgt dafür, dass alle Welt erfährt, dass er das Kap Horn bezwungen hat und drückt den Like-Button.

Die "Renault"-Crew verzichtet sogar ganz auf das Cabo. © FNOB

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Ralf Abratis

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9 Kommentare zu „Das sturmumtoste Kap. Wie wird es geschrieben? Halten wir es mit den Holländern?“

  1. avatar Uwe sagt:

    In älteren Berichten ist auch manchmal von “die Hoorn” statt “dem Kap Hoorn” die Rede. Weiß jemand, was es damit auf sich hat?

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  2. avatar Sven sagt:

    Da ist wohl ein Fehler in der Anmoderation …….”we are Water ” ist zwar weit abgeschlagen aber der Südspitze Afrika’s sind sie dann doch schon vorbei !
    🙂

    …….und wenn man in den tiefen Südwesten dieser Republik hört würde dieser sagenumworbene Ort den namen “Kap Hörnle” haben !!(mit einem Ö!!)

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  3. avatar Ostnordost sagt:

    Like. Schließlich heißt er ja auch Boris und nicht Booris.

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  4. avatar Arne sagt:

    Das Kap an der Südspitze Afrikas hat ein O auf Deutsch und vier (!) OOOOs auf Englisch

    Klare Ansage…

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  5. avatar Matti sagt:

    Ich sach ma so
    zum Thema “O”:

    Der Förster, der grad Möhren dörrte
    und dabei ein Röhren hörte,
    sprach: “Wer den Hirsch beim Röhren stört,
    der eben in den Föhren röhrt,
    dem schlag’ ich meine Möhren
    achtkantig um die Ohren.”

    Das is leider nich von mir, sondern vom unvergessenen und genialen Gernhardt.

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  6. avatar Iskareen sagt:

    Es soll ja schon mal vorkommen, dass Landmarken in unterschiedlichen Sprachen verschiedene Schreibweisen haben – wer würde sich denn hier ums Cape of Good Hope oder Ushant echauffieren? Heisst auf Deutsch auch anders….
    Viel wichtiger: Wer hier herum ist, genießt einige Privilegien, die dem Normalo versagt bleiben: Er darf die Füße auf den Tisch legen, gegen den Wind schiffen, sich bei den Cap Horniers anmelden, sofern er noch existierende Vereinigungen findet, zu Shanties schunkeln, öffentlich erotische Literatur für Frauen zitieren (Hallo Abu..) und noch vieles mehr! Dafür lohnt es sich doch allemal, die Strapazen auf sich zu nehmen!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

  7. avatar SöSö sagt:

    Das grundsätzliche Problem bei Entdeckern ist doch, daß man den Credit nicht immer zugesprochen bekommt. Ihr kennt doch sicherlich alle Meyers Sand vor Blankenese. Als der nach eine Sturmflut in zwei Teile durchgebrochen ist, da habe ich an Bord des Finn-Dinghies “Warze” die Welterstdurchsegelung vorgenommen. Und was ist? Gar nichts! Der Durchbruch hat immer noch keinen Namen, und Sö-Straße haben das WSA und das DHI noch nicht anerkannt….

    😉

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  8. avatar Francisco Rompeltien sagt:

    Cabo de Hornos sagt man auf Spanisch. Es liegt in die Südspitze Südamerika und gehört zu Chile.

    In Chile spricht man Spanisch, also sollte Cabo de Hornos sein.

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