Mini-Transat 6.50: Sechs Frauen gegen 73 Männer. Wo sie herkommen.

Segelnde Traumfrauen

Die sechs weiblichen Teilnehmerinnen beim Mini-Transat.

Sechs Frauen neben 73 Männern. Deutlicher kann das Geschlechter-Verhältnis im internationalen Hochseeregattasport nicht ausgedrückt werden. Eine der prestigesträchtigsten Regatten überhaupt, die zudem mit einem (vergleichsweise) bescheidenen Budget bestritten werden kann, lockt gerade eben sechs Seglerinnen an den Start!

Woran das liegen könnte? Die Organisatoren der MiniTransat 650 von La Rochelle nach Bahia/Brasilien (Zwischenstopp auf Madeira, gesamt 4.200 sm auf sog. Minis, 6,50 m lang und 3 m breit) haben sich schon oft die Köpfe darüber zerbrochen. Denn gerade die Hochseeregatta-verrückten Franzosen, Engländer und etwa Australier hätten reichlich „Potential“ in ihren Reihen junger und erfahrener Seglerinnen.

Also unwillige Sponsoren?Wohl kaum. Denn ernsthaft segelnde Frauen stellen sich nachweislich pfiffiger an, wenn es um die Vermarktung ihrer Kampagne geht. Ist es den Damen da draußen etwa doch zu hart? Nnjaaaaein! Denn die meisten aller bisherigen Teilnehmerinnen der Mini Transat 650 haben nach ihrer Transat-Erfahrung weitaus härtere Regatten bestritten, teils sogar dominiert. Doch eben erst nach dieser Erfahrung!

Und genau hier machen Organisatoren der Mini-Transat das Problem aus: Der Mythos lockt, schreckt aber auch ab! Oder um es mit den Worten von Ellen MacArthur,  Mini-Transat-Teilnehmerin 1997 (15. Rang Serienboote) zu formulieren: „Ich hatte richtig Bammel davor, mit diesen rasenden Nussschalen, die sich ähnlich instabil segeln wie ein Laser, durch den Atlantik zu heizen! Doch erstmal unterwegs, wurde es zu einer der schönsten und wichtigsten Erfahrungen meiner gesamten Karriere!“

Ähnlich sieht das auch die französische Segel-Ikone Isabelle Autissier, die 1987 immerhin Dritte wurde. „Ich bin auch heute noch davon überzeugt, dass das Mini-Transat der beste Beginn für eine Karriere als Hochseeregattaseglerin ist! Nur: Frau muss eben die Entscheidung fällen. Danach läuft alles wie von selbst!“

Immerhin: Noch nie waren „so viele“ Frauen am Start wie in diesem Jahr. Ein kurzer Check, wer es diesmal wagt:

Zweimalige Hobie Cat Weltmeisterin Marie Duvignac FRA, 32

Marie Duvignac, Frankreich, 32, Toulon. Serien-Mini Tiptop, Bj. 2006

Sie ist alles andere als ein unbeschriebenes Blatt: Aufgewachsen als typisches Küstenkind (mehr auf der Yacht der Eltern als an Land), beginnt sie als Jugendliche mit dem Katamaran-Segeln. Und brilliert schnell auf dem Hobie.

Zehn  Jahre lang macht sie die Dreieckskurse der Welt unsicher, wird 2 x Weltmeisterin, holt sich 1 x den Vizetitel und wird mehrfach Europameisterin. Dann hat sie von einem Tag auf den anderen genug, wollte wissen, was hinter den Bojen liegt. Sie geht „in die Hochseelehre“ bei der Tour de France de Voile  auf den Figaros, segelt 3 Regattasaisons Melges.

2009 leistet sich die Redakteurin bei einer südfranzösischen Lokalzeitung ihren Mini. Prämisse: Egal wann frau ankommt, nur nicht aufgeben. Ihre ersten Regatten enden dennoch vielversprechend: 3. beim Grand Prix Italien, 4. beim Mini Max Hexis Cup. Ihr Motto bei diesem Mini-Transat: „Obwohl ich eine Menge Vertrauen in mein Schiff habe – nur nicht zu weit gehen!“ 

avatar

Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier
Spenden
https://northsails.com/sailing/de/

Ein Kommentar „Mini-Transat 6.50: Sechs Frauen gegen 73 Männer. Wo sie herkommen.“

  1. avatar Backe sagt:

    Prima Bericht … Hatte auf etwas derartig Erhellendes gehofft, als ich die Mädels in der Liste gesehen hatte. Jetzt fehlt nur noch die inoffizielle Bestenliste der Mädels auf der Veranstalter-Seite.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *