SR-Besuch bei Greenboats: Wo die Flachsfaserteile für Boris Herrmanns IMOCA entstehen

Fast so steif wie ein Kohlesandwich

Im Juli soll Boris Herrmanns neuer Imoca vorgestellt werden. „Malizia III“ nutzt die neue Klassenregel aus – sie begünstigt die Verwendung von Elementen aus alternativen Bootsbaumaterialien

Hendrik Plate, Friedrich Deimann und Paul Riesen von Greenboats präsentieren Teile für Boris Herrmanns “Malizia III” © Jan Maas

Das erste, was einem in die Nase steigt, wenn man die Tür öffnet, ist – nichts. Bei Greenboats riecht es nicht nach Werft. Und das, obwohl der Betrieb sich darauf spezialisiert hat, neue faserverstärkte Kunststoffe zu entwickeln und herzustellen.

Die Erklärung ist ganz einfach: Hier in Bremen kommen in erster Linie Epoxidharze mit verschieden hohen Bioanteilen zum Einsatz. Sie ersetzen die üblichen styrolhaltigen Polyesterharze, die dafür sorgen, dass GFK-Boote und Werften oft so typisch riechen.

Imoca-Teile aus Flachsfaser-Sandwich

Auch die Fasern im Greenboats-Kunststoff sind ungewöhnlich: Es handelt sich vor allem um Flachsfasern, üblicherweise als Leinen auf dem Markt. Mit dem Stoff, aus dem die Sommerhemden sind, haben die Rollen in der Halle allerdings wenig gemeinsam – außer dem Rohstoff.

Es handelt sich um technische Gewebe, die Greenboats sich in Webereien je nach Zweck eigens herstellen lässt. Die Qualitäten, die inzwischen beispielsweise im Fahrzeugbau verwendet werden, genügen den Ansprüchen des Betriebs nicht.

Lukendeckel für “Malizia III” aus Flachsfaser-Sandwich © Jan Maas

Diese Ansprüche sind noch gestiegen, seit Greenboats 2019 den Daysailer Flax 27 aus naturfaserverstärktem Kunststoff (NFK) vorstellte. Auf der Arbeitsfläche vor der Plattenpresse liegen aktuell Lukendeckel und andere Elemente für Boris Herrmanns neuen Imoca „Malizia III“.

Laut der aktuellen Klassenregel können Bauteile aus nachhaltigen Werkstoffen im Gesamtgewicht von 100 Kilo angerechnet werden. Sie müssen allerdings den gleichen Anforderungen genügen, die an Kohlefaserbauteile gestellt werden.

Lukendeckel für das Boot von Boris Herrmann

Hier zahlt sich die Erfahrung aus, die Gründer Friedrich Deimann und sein Team seit 2009 mit nachhaltigen Werkstoffen gesammelt haben. Dank des praktischen Know-Hows im Umgang mit dem Material soll Herrmann sich auf seinen Lukendeckel aus Flachsfaser-Sandwich genauso verlassen können wie die Konkurrenz auf ihre Kohlefaserprodukte. Über die Jahre sind bei Greenboats alle möglichen nachhaltigen Materialien

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