Route du Rhum: Trimaran „Arkema“ aufrecht wiedergefunden – “Wie durch ein Wunder”

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Arkema

Die durchgekenterte “Arkema”. Der Skkipper wartet auf dem Hauptrumpf. © RdR

Das haben selbst die alten Hochsee-Salzbuckel so noch nie erlebt: Nach der Kenterung auf Hoher See richtete sich „Arkema“ nach tagelanger Drift wieder von selbst auf. „Ein kleines technisches Wunder“.

Normalerweise ist die Bergung eines auf Hoher See gekenterten Trimarans eine ziemlich knifflige Angelegenheit. Zunächst muss das treibende, meist ziemlich lädierte Boot in den Weiten des Ozeans gefunden werden. Dann wird eine Bestandsaufnahme gemacht: In den meisten Fällen sind Mast, Rigg und Segel schwer beschädigt oder ganz abrasiert.

Wieviel Wasser ist im Boot? Wie groß sind die Schäden am Rumpf? Dann beginnt die mühevolle Prozedur des Wiederaufrichtens: ein Schwimmer wird dabei unter Wasser gesetzt, am anderen Schwimmer zieht der Schlepper. Mit ein bisschen Glück schwimmt der Tri dann nach einer Stunde  wieder in normaler Position auf dem  Wasser – bei hohem Seegang kann die Prozedur mit einigen Fehlversuchen auch mal einen Tag dauern. 

Koppheister, abgeborgen, umgestiegen

Ähnliches erwarteten auch die Herren des Arkema-Technikteams, als sie gestern auf dem Schlepper „Lady Debbie“ etwa 1.000 Seemeilen vor Guadeloupe, den gekenterten Multi50-Trimaran „Arkema“ suchten. Der war mit Skipper Lalou Roucayrol am 14.11., etwa 900 Seemeilen vor Point-a-Pitre, dem Zielort der Route du Rhum auf Guadeloupe, koppheister gegangen (SR-Bericht). Lalou überlebte die Kenterung unverletzt. 

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Trotzdem wäre es wohl allen Beteiligten lieber gewesen, wenn sie den Tri auf diese Weise nach Guadeloupe segeln könnten © arkema

Zwei Tage später barg ihn der Führende der Multi-Class-Rhum, Pierre Antoine auf „Olmix“, nach drei Versuchen von der gekenterten „Arkema“ ab. Am 18.11. trafen die beiden auf Hoher See auf den in der Zwischenzeit von Pointe a Pitre aus gestarteten Schlepper „Lady Debbie“, der wiederum Lalou übernahm. 

Als Lalou und sein Technik-Team sich gestern dem weiterhin Tracker-Signale sendenden 50-Fuß-Trimaran näherten, konnten sie ihren Augen kaum trauen: Vor ihnen trieb, in „aufrechter Position“, die „Arkema“ – das Boot hatte sich von selbst aufgerichtet. 

Team Managerin Fabienne Roucayrol erklärt sich das so: „Schon vor der Kenterung bemerkte Lalou relativ viel Wasser im Steuerbord-Schwimmer, konnte aber kein Leck finden. Nach der Kenterung muss der Steuerbord-Schwimmer weiter vollgelaufen sein, so dass er unter Wasser absank. Mit Hilfe einer günstigen Welle muss sich das Boot so über den Steuerbordschwimmer drehend wieder aufgerichtet haben!“ 

Nach einer Inspektion der Schäden an Bord wurde „Arkema“ direkt an den Haken genommen und wird nun nach Guadeloupe geschleppt. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 4 Knoten, wird der Schlepper in neun bis 12 Tagen zurück erwartet – mit einem zumindest halbwegs intakten Boot im Schlepptau!“

Hängende Köpfe

Eine positive Nachricht, die gestern zumindest für ein paar Stunden die Szene im französischen Lorient aufheiterte. Denn ansonsten ist rund um den Regattahafen La Base eher gedämpfte Stimmung zu spüren. Die meisten „Helden“ des Hafens sind mit hängenden oder gar gebrochenen Flügeln wieder von der Route du Rhum zurückgekehrt.

Zwar ist ein Sieg bei den IMOCA zu vermelden, doch was ist das schon im Vergleich zum Bruch auf dem Ultim Trimaran „Gitana“ (dessen Mast gestern gelegt wurde , damit der lädierte Steuerbordschwimmer in den nahen Werfthallen repariert werden kann), der Delaminierung auf Sam Davies „Initiative Coeur“ oder dem Mastbruch auf „Monin“? Isabelles Joschkes Imoca sieht jedenfalls ohne Mast am langen Steg der „Base“ liegend ziemlich „gerupft“ aus.

