Sicherheit: Clipper Round the World Race-Organisation nach tödlichen Unfällen offiziell entlastet

Selbstverschulden

Clipper Round the World Safety Report

Ab August 2017 segeln sie wieder in Etappen um die Welt © clipper round the world race

Nach den zwei tödlichen Unfällen während des letzten Clipper-Rennens um die Welt wurde eine Untersuchungskommission eingesetzt. Deren Bericht liegt nun vor. 

Im August wollen sie wieder los: Bei der 11. Ausgabe des alle zwei Jahre abgehaltenen Clipper Round the World Race werden erneut zwölf identische 70-Fuß Yachten vor London über die Startlinie segeln. Auf jedem der von Tony Castro speziell für diese Etappen-Weltumrundung gebauten Racer wird ein Profi-Skipper eine Crew aus zehn Segelamateuren ca. 40.000 Seemeilen um den Globus segeln. Crew-Segler können entweder einzelne Etappen oder gleich die gesamte Runde buchen. Die Kosten für den Rundumschlag belaufen sich auf ca. 50 – 55.000 Euro pro Person. 

Das ausgesprochen beliebte und immer früh ausgebuchte Rennen erlebte während seiner letzten Ausgabe (2015-2016) eine tragische Premiere: Zwei Crew-Mitglieder verunglückten tödlich (SR berichtete). 

Nie zuvor waren in der 20jährigen Geschichte der Regatta Menschen zu Schaden gekommen. Der legendäre Robin Knox Johnston, Gründer und Direktor des Events, bezeichnete die Unfälle als den absoluten Tiefpunkt seines Seglerlebens. 

Sicherheitsmaßnahmen stimmen

Die vor allem für ihre umsichtigen und peniblen Sicherheits-Trainingsmaßnahmen bekannten und geschätzten Clipper Round the World Race-Organisatoren baten direkt nach Beendigung des letzten Rennens die britische Marine Accident Investigation Branch (MAIB) um eingehende Untersuchung der Unfallvorgänge, um etwaige Sicherheitslücken in ihrem Konzept schließen zu können.  Der MAIB-Bericht wurde nun vorgelegt – Fazit: Beide Unfälle sind eindeutig auf Selbstverschulden zurückzuführen und hätten auch mit besseren bzw. anderen Sicherheitsmaßnahmen wohl nicht verhindert werden können.

Unfall 1: Andrew Ashman (49), erfahrener Hochseesegler und für die Teilnahme an drei Etappen des Clipper-Races vorgesehen, verstarb am 4. September 2015 ca. 125 Seemeilen vor dem portugiesischen Hafen Porto während der ersten Etappe des in London gestarteten Rennens. Der von den Mitseglern mehrfach beschriebene Unfallhergang wurde von der MAIB bestätigt. Demnach stieg Ashman während einer Patent-Halse mit anschließender Rückhalse über die Travellerschiene, als ihn das überkommende Großsegel respektive der Großbaum im Genick traf. Ashmann war sofort tot. Die Patenthalse geschah, nachdem ein Stropp zum Bullenstander gerissen war. 

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Der verstorbene Andrew Ashman © clipper race

Speziell der Bereich um die Travellerschiene gilt (nicht nur) auf Clipper Race Yachten als absolute Tabuzone. Ashmann trainierte Wenden und Halsen in den Monaten vor dem Regattastart Hunderte Male. Außerdem galt der erfahrene Seemann als besonders vorsichtig und sicherheitsbedacht. Warum er ausgerechnet in dieser Gefahrensituation sein „Heil“ über der Travellerschiene suchte, bleibt ungeklärt. Die MAIB bestätigte, dass die Leine, mit der der Bullenstander befestigt war, zum gängigen Standard an Bord gehörte und nicht unterdimensioniert für diesen Einsatz war.

Abschließend betont MAIB zu diesem Fall, dass Vorfälle wie der gerissene Bullenstander durchaus an Bord passieren können. Genau deshalb soll man sich in bestimmten Gefahrenzonen – wie etwa direkt an der Travellerschiene – nicht aufhalten. Auch nach eingehender Überprüfung der Sicherheits-Trainingsmaßnahmen kam die MAIB zu dem Schluss, dass die Clipper-Race-Organisatoren alles gemacht hatten, um die Segler auf derartige Situationen vorzubereiten. 

Unfall 2: Sarah Young (40), erfahrene Hochseeseglerin, war für die Teilnahme an allen Etappen der Weltumseglung vorgesehen. Sie verstarb am 1. April 2016, am 12. Tag der Nord-Pazifik-Etappe von Quingdao nach Seattle mitten im Pazifik. 

Young befand sich in dieser Nacht während eines Sturms mit Windgeschwindigkeiten um die 40 Knoten und Böen bis 60 Knoten an Deck, um gemeinsam mit anderen Crew-Mitgliedern die Segelfläche abermals zu verringern. Alle an Deck befindlichen Segler waren vorschriftsmäßig angeleint – bis auf Sarah Young. Die erfahrene Seglerin muss das in der nächtlichen Hektik schlicht vergessen haben, denn sie galt unter ihren Crew-KollegInnen ebenfalls als besonders umsichtig. 

Die MAIB rekonstruierte folgenden Unfallhergang: Während der Arbeiten brach eine Welle über das Deck und schleuderte die nicht angeleinte Sarah gegen die Reling; eine zweite, kurz darauf folgende Welle spülte die Britin über Bord. Dabei blieb Young offenbar unverletzt. 

Clipper Race

Wichtiges Mitglied auf der “IchorCoal” © Clipper Race

Das sofort eingeleitete MOB-Manöver wurde im Rahmen der erlernten Sicherheitsregeln vorbildlich ausgeführt – wenn es auch quälend lang dauerte. Kurz nachdem Sarah über Bord gespült wurde, warf man ihr eine Boje hinterher, auf der eine AIS-Rettungsbarke befestigt war. Gegenüber der simplen MOB-Markierung auf dem Bord-GPS hat dieses System den Vorteil, dass die Boje in Wind und Strömung in die gleiche Richtung wie die verunglückte Person treibt und dieselbe so einfacher wiederzufinden ist. Zudem hatte Sarah Young einen PLB (Personal Locater Beacon) bei sich, der manuell ausgelöst werden muss und auch von ihr ausgelöst wurde. 

Aufgrund der horrenden Wetterbedingungen, einem sehr hohen und gleichzeitig chaotischen Seegang in stockdunkler Nacht dauerte es eine knappe Stunde, bis Sarah geortet wurde. Als man sie kurz darauf aus dem Wasser zog, war sie bereits verstorben. Sie war offenbar im relativ kalten Wasser aufgrund des hohen Seegangs ertrunken. 

Da die Clipper Race-Yacht zu weit vom Festland entfernt war, um per Hubschrauber die Leiche der Verunglückten abtransportieren zu lassen, wurde Sarah Young aus ethischen und medizinischen Gründen am nächsten Tag auf See „bestattet“. 

Clipper Round the World Safety Report

Die Flotte unter der Golden Gate Bridge © clipper round the world

Die MAIB weist ausdrücklich auf das sehr gute Clipper-Race-Sicherheitstraining für einen MOB-Unfall hin. Die Crews müssen in unterschiedlichsten Wettersituationen die MOB-Manöver an einem 75-kg-Dummy trainieren – was auch heute noch keineswegs Standard ist bei internationalen Hochseeregatten. Auch die von den Clipper-Race-Seglern genutzten Schwimmwesten gelten unter Experten als eines der sichersten Modelle überhaupt. Sie sollen vor allem in hoher See ausreichend Schutz vor Ertrinken durch überkommendes Wasser bieten. 

„So tragisch die beiden Unfälle auch waren,“ kommentiert Robin Knox-Johnston den MAIB-Bericht, „wird doch deutlich, dass wir uns mit unserem Sicherheitstraining auf höchstem Niveau in der Hochseeregatta-Szene bewegen. Wir werden bei den bereits laufenden Trainingsmaßnahmen für die anstehende Clipper-Race-Ausgabe wie auch schon bei allen vorherigen Ausgaben des Rennens eng mit dem MAIB zusammen arbeiten. Es muss alles getan werden, dass wir das Unfall-Risiko so weit es nur geht einschränken!“  Wenn es auf See auch niemals die 100-Prozent-Sicherheit geben wird. 

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Michael Kunst

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