Olympische Spiele: Interview mit Bundesstützpunktleiter Hendrik Ismar

Ausdauertraining in der Sauna

Hendrik Ismar ist Bundesstützpunktleiter in Kiel-Schilksee. Der Mediziner hat die deutschen Segler:innen auf die klimatischen Bedingungen der Olympischen Spiele vorbereitet. Im DSV-Interview erzählt er, welche besonderen Vorbereitungen nötig waren.

Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit sind im Sommer in Enoshima sehr hoch. Die Segler müssen sich entsprechend darauf vorbereiten. Foto: Shutterstock

Welches Klima erwartet das deutsche Team in Enoshima?

In Enoshima herrschen zum Zeitraum der Olympischen Spiele Durchschnittstemperaturen um die 29 bis 30, in Spitzen 35 bis 38 Grad Celsius. Hinzu kommt eine Luftfeuchtigkeit von 75 bis 80 Prozent, wodurch sich die Luft noch einmal heißer anfühlt. Das Wasser des Pazifiks bietet mit durchschnittlichen 26 Grad Celsius keine Abkühlung.

Was kann bei diesen Temperaturen passieren?

Hendrik Ismar, Bundesstützpunktleiter in Kiel Schilksee. Foto: DSV / Lars Wehrmann

Durch das vermehrte Schwitzen steigt die Gefahr der Dehydrierung, also der unzureichenden Versorgung der Körperzellen mit Flüssigkeit. Schon ein Prozent Dehydrierung wirken sich auf die mentale und physische Leistung aus: Die Feinmotorik nimmt ab, die Athletinnen und Athleten brauchen länger, um Situationen zu erfassen und zu reagieren. Muskeln krampfen schneller. Zudem ist ein dehydrierter Organismus in einem Stressmodus und reagiert empfindlicher auf Reize von außen: man wird reizbarer, nimmt Feedback und Kritik des Teampartners oder Trainers nicht mehr so gut auf. Im Extremfall reagiert der Körper mit einem Hitzekollaps, der medizinisch behandelt werden muss.

Wie sieht die optimale Vorbereitung für diese Bedingungen aus?

Ganz wichtig ist, das Trinkverhalten anzupassen – und zwar bereits vor der Reise nach Enoshima: Um in Japan nicht zu dehydrieren, müssen unsere Seglerinnen und Segler pro Tag mindestens sechs Liter Flüssigkeit zu sich nehmen. An diese Trinkmengen muss der Körper Schritt für Schritt gewöhnt werden, damit nicht zu viel Mineralien durch Schweiß und Urin ausgeschieden werden. Auch der Magen-Darm-Trakt benötigt Zeit, um mit der gesteigerten Flüssigkeitsmenge klarzukommen. Das Herz-Kreislauf-System muss daran gewöhnt werden, auch bei Temperaturen und Luftfeuchtigkeit jenseits der europäischen Wohlfühlgrenze Höchstleistungen zu bringen. Wir haben daher am Bundesstützpunkt in Schilksee Ausdauertraining in der Sauna angeboten, um unsere Athletinnen und Athleten peu à peu an die Hitze-Herausforderung heranzuführen.

Welche Hitzeschutzvorkehrungen hat das Team in Japan getroffen?

Vor Ort werden Möglichkeiten zum raschen, aber schonenden Abkühlen eine entscheidende Rolle spielen. Beide Container des German Sailing Teams im Bootspark sind klimatisiert, die Fläche davor beschattet. Die Trainerboote haben wir mit einem individuell gefertigten Sonnenschutz ausgestattet, sodass die Seglerinnen und Segler in den Wettkampfpausen sofort in den Schatten wechseln können. Auf den Trainerbooten stehen Kühlboxen mit isotonischen Getränken bereit, um die Flüssigkeitsspeicher schnell wieder aufzufüllen. Der Veranstalter in Japan hat außerdem zugesagt, für ausreichend Schatten im Bootspark zu sorgen, und stellt pro Sportlerin bzw. Sportler täglich sechs Liter Wasser und sechs Kilogramm Eis zur Verfügung.

