Jules Verne Trophy

„Groupama 3“ hangelt sich durch Dschungel von Hochdruckgebieten

„Groupama 3“ in voller Fahrt © Groupama; www.cammas-groupama.com

Heute Morgen, nach 9 Tagen und 18 Stunden auf See, konnte der 31,50 Meter lange Trimaran von Franck Cammas noch einen Vorsprung von 302 Seemeilen auf den virtuellen Gegner und Rekordhalter „Orange II“ verzeichnen.

Derzeit segelt „Groupama 3“ mit Kurs 165° und 21,4 Knoten Speed weiter gen Süden. Am Dienstag Nachmittag hatte die 10-Mann-Crew vor der Küste Brasiliens gehalst, und musste sich einen schmalen Weg durch zwei Wind arme Hochdruckgebiete hindurch suchen. Das sich der Vorsprung auf Bruno Peyrons „Orange II“ dabei verringern würde, war schon gestern klar. Während der Nacht rutschte der Speed des Tris mehrfach unter die 20-Knoten-Marke. Mit nun immer noch über 300 Seemeilen Vorteil konnte die Crew der „Groupama 3“ den Verlust jedoch in erträglichen Maßen halten.

Skipper Franck Cammas steuert seine „Groupama 3“ © Groupama; www.cammas-groupama.com

Von nun an öffnet sich vor dem Tri jedoch eine breite Straße in direkte Richtung auf das Kap der Guten Hoffnung. Einmal in den südlichen 40er Breiten sollte es der Cammas-Truppe möglich sein, den Gashahn auf zu drehen und Etmale von über 600 Seemeilen zu erreichen. Letztlich ist dies jedoch sogar ein muss, denn auch Skipper Bruno Peyron fegte im Jahr 2005 mit solch riesigen Etmalen durch diese Breiten.

Dieser Fakt wiederum könnte Franck Cammas in Entscheidungsprobleme bringen. Lässt er seine „Groupama 3“ volles Rohr laufen, riskiert er eventuell einen Schaden am Schiff oder gar eine Kenterung, wie es ihm an ähnlicher Stelle bei seinem ersten Versuch, die Jules-Verne-Trophäe zu erkämpfen, widerfuhr. Segelt er hingegen zu vorsichtig, schafft er die vorgegebenen Marken des Rekordhalters nicht.

Dies eröffnet auch ein Parallele zum derzeitig vor Valencia ausgetragenen America’s Cup. Dort segelt – ähnlich wie derzeit virtuell in der Jules Verne Trophy – ein Katamaran vom Team Alinghi gegen einen Trimaran vom Team BMW/Oracle. Beim Design des Tris arbeiteten im übrigen einige der gleichen Personen mit, die auch den Tri von Franck Cammas zeichneten, der wiederum in der Phase vor dem America’s Cup sogar mit dem Team BMW/Oracle zusammen trainierte. Verächtliche Töne in Valencia behaupten darum sogar, es sei ein französischer Trimaran mit dem Larry Ellison den America’s Cup gewinnen wolle, kein amerikanischer.

Wie auch immer – auch vor Valencia zerbrechen sich die Betrachter vor dem ersten Rennen den Kopf darüber, welches Boot wohl das Schnellere ist. Rein vom Speed-Potenzial dürfte es wohl der Tri von BMW/Oracle sein. Was aber, wenn vor Spaniens Küste plötzlich mehr Wind und Wellen auftreten, als eine derart große und – im Verhältnis – leichte Konstruktion vertragen kann? Verabschiedet sich dann Ellisons Tri in seine Einzelteile? So wie sich Franck Cammas Tri bei seinem ersten Jules-Verne-Versuch zerlegte?! Zieht dann der vermeintlich stabilere Kat von Alinghi mit winkender Crew an Bord vorbei?!

Zurück zur Jules Verne Trophy: Eben mit ähnlichen Gedanken wird sich Franck Cammas herum schlagen, wenn es darum geht, im Southern Ocean richtig Gas zu geben. Zuviel Speed kann ein Desaster hervorbringen, zu wenig macht wiederum den Traum von der Jules Verne Trophy zunichte.
Und selbst wenn er einigermaßen vorsichtig segelt und den famosen Rekord von Bruno Peyron und „Orange II“ (50 Tage16 Stunden, 20 Minuten) knapp brechen würde. Wäre es genug, um die Bestmarke wenigstens für ein Jahr lang zu sichern? Mit Skipper Pascal Bidégorry und dessen 40 Meter langem Trimaran „Banque Populaire V“, steht längst ein weiterer Jäger der Jules Verne Trophy im Norden Frankreichs in den Startlöchern, einzig und alleine auf ein gutes Wetterfenster wartend. Jener Pascal Bidégorry, der mit seinem Schiff schon Cammas Transatlantik-Rekord um mehr als 12 Stunden unterbot (jetzt: 3 Tage, 15 Stunden), und mit 907 Seemeilen den 24-Stunden-Rekord in schier unfassbare Weiten katapultierte.

Es wird also weiterhin schwer bleiben für Franck Cammas und seine Crew an Bord der „Groupama 3“. Er muss den Druck von allen Seiten aushalten. Nicht nur den von Wind und Wellen, sondern auch den aus der Vergangenheit und der Zukunft. Was soll’s – er muss weiter pushen. „Wer zögert kommt nie nach Jericho!“ (Philippe Djian)

Position von "Groupama 3" (grüner Tri) und virtuellem Gegner "Orange II" (oranger Kat) nach 9 Tagen und 19 Stunden auf See. © Groupama; www.cammas-groupama.com

„Groupama 3“ mit über 27 Knoten weiter auf Rekord- Kurs

Mathias Müller

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