Segel-Sponsoring: Offshore-Profis in Nöten. Groupama streicht 17 Millionen Jahresbudget

Hochsee-Helden unter Druck


Der französische Einhand-Segler Eric Peron sucht mit einem launigen Filmchen Sponsoren für das Solitaire du Figaro

Als Franck Cammas und sein Team kürzlich in Auckland die vierte Etappe des Volvo Ocean Race gewannen, feierte Hauptsponsor Groupama dies noch als einen „historischen Erfolg im Hochseeregattasport“ und logischerweise als „Resultat einer weltweit funktionierenden Teamarbeit“ – ganz wie es die PR-Manager in ihren Richtlinien diktieren.

Aber nun hat Groupama offiziell angekündigt, dass man „sich vollständig aus dem Segel- und Fußball-Sponsoring zurückziehen werde“. Zuvor hatte die Gerüchteküche bereits monatelang genau dies vor sich hinköcheln lassen…

Groupama bei der Sieg-Ankunft in Auckland. Trotz guter Leistungen steht der Ausstieg des Sponors fest. © IAN ROMAN/Volvo Ocean Race

Als Gründe wurden die schlechten Geschäfte der letzten 14 Monate und schwache Prognosen für die kommenden Jahre angegeben, derentwegen auch schon auf den höchsten Etagen in Paris und London „altgediente Köpfe rollten“. Und natürlich fiel den neuen Elite-Managern nichts Besseres ein, als drastische Sparmaßnahmen im Marketing- und Kommunikationsbereich anzukündigen, zu dem bekanntlich auch das Sponsorship in allen Facetten zählt.

Mittlere Katastrophe für Franzosen-Profis

Für die französische Offshore-Szene gleicht das Signal einer mittleren Katastrophe. Denn Groupama zählte immer zu den verlässlichsten Partnern, die sich auf eine vergleichsweise lange Vertragsdauer einließen und somit wichtige Akzente für andere Sponsorenarrangements bei den Hochseeboliden setzten.

Seit 1997 steht Franck Cammas bei dem Bank- und Versicherungskonglomerat unter Vertrag und hatte nicht zuletzt dank dessen großzügigen Engagements Schiffe bauen lassen, deren Design oft gewagt, aber nie erfolglos war. Prestigeträchtige Siege bei der Trophée Jules Verne oder etwa bei der letzten Route du Rhum sprechen für sich.

Zuletzt zahlte Groupama dem Team um Cammas satte 17,3 Millionen Euro jährlich! Im Gegenzug erhielt Groupama eine zielgruppenadäquate PR-Botschaft, die sie in ihren Stammländern Frankreich und Großbritannien perfekt um- und einsetzen konnte. Zwar läuft der Vertrag mit Franck Cammas persönlich noch bis einschließlich 2015, doch wolle man nach dem Finish des VOR „kein weiteres Engagement unter Segeln mehr eingehen“.

Véolia zieht sich auch zurück

Mit ähnlich kurzfristig wirksamen Konsequenzen kündigte Véolia – eine weltweit agierende Unternehmensgruppe mit mehr als 300 Tsd Mitarbeitern – vor Wochen an, sich in Zukunft aus dem Segelsport zurück zu ziehen.

Das betrifft vor allem Roland Jourdain, der mit seinem neuen MOD 70-Trimaran noch einiges vor hat. Er muss nun rasch für Sponsoren-Ersatz sorgen, wenn er bei der European Tour der MOD 70 von August bis September eine Rolle spielen möchte.

Jean-Pierre Dick wird in China fündig

Doch irgendwo kann man als französischer Segler immer einen kleinen Hoffnungsschimmer am Horizont ausmachen – man muss nur lange und stur genug danach Ausschau halten!

So oder ähnlich muss Jean-Pierre Dick (zuletzt Sieg beim Transat Jaques Vabre oder Barcelona World Race mit Loick Peyron) gedacht haben, als er vor Monatsfrist einem chinesischen Geschäftsmann vorgestellt wurde. Der will offenbar mit einer finanziell potenten weltweit agierenden Unternehmensgruppe in das Hochseeregattageschäft einsteigen.

Alles läuft derzeit noch unter dem absoluten Siegel der Verschwiegenheit, aber ausgehend von der Dick’schen Strahlemann-Bewertungsskala ist an der Sache mehr als „nur etwas dran“!

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Michael Kunst

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8 Kommentare zu „Segel-Sponsoring: Offshore-Profis in Nöten. Groupama streicht 17 Millionen Jahresbudget“

  1. avatar Ketzer sagt:

    “Und natürlich fiel den neuen Elite-Managern nichts Besseres ein, als drastische Sparmaßnahmen im Marketing- und Kommunikationsbereich anzukündigen, zu dem bekanntlich auch das Sponsorship in allen Facetten zählt.”

