Solitaire du Figaro: Yoann Richomme siegt im Gesamtclassement – neue Akzente gesetzt!

Ätsch!

Solitaire du Figaro, Sieger

So sehen Sieger der Solitaire aus! © solitaire du figaro

Obwohl ihm Glück und/oder Schicksal bei dieser Solitaire nicht immer hold waren, zeigte der 35-Jährige Nervenstärke und behielt den Überblick. Ist nun der Weg auf die „großen Boote“ offen? 

Die 50. Solitaire du Figaro ist Geschichte. Und sie hat in vielerlei Hinsicht Geschichte geschrieben.  Zunächst wurde rechtzeitig zum Jubiläum wurde Version 3 der Beneteau -Figaro – mit Foils – in Serie gebracht. Ein Boot, das zwar mit vielen technischen Anfangsschwierigkeiten zu kämpfen hat, letztendlich aber eine Menge Potential aufweist und die Klasse ohne Zweifel nicht nur am Leben erhalten, sondern auch weiter nach vorne bringen wird. 

Wie Perlen auf der Schnur © soiltaire du Figaro

Diese 50. Solitaire du Figaro wird zudem als besonders knifflige in die Annalen der Figaristen eingehen. Selten haben Wind und Strom eine derart prägende Rolle in dem traditionell hervorragend besetzten Figaro-Feld gespielt. Flautenpoker in Etappe 1, das unglaubliche Spektakel im Strom der Alderney-Passage (SR-Bericht) und schließlich ein Sekundenfinish in der letzten, vierten Etappe machten das Rennen zu einem würdigen Jubliäumsereignis. Wenn es auch seinen Protagonisten einige Jahre Nervenstärke gekostet haben dürfte. 

Abstände wie Welten

Und der Sieger dieser Solitaire du Figaro 2019 heißt: Yoann Richomme. Der 35-Jährige holte sich (nach 2016) bereits zum zweiten Mal den Titel bei dieser (nicht nur) in Frankreich so prestigeträchtigen Regatta. Mit einem vierten Rang in der letzten Etappe machte er den „Sack zu“ und behielt – allen Unwägbarkeiten in erneuten, langen Flautenpassagen zum Trotz – die Nase mit 1 Stunde 13 Minuten Abstand vorn. Zweiter wurde Gildas Mahé, Dritter (hier bereits 2 Stunden 28 Minuten Rückstand) Anthony Marchand. 

Solitaire du Figaro, Sieger

Sieger der letzten Etappe © solitaire du figaro

Nach ca. 500 gesegelten Meilen mögen eineinviertel Stunden Differenz zum Zweitplatzierten wenig erscheinen – in Figaro-Kreisen sind das jedoch Welten. Die immer sehr homogen segelnde Klasse beziffert ihre Abstände im Spitzenfeld meist in Minuten. Wie etwa 2016, als Richomme nach einem ähnlich langen Parcours, allerdings durch navigatorisch weniger anspruchsvolles Gebiet, fünf Minuten und zehn Sekunden Abstand zum Zweitplatzierten aufwies. 

Die Figaro zu gewinnen ist wie einen alten französischen Text auf einem zerknitterten Pergament ins Persische zu übersetzen, nachdem man eine erste Übersetzung ins Altgriechische gemacht hat. // le Monde

Nach drei Etappen, in denen es teils gewaltige Lücken zwischen den Führenden und dem Middle of the Pack gegeben hatte, nach drei Etappen, die vor allem im Mittelfeld für krasse Umwälzungen im Scratch gesorgt hatten, zeigte das Finale der vierten Etappe vor Dieppe, dass bei den Figaristen nur Könner am Werk sind.

Achtunddreißig Sekunden zwischen den ersten beiden und zwanzig Skipper innerhalb von 30 Minuten im Ziel sprechen Bände. Teils schnelle Spinnaker-Kurse hatten sich mit nertötenden Flautenpassagen abgewechselt, in denen sich das Hauptfeld immer wieder zusammenschob und um die Platzierungen neu gewürfelt wurde. 

Tür und Tor geöffnet

Für Yoann Richomme dürften sich nun nach seinem Sieg in der Class 40 bei der letzten Ausgabe der Route du Rhum (einhand über den Atlantik in Rekordzeit) und seinem nun doppelten Erfolg bei der Solitaire du Figaro, einige Türen bei den großen Rennställen der IMOCA-Klasse weit öffnen. Es wäre der perfekte Weg für einen Segler, von dem selbst die großen Stars der Szene – die selbst bereits mehrfach die Solitaire du Figaro gewonnen haben – behaupten, dass er auf einem ähnlichen Weg unterwegs sei wie einst Francois Gabart. So bescheinigte ihm Michel „Professor“ Desjoyeaux, dass er wie kein anderer trotz teils desaströser Bedingungen alles im Blick behalten und für scih ausgenutzt habe. Und Yann Elies, der bereits drei Mal die Solitaire gewinnen konnte und der nun im Vendée Globe-Geschäft mitmischt, mutmaßte, dass er gegen Richomme bald auf einem „der großen Boote“ segeln werde. 

Die Starts sind immer eindrucksvoll – hier Roscoff © solitaire du figaro

Überhaupt, die „Alten“ und „nicht ganz so Alten“. Ein Blick auf die Gesamtergebnisliste zeigt, dass auch die (angeblich nur für das Jubliäum einbestellten) Superstars der Szene noch immer schnell lernen. Denn die wohl schwierigste Aufgabe dieser Regatta war letztendlich nicht, den Kampf mit Wind und Strom zu bestehen. Als viel schwieriger wurde von allen eingestuft, dass man nach quasi null Trainingszeit im Regattamodus mit einem neuen, der Allgemeinheit noch völlig unbekannten Boot klarkommen musste.

Solitaire du Figaro, Sieger

Kann richtig zufrieden sein mit ihrer Leistung in diesem Feld: Justine Mettraux © solitaire du figaro

So finishten etwa Armel le Cleac’h und Michel Desjoyeaux auf den sehr beachtlichen Rängen 10 und 12, Yann Elies auf Rang 16, Jeremie Beyou auf Rang 20, Loick Peyron als 24igster und Alain Gautier (Sieger der ersten Vendée Globe) auf Rang 30. Ob Letztgenannter eine Ahnung gehabt hat, als er sein Boot „Merci für die letzten 30 Jahre“ getauft hatte? 

Justine Mettraux beste Frau

Ein Blick noch auf die (wenigen) Frauen, die an dieser Jubliäumsregatta teilnahmen. Die Schweizerin Justine Mettraux behauptete sich erneut als beste Frau auf Rang 18. Ein Ergebnis, das sehr hoch eingestuft werden muss, da die Leistungsdichte in diesem Feld mit keiner anderen Solitaire-Regatta der letzten Jahre zu vergleichen ist.

Solitaire du Figaro, Sieger

Die Szene ist sich einig: Clarisse kremer hat sich viel besser geschlagen, als ihr zugetraut wurde © solitaire du figaro

Und Clarisse Kremer, die ja hier eigentlich „nur zum Hörner abstoßen“ mitmachte und auf die bereits eine fix und fertige IMOCA im Hafen von Lorient wartet, machte ebenfalls  nicht nur PR-spezifisch, sondern auch seglerisch von sich reden. Rang 29 von 47 ist in diesem Feld durchaus eine Verneigung wert! 

Ergebnisse 

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Michael Kunst

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