Und „Charal“ macht zwar äußerlich einen unversehrten Eindruck, es soll aber Gerüchten zufolge eine lange Liste an größeren Änderungen geben, die an dem Boot nachgebessert werden müssen. 

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Und auch Isabelle Joschke hätte die RdR wohl lieber mit solchen Bildern als mit Mastbruch beendet © monin

Mit Bangen erwarten die Preparateurs und Segler auch die Ankunft des gekenterten Trimarans „Banque Populaire“.  Der hängt zwar ebenfalls bereits am Haken, soll aber ersten Angaben zufolge übel beschädigt sein. Die Rückreise wird sich lange hinziehen – die Wetterlage auf Hoher See wird mit „eher ungünstig“ für Schleppmanöver bezeichnet. 

Gerüchten zufolge macht man sich in Brest bereits Gedanken darüber, ob die für in einem Jahr geplante Einhand-Nonstop-Weltumseglungs-Regatta auf Ultim-Trimaranen wirklich im geplanten Rahmen stattfinden kann und wird.

Was soll eine derart extreme Regatta auf Hightech-Rennmaschinen, wenn die Neubauten der neuesten Generation nicht einmal den Atlantik bezwingen können? Viele sehen schon den grinsenden Francis Joyon im Stile eines Robin- Knox-Johnston (beim Sunday Times golden Globe vor 50 Jahren) als einzigen Finisher über die Ziellinie brettern.

Angeblich soll bereits über ein Etappenrennen statt einer Nonstop-Weltumseglung nachgedacht werden. 

Witzmann gut im Training

Aber eine positive Nachricht gibt es noch aus Lorient und La Base zu vermelden: Deutschlands neue Mini-Transat-Hoffnung Hendrik Witzmann trainiert unverdrossen und intensiv bei fünf Grad Lufttemperatur auf seiner Pogo 3 „Sunovation“. Unter der Regie des bekannten Hochseetrainers Leglatin holt sich Witzmann derzeit den „Einhand-Schliff“, testet sein Boot in allen erdenklichen Situationen und trainiert Manöver bis zum Abwinken – im Zweihand-Modus übrigens mit Erwan le Draoulec, dem letztjährigen Transat-Sieger in der Serienwertung.

Witzmann, Sunovation, Mini

Witzmanns “Sunovation”, ein Pogo 3 Mini, in Action (Sommer-Foto – der Steuermann in leichter Bekleidung!) © classe mini

Der erfolgreiche Drachen-Segler ist zwar noch nicht zu 100 Prozent zufrieden mit der Performance von Mann und Boot, sieht aber Potential für weitere gute Platzierungen in Zukunft. Nur eines stört ihn:

„Ich bin doch normalerweise auf dem Drachen der Steuermann,“ beschwert sich ironisch schmunzelnd Witzmann. „Wann habe ich schon zum letzten Mal einen Spi hochgezogen? Und jetzt tun mir die Hände weh, weil ich alles alleine machen muss auf dem Mini!“ Aber auch das wird Witzmann meistern, da können wir uns sicher sein.

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier

2 Kommentare zu „Route du Rhum: Trimaran „Arkema“ aufrecht wiedergefunden – “Wie durch ein Wunder”“

  1. avatar Patrese sagt:

    Ja so in sie die Drachensegler, aber die haben ja auch elektrische Bilgepumpen, da die Golfspieler es nicht mehr schaffen ein paar Liter per Hand zu lenzen……

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  2. avatar breizh sagt:

    Puuhh. Endlich ein Artikel, der keine Pressemitteilung oder Übersetzungen von der RdR Seite ist. Das in Lorient gerade eher Trauerstimmung ist, kann ich nachvollziehen. Aber die Hitze in Pointe a Pitre ist ja auch nicht für jeden etwas :).
    Nach den Erlebnissen ist es bestimmt mehr als eine Überlegung Wert, ob die Ultim Regatta um die Welt nicht ein anderes Format bekommt. Nachher gewinnt noch Loick Peyron auf seiner HAPPY. DIe Ausfallserie zeigt aber sehr gut die Leistung von François Gabart und Thomas Coville bei ihren jeweiligen Rekorden bei der Jules Verne Trophy.

    Witzmann und Erwan le Draoulec auf einen Boot ist eine interessante Kombination. Ob das was gebracht hat, sehen wir dann ab dem Frühling. Ein weiterer starker Mini-Segler wäre klasse und macht die Klasse hoffentlich weiter bekannter.

    Liegt eigentlich der Imoca vom Offshore Team Germany auch mittlerweile in Lorient? Oder was macht die Kampagne.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

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