So werden die deutschen Segler als Sportsoldaten gefördert und fit für Olympia gemacht

Als Sportsoldat auf Kurs Olympia

470M Junior World – Malte Winkel, Matti Cipra – beides Sportsoldaten

Wenn die Segler der Nationalmannschaft bei internationalen Regatten und Meisterschaften an den Start gehen, dann tun sie das zwar unter dem Logo des German Sailing Team – vielfach aber mit der Unterstützung des Bundesadlers. Denn der Bund ist einer der wichtigsten Partner des Leistungssports. Rund 700 Kaderathleten der verschiedensten Sportarten beziehen ein Gehalt der Bundeswehr – beim Segeln sind es 13 Sportsoldaten. Als Mannschaftsdienstgrade oder Unteroffiziere können sie sich voll auf ihren Sport konzentrieren: Der Dienstplan der Sportfördergruppe ist der Trainingsplan des jeweiligen Athleten – zuzüglich des ein oder anderen Repräsentationstermins und einer sporadischen Aus- und Weiterbildung der militärischen Fertigkeiten.

In einem Dreiklang zwischen Athleten, Deutschen Segler-Verband und Bundeswehr wird darüber entschieden, welche Segler in den Dienst bei der Marine einsteigen können. An erster Stelle steht zunächst der Wunsch des Sportlers, der ausschließlich mit der Befürwortung des Segler-Verbands an die Bundeswehr herangetragen werden kann. Die leistungssportlichen Ambitionen und Aussichten entscheiden also darüber, mit welcher Liste von Kadersportlern der DSV in die jährlichen Personalplanungsgespräche mit der Bundeswehr geht. Dabei steht jedem Spitzensportverband nur eine bestimmte Anzahl an Plätzen in der Sportfördergruppe zu. „Diese Zahl ist allerdings nicht in Stein gemeißelt. Die Förderung ist sehr erfolgsorientiert und wird von Olympia zu Olympia angepasst. Eine Olympia-Medaille ist also für die Spitzensportverbände im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert“, sagt Oberstabsbootsmann Lars Apitz, Leiter der Sportfördergruppe. Der Bronze-Gewinn in Rio von Sportsoldat Erik Heil hat daher erheblich geholfen, die Zahl der segelnden Sportsoldaten in den vergangenen Jahren um vier zu erhöhen.

„Bei der Auswahl der Sportsoldaten verlässt sich die Bundeswehr ganz auf die Fachexpertise des Verbandes“, erklärt Apitz das Auswahlverfahren. Auch die Gestaltung des Trainings liegt ausschließlich in den Händen des Verbandes. „In einigen Verbänden – wie im Wintersport – haben wir zwar auch Sportsoldaten als Trainer. Beim Segeln ist das aber nicht so“, so Apitz.

Eine sechswöchige Grundausbildung in Hannover vor der Verteilung auf die Stützpunkte ist obligatorisch, um in den zunächst elfmonatigen Freiwilligen Wehrdienst einzutreten. Eine freiwillige Weiterverpflichtung ist um ein weiteres Jahr möglich. Danach wären die jährlichen Verlängerungen gleichbedeutend mit der Einstellung als Zeitsoldat. Bis zum Stabsbootsmann können die segelnden Sportsoldaten mit den entsprechenden Lehrgängen in Hannover aufsteigen. Zudem werden sportspezifische Trainerlehrgänge bei der Bundeswehr angeboten. Auch der Weg in eine Duale Karriere steht den Kaderathleten offen. „Ein Studium ist durchaus erwünscht, wenn der Athlet diesem Druck der Doppelbelastung neben dem Sport standhält. Aber rund 60 Prozent unserer Sportsoldaten studieren nebenbei“, sagt Lars Apitz. Rund 400 kooperierende Hochschulen gibt es in Deutschland. Und mit dem Berufsförderungsdienst (abhängig von der Zeit als Soldat) erleichtert die Bundeswehr nach dem Ausscheiden aus dem Dienst den Übergang in das zivile Berufsleben.

Mit der Zahlung eines Gehalts, der Ausstattung mit hochwertiger Sportbekleidung (Repräsentationsanzug) und weiteren Berufsförderungen ist die Bundeswehr ein attraktiver Partner der Athleten. Die militärischen Belastungen sind im Gegenzug überschaubar: Die jährliche Weiterbildung in einem einwöchigen Lehrgang kann in Phasen der hohen sportlichen Belastung wie vor Olympia auch ausgesetzt werden. Und die Repräsentationsaufgaben wie beim Tag der Bundeswehr (zuletzt am 9. Juni) sind angesichts von 700 Sportsoldaten, die sich diese Termine aufteilen, nur selten wahrzunehmen. Doch Apitz betont, dass die Segler bei diesen Gelegenheiten in der Sportförderkompanie in Appen oder der Führungsakademie in Hamburg immer gut vertreten sind.

Die segelnden Sportsoldaten: Susann Beucke, Philipp Buhl, Matti Cipra, Tim Fischer, Lena Haverland, Erik Heil, Victoria Jurczok, Phillip Kasüske, Paul Kohlhoff, Anika Lorenz, Anna Markfort, Justus Schmidt, Malte Winkel.

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Ralf Abratis

... ist unser Mann aus der "Segelhauptstadt" Kiel. Mehr zu ihm findest Du hier.
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