Welche Rolle wird das Klima in Japan für die Leistung spielen?

Die Bedingungen sind herausfordernd, keine Frage. Speziell Seglerinnen und Segler in physisch fordernden Klassen wie Laser und 470er könnten an ihre Grenzen kommen. Umso wichtiger wird es sein, dass sie physisch aber auch mental perfekt auf die extreme Hitze und Luftfeuchtigkeit vor Ort vorbereitet sind. Wer sich schon im Vorfeld mit dem japanischen Klima auseinandergesetzt hat und vor Ort nur noch wenig anpassen muss, wird im Vorteil sein.

Quelle: Deutscher Segler-Verband

6 Kommentare zu „Olympische Spiele: Interview mit Bundesstützpunktleiter Hendrik Ismar“

  1. avatar Rolf Albert sagt:

    hm.
    also, ich weiß ja nicht. hier spricht man über ganz normale sommertemperaturen und -bedingungen, wie wir sie hier bei uns ja auch haben. zumindest ab und an… und , bei diesen sommerbedingungen ganz selbstverständlich regatten segeln. dass der körper dann vermehrt schatten braucht und die flüssigkeitszufuhr gesteigert werden muss, das ist zumindest bei mir irgendwie klar. mir sagt das mein körper.
    will hier nicht klugscheißern, aber diesen artikel hätte man sich wohl auch knicken können. die segler ( nein, nicht :innen 😉 ) machen das schon.

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  2. avatar Death Valley sailor sagt:

    geil, „was kann bei diesen Temperaturen passieren“…28-30 Grad, also kurz vor Todeszone…das ganze ist schon ziemlich albern…aber der Titel „Stützpunktleiter“ ist beim DSV glaube ich sowas wie ein Hausmeister im „richtigen Arbeitsleben“…nicht missverstehen aber ich kann mich gerade kaum halten vor lachen!

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    • avatar Hans im Glück sagt:

      schon blöd, wenn man den Unterschied zwischen Höchsttenperatur und Durchschnittstemperatur nicht umreist.
      Und wahrscheinlich noch nie in Schilksee gewesen aber Hauptsache die Klappe aufreißen.
      Die Kommentare hier errinnern mich ein bisschen an eine Queerdenker Demo, da sind auch so viele Leuchten unterwegs.

  3. avatar Andreas Borrink sagt:

    Verbände (besonders deutsche) haben nunmal die Neigung dazu, sich mit einer erstaunlichen Dynamik um sich selbst zu drehen. Das wird viel geselliger, wenn man nur ausreichend (gut dotierte) Posten auslobt. Erinnert irgendwie an die EU……

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    • avatar Observer sagt:

      Es gibt sogar Vereine mit knapp 750 Mitgliedern, die einen hauptamtlichen Geschäftsstellenleiter beschäftigt haben sollen.
      Immerhin müssen da regelmäßig Club-Krawatten verkauft werden, das fordert natürlich, deshalb muss die Buchhaltung auch extern erledigt werden. Sonst verliert man bei einmal jährlichen Beitrags- und Hafenliegerzahlungen schon mal den Überblick. Oh, ja die monatlichen Gehaltszahlungen für2-3 Mitarbeiter kommen ja auch noch. Und das häufige Kommentieren auf SR musste natürlich auch erledigt werden.

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  4. avatar Andreas Borrink sagt:

    Hoch lebe die Anonymität des Internets!
    Das persönliche Signieren von Kommentaren würde viel zu deren höflicher Form und Sachlichkeit beitragen. Und nicht vergessen: es handelt sich stets um Meinungen und persönliche Sichtweisen – der immer objektive Journalismus findet weiter oben statt.
    No further comment.
    Ach ja, doch: bin da lange raus……..

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