Schiffsuntergang: Was macht Amedeo zurück an Land? – Story eines gnadenlosen Optimisten

„Bloß nicht aufgeben“

Erst verbrannte Amedeos IMOCA mitten auf dem Ozean, dann wurde der Skipper spektakulär gerettet. Was macht so einer nach seiner Wiederauferstehung? Er legt ganz bestimmt nicht die Hände in den Schoß und träumt weiter von der Einen: der Vendée Globe!

Bisher unveröffentlichte Aufnahmen, die Amedeo in der Rettungsinsel machte

Fabrice Amedeo und der Verlust seines Bootes während der Route du Rhum – eine Geschichte, die zu den absoluten Schreckmomenten der Atlantik-Regatta gehört. „Dein Boot geht mitten auf dem Ozean in Flammen auf, du kannst im letzten Moment auf die Rettungsinsel springen, dein Kleinod, in das du deinen letzten Cent und Tausende Arbeits- und Emotionsstunden gesteckt hast, versinkt vor deinen Augen, du wirst bange Zeit später von der wundervollen Besatzung eines Frachtschiffes gerettet – wie, bitteschön, soll man so etwas jemals vergessen!“ So spricht es der Franzose seit seiner Rückkehr an Land in jedes Mikrofon, das ihm vors Gesicht gehalten wird.

Hände in den Schoß?

Und es sind nicht wenige, wie man sich denken kann: ein Mann wird aus Seenot in den unendlichen Weiten des Ozeans während einer der prestigeträchtigsten Regatten gerettet – Stoff, den (nicht nur) die Franzosen über alles lieben. Vor allem dann, wenn alles gut ausgegangen ist.

Da war noch alles “in Butter”: Amedeo kurz nach dem Start zur Route du rhum © rdr

Wobei das mit dem „gut ausgegangen“ eine eher relative Sache ist. Was machen diese Menschen, die aus ausweglos erscheinenden Situationen gerettet werden, nachdem sie mehr oder weniger glücklich wieder zuhause angekommen sind, ihre Liebsten in die Arme geschlossen und der Welt für ihre Wiederauferstehung gedankt haben? Hände in den Schoß und erst einmal lieber nicht das Schicksal herausfordern?

Für Fabrice Amedeo ist das jedenfalls keine Option. Zurück in Frankreich, dreht er regelrecht auf, stellt sich der Öffentlichkeit, statt sie zu scheuen. Berichtet in den Sozialen Medien erneut in jedem Detail von seinem Abenteuer, wird von den TV-Sendern interviewt, steht der Fachpresse in langen Interviews Rede und Antwort. Die Intention dahinter ist klar: Bloß jetzt nicht in Vergessenheit geraten, bloß nicht „aus dem Tritt kommen“.

Fabrice Amedeo bei der Arbeit © liot/azimut

Denn schon in der Rettungsinsel, als noch längst kein rettender Frachter am Horizont aufgekreuzt war, machte sich trotzig der eine, typische Seeregattasegler im Hirn breit: „Ich MUSS die Vendée Globe mitmachen! Ich MUSS! Auch wenn ich alles verloren habe – zu viel wurde investiert, als dass ich jetzt wegen so einem bisschen Bootsverlust meine Idee aufgeben werde!“ Ein Gedankengang, den Amedeo immer wieder in seinen Gesprächen wiederholt. „Ich darf nicht aufgeben!“

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Michael Kunst

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