Regatta-Absagen: North-Chef will Regatten weiterführen – Nordseewoche unter Druck

"Was könnte sicherer sein als Segeln?"

Der Start-Termin der Nordseewoche (29.5 bis 1.6. 2020) auf Helgoland liegt im kritischen Bereich. Die Kieler Woche Ende Juni wurde bereits verschoben. Was heißt das für den deutschen Seesegel-Klassiker?

Offshore Racing bei der Nordseewoche. 2020 vielleicht mit abgespecktem Programm. © Hinrich Franck

Veranstalter von Sportveranstaltungen haben es dieser Tage schwer. Die Termine stehen fest, aber längst ist nicht klar, wann es eine Lockerung der Corona-Auflagen geben kann. Segelregatten sollten es grundsätzlich einfacher haben als Hallensportarten. Schließlich besteht draußen auf dem Wasser weniger Ansteckungsgefahr als zum Beispiel beim Einkaufen im Supermarkt.

Die Amerikaner scheinen das besonders locker zu sehen. Segellegende Tom Whidden sagt in einem SA-Interview schon: “Was könnte sicherer sein als Segeln? Lasst uns die Regatten weiterführen und an Land social distancing praktizieren. Ich weiß bisher noch von keinem CV-19-Fall auf einem der vielen Reviere, auf denen wir alle segeln.”

Nun ist der Mann Präsident und CEO der North Technology Group. Und er mag die Situation der Branche aus wirtschaftlicher Sicht sehen. Aber seine Meinung wird zumindest in den USA von immer mehr Seglern vertreten.

Nordseewoche unter Entscheidungsdruck

Hierzulande wäre es allerdings auch psychologisch nicht zu verantworten, wenn sich die Segler auf dem Wasser verlustieren während sich der Rest der Menschheit in den eigenen vier Wänden verbarrikadieren soll.

So stehen auch die Veranstalter der Nordseewoche unter Entscheidungsdruck. Der Termin Ende Mai rückt näher und es gibt noch keine Informationen, wie sich bis dahin die Lage an der Coronoa-Front entwickelt haben wird.

Laut eines aktuellen Statements ist nur eines sicher: Es wird eine virtuelle Nordseewoche stattfinden. “Ausnahmslos alle unsere Partner, die boot Düsseldorf, die Capitell AG Vermögens-Management, Pantaenius Yachtversicherungen, Budweiser Budvar, Marinepool, Garmin, Alexseal und die Gemeinde Helgoland, um nur einige stellvertretend für alle Partner zu nennen, unterstützen uns in diesen schweren Zeiten wo sie nur können.

Spannendes Regattasegeln wird es in diesem Jahr zumindest virtuell geben. © boot Düsseldorf / Messe Düsseldorf / ctillmann

Mit Unterstützung insbosondere von Capitell und Pantaenius, wird es zwei virtuelle Regatten geben: Den Capitell-Cup Rund Helgoland und das Pantaenius Rund Skagen Race. Auf www.nordseewoche.org oder in der App von Virtual Regatta, erhältlich im AppStore bzw. GooglePlayStore, wird man als Teilnehmer für die Regatten melden können.”

Auch Regatten auf dem Wasser sind noch nicht abgeschrieben. “Wenn sich die Lage doch noch zum Besseren wendet, das folgende Angebot machen: Falls bis zum 15. Mai 2020 klar ist, dass Helgoland betreten und Regatten gesegelt werden dürfen, werden wir mit einem Minimalteam und unter minimalem Aufwand (Kein Zelt, keine Begleitboote, keine Partys usw.) den Capitell-Cup Rund Helgoland und Pantaenius Rund Skagen stattfinden lassen.

Das alles vorbehaltlich der dann einzuholenden Genehmigungen. Wir werden uns bemühen auch dieses Notprogramm mit der gewohnten Präzision der Wettfahrtleitung der NORDSEEWOCHE durchzuführen, bitten aber schon jetzt um euren Großmut, wenn nicht alles wie in den vergangenen Jahrzehnten läuft.

Drückt alle die hoffentlich gewaschenen Daumen, dass wir der Virtualität auch Realität hinzufügen können!”

3 Kommentare zu „Regatta-Absagen: North-Chef will Regatten weiterführen – Nordseewoche unter Druck“

  1. avatar Realist sagt:

    Eine nicht nachzuvollziehende Entscheidung der Organisatoren. Wie soll Social Distancing bei Rund Skagen möglich sein, wenn bspw. 30 Schiffe mit im Schnitt 10 Crew kommen. Das wären alleine schon 300 Menschen. Vlt sollte man einsehen dass sich die Welt auch ohne die NSW weiterdrehen wird…

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  2. avatar Längjähriger NSW-Fahrer sagt:

    Mal abgesehen davon, dass die Häfen erstmal mit dem verspäteten Kranen nachkommen müssten, oder die Crews mit der verspätete Winterarbeit: Bei Lichte betrachtet fährt man je nicht wegen der Regatten zur NSW, da sind andere Events spannender und besser. Es ist die Stimmung beim Ankommen und die Geselligkeit abends auf der Insel. Und die kann es dieses Jahr nicht geben, weshalb es auch kaum einen Grund gibt, die NSW durchzuführen. Oder man macht die NSW2020 strikt Double-Handed und Helgoland ist nur eine Bahnmarke (“leave Helgoland to starboard..”) die nicht angelaufen wird. (wegen Regel 18, Bahnmarkenberührung)

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