    Haha, seid Ihr etwa beleidigt? Kann das Verhalten von Groupama gut nachvollziehen, zumal die Budgets für Segelprojekte in den letzten Jahren vermutlich immer größer wurden. Ein Regattazirkus aus MOD70 Booten? Das hat schon was von Größenwahn. Jetzt schrumpft sich das ganze vielleicht etwas gesund.

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    • avatar Klaus sagt:

      Seh’ ich genauso. Vielleicht begrenzt das etwas die Materialschlachten und öffnet damit den Sport für Leute mit überschaubereren Budgets.

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  2. avatar Lionel Hutz sagt:

    Bref. La France, c’est geniale!

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  3. avatar jl sagt:

    Ihr habt ja so recht!!!!!
    Euer Vorschlag ist vergleichbar mit dem, die Formel 1 in Zukunft mit Wohnmobilen zu fahren!!! Höchst interessant. Der Americas Cup und das Volvo Ocean Race ist doch das Salz in der Suppe, natürlich teuer und an der Grenze des Möglichen! Genau wie die Formel 1 und andere Hochleistungssportarten. Hier werden Grenzen ausgetestet und neue Materialien eingesetzt, für die es noch keine Berechnungsvorgaben gibt. Eine Herausforderung für Konstrukteure, Bootsbauer und Mannschaften die in den modernen Bootsbau einfließen.

    Die Alternative wäre eine Weltumsegelung mit Booten aus Bayern, in etwa so mitreißend wie das Musikantenstadl.

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    • avatar Bernie E. sagt:

      Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich. Das Interesse an der Formel 1 wäre wahrscheinlich auch etwas geringer, wenn 2/3 des Feldes ins Ziel geschleppt werden müsste (z.B. weil sich wegen eines überraschenden Regenschauers die Flügel “delaminieren”) …

      Ich muss ganz ehrlich sagen, für mich ist das Konzept viel zu sponsorenlastig – hier geht es doch gar nicht mehr um den “Sport”, sondern ausschließlich um die Vermarktung. Ich würde mich nicht wundern, wenn bei den (unsinnigen) Inport-Races – für die die Boote nicht konstruiert wurden – jeweils die Boote brillieren, deren Sponsor im jeweiligen Hafen/Land stark vertreten ist. So sind ja wohl auch die Zieldestinationen festgelegt worden. Alleine schon der Transport auf Schiffen zum nächsten Ziel (Piraten) – hallo wo gibt’s denn so was?
      Wenn ein Großteil der Boote konstruktive Schwächen aufweist und sich teilweise schon in den ersten Tagen/Wochen des Races bei – wenn ich mich recht entsinne – 35 Knoten Wind “auflöst”, hat das eher was mit einer Versuchsreihe, als mit Bootskonstruktion zu tun. Da erwarte ich ehrlich gesagt von einem “erfolgreichen Konstrukteur” deutlich mehr! Hier hat man den Bogen – warum auch immer – so überzogen, dass letztendlich der Einäugige unter den Blinden vorne liegt…
      Und genau hier sind die Regelungen bei der Formel 1 offenbar deutlich feiner oder aber die entsprechenden Hersteller – hier bekannter als beim Segelsport – möchten sich nicht so eine Blöße geben und entwickeln deshalb zielorientierter. Ich will ja jetzt nicht unnötig spießig werden aber eigentlich hat das ja auch etwas mit der Sicherheit der Crews zu tun 😉

      Viele Grüße

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  4. avatar Ketzer sagt:

    Dann guckst Du Dir die Berichte über die Mare an, die finde ich ehrlich gesagt genauso interessant wie die Katastrophenmeldungen vom Volvo Ocean Race. Size matters eben nicht.

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  5. avatar Bernie E. sagt:

    Wahrscheinlich hat der desaströse Verlauf des VOR eine solche Entscheidung nicht gerade erschwert. Beim letzten Mal undichte Kielaufhängungen und jetzt auflösende Rümpfe. Das hat doch wenig mit Sponsoring-Profilierung über einen Wettkampf zu tun. Vielleicht sollte man sich zukünftig an Henkel (Pattex/Uhu), PU-Schaum- oder Silikon-Hersteller als Sponsoren wenden.
    Ich vermute, so eine Segelsportinterpretation ist für Sponsoren ähnlich interessant wie gedopte Fahrradrennen.

    VG

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  6. avatar Stumpf sagt:

    Ein tolles faszinierendes Rennen! Schade, dass es so viele Ausfälle gibt. Umso erstaunlicher die Nonstop-Fahrt der BP5!

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