OK-WM in Thailand: Königsklasse im Urlaubsparadies

Des Monarchen alte Liebe

OK WM, Budzien, Monarch, König Rama IX

Start zum vierten Lauf, den Budzien versemmelte © Cat Robson

Dass die OK-Segler derzeit ausgerechnet in Thailand ihren Weltmeister ermitteln, ist kein Zufall. Sogar seine Majestät König Bhumibol Adulyadej hat eine enge Beziehung zu der 4-m-Sperrholzklasse.

„Als ich zum ersten Mal davon hörte, dass die OK-WM 2013 in Thailand stattfinden soll, hab’ ich gleich mit meiner Familie einen Urlaub inklusive Segeleinlage geplant,“ erinnert sich André Budzien. Das war bereits vor zwei Jahren und damals rechnete er wohl noch nicht damit, dass er auf dieser Regatta als Titelverteidiger am Start sein wird. Denn der Finn-Profi holte sich im letzten Jahr überraschend souverän bei seinem ersten Versuch gleich den WM–Titel in der OK-Jolle. Nun hat er vor dem Strand des Royal Yacht Clubs in Pattaya zwei ziemlich widersprüchliche Aufgaben zu erledigen: Relaxen mit den Lieben und Luvkampf mit den OK-Kollegen.

OK WM, Budzien, Monarch, König Rama IX

Bestes Segel- und Urlaubswetter im Golf von Thailand © Cat Robson

Weltmeisterschaftlicher Urlaub?

72 Teilnehmer aus aller Welt, von denen auffallend viele mit Kind und Kegel anreisten, zeugen an sich schon mal von der hohen Attraktivität der Klasse, aber auch vom touristischen Reiz des thailändischen Sommers. Oder anders formuliert: Die Segler bewegen ihre 4m-Jolle derzeit bei 33° C Luft- und 25 °-Wassertemperatur und dürften trotz ziemlich kniffliger Bedingungen (2 Starts mussten bereits wiederholt werden, weil die Flotte von der Tide über die Linie geschoben wurde) eine Menge Spaß haben.

Was nun wieder nicht heißen soll, dass hier lusche Urlaubssegelei stattfindet: Das Feld ist hochkarätig mit 4 ehemaligen und eben einem amtierenden Weltmeister besetzt. Logisch, dass sich da nichts geschenkt wird und es vorne ziemlich eng zugeht.

Nach zwei Tagen und vier Läufen liegt der Australier Roger Blasse mit 8 Punkten ziemlich souverän vorne, gefolgt vom britischen Favoriten Nick Craig (11 Zähler) . André Budzien mischte wie erwartet während der ersten drei Läufe mit 11 Punkten auf Rang drei vorne mit, doch ein Frühstart im vierten Lauf katapultierte ihn zunächst einmal auf Rang 15. Sowas kann passieren, wenn’s vorne eng wird und man gleich an der Startlinie Akzente setzen muss!

OK WM, Budzien, Monarch, König Rama IX

Rama IX in den Sechziger-Jahren mit seinem Lieblingsspielzeug © historisch

Seine Majestät und die OK-Jolle

Akzente setzt bei dieser WM auch ein historischer Bezug, der selbst in der anekdotenreichen Welt des Segelsports ziemlich einmalig sein dürfte: Seine Majestät König Bhumibol Adulyadej segelte einst höchstpersönlich sehr erfolgreich auf der OK-Jolle, ja baute sogar drei dieser Sperrholzkisten selbst in der Palastschreinerei.

König Bhumibol Adulyadej der Große, kurz: Rama IX (85) ist seit 1946 König von Thailand und somit das am längste amtierende Staatsoberhaupt der Welt. Er wird von den Thailändern zutiefst verehrt und hat (trotz mehrerer Militärputsche während seiner Amtszeit) tiefgreifende, demokratisierende Reformen in der thailändischen Gesellschaft initiiert. 1993 öffnete er nach einem Massaker der Militärs den verfolgten Demonstranten seinen Palast und rang den Militärs kraft seiner königlichen Autorität das Versprechen ab, die Waffen nieder zu legen.

Viele Reformen, wegweisende landwirtschafliche und touristische Projekte wurden und werden bis heute von ihm selbst finanziert. Kunststück: Rama IX gilt mit einem geschätzten Vermögen von 35 Milliarden Dollar als der reichste Monarch der Welt.

Der König und die Prinzessin © royalOK

Königlicher Selbstbau

Ausgerechnet dieser gottgleich von seinem Volk Verehrte segelte in den Sechziger, Siebziger- und Achtziger Jahren leidenschaftlich gerne und häufig auf seinen selbst gebauten OK-Jollen! 1966 durchquerte er einhand und offensichtlich ohne jegliche Begleitung einsam den Golf von Thailand – immerhin 60 sm in 17 h auf einer nicht gerade für ihre Stabilität bekannten 4m-Jolle. Damals ein „unerhörtes Unterfangen“ für einen Monarchen, der sich zumindest in punkto Segeln nur wenig um Etikette scherte. In den folgenden Jahren wurde er oft bei internationalen Regatten am Start gesehen und als die vierten Südost-Asien-Spiele in Thailand ausgerichtet wurden, holte er sich die Goldmedaille. In der OK-Jolle, selbstredend!

Auch heute lässt sich König Bhumibol Adulyadej der Große regelmäßig über die OK-Klassenaktivitäten unterrichten und es gibt ein Gerücht bei Hofe, dass Rama IX manchmal im Königlichen Yachthafen versonnen und in Erinnerungen schwelgend über die Formen einer OK-Jolle streicht.

Wer weiß, vielleicht wird der neue  (und alte?) Weltmeister ja sogar von seiner Majestät geehrt? Dafür müsste dann aber kurzfristig die Urlaubsshort gegen einen Frack eingetauscht werden!

Event-Website mit aktuellen Ergebnissen

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „OK-WM in Thailand: Königsklasse im Urlaubsparadies“

  1. avatar Schmiddi sagt:

    Schöner Bericht- aber soviel Phantasie habe ich nicht mir beim aktuellen Deutschlandwetter 25° Wasser und 35° Lufttemperatur vorzustellen. Dazu schöne Welle, blaues Wasser und 5 Bft.
    Leider funktioniert der Link zur Eventwebsite nicht